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Tagblatt Online, 26. Juni 2008 01:13:40

Zwei für einen Sommernachtstraum

Shakespeares Sommernachtstraum gedacht für ein grösseres Ensemble – Furrer und Càceres spielten zu zweit

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Gestenreich und ausdrucksstark: Kuska Càceres und Erich Furrer schlüpften übergangslos in die verschiedenen Figuren. (Bild: Bild: mst.)

Bazenheid. Die Alte Zwirnerei Mühlau war am Samstagabend Schauplatz für den Sommernachtstraum. Erich Furrer schrieb die Komödie um – für zwei Personen.

Monique Stäger

Mit dem «Sommernachtstraum» nach William Shakespeare brachte der Bazenheider Schauspieler Erich Furrer das erste Theater der «netzwerkbuehne» in die Alte Zwirnerei Mühlau. Was als Freiluftaufführung angekündigt worden war, fand dann trotz hochsommerlicher Temperaturen in der charismatischen Wirtsstube der Zwirnerei statt.

Klassik und Moderne

Furrer bedauerte dies keinesfalls: «Das Stück habe ich eigentlich für drinnen geschrieben», erklärte der Schauspieler. Man habe sich bereits Anfang Woche entscheiden müssen, ob unter freiem Himmel oder drinnen gespielt werden soll, die unsichere Wetterprognose habe dann für «indoor» gesprochen, so Furrer.

Der Sommernachtstraum ist eines der meistgespielten Stücke des englischen Schriftstellers William Shakespeare. Die Komödie, bei der Irrungen und Wirrungen um Liebe, Märchengestalten und Zauberei Liebende zusammen-, auseinander- und danach neu gruppiert doch wieder zusammenbringt, hatte Furrer frei nach Shakespeare neu gedichtet. Er paarte dabei die Ausdrucksweise der klassischen Literatur, mit der modernen Sprache und mit Passagen in schweizerdeutschem Dialekt. Zusammen mit seiner Partnerin Kuska Càceres spielte der Bazenheider sämtliche Rollen des Stückes selber. Titania und Oberon, das zerstrittene Elfenkönigspaar, Puck und die Elfen, die verliebten, unbeholfenen Männer Demetrius und Lysander, die vernarrt verblendeten Frauen Hermia und Helena und die liebenswürdigen Handwerksleute, welche ein Drama einstudieren, mit welchem sie dem Herzog von Athen und dessen zukünftiger Braut eine Ehre erweisen wollen.

Ausdruckskraft

Dabei waren die beiden Schauspieler ganz auf ihre eigene Ausdruckskraft gestellt, denn das Bühnenbild und auch die Requisiten waren höchst spartanisch gehalten. Die schnellen Wechsel zwischen den einzelnen Figuren liessen auch keinerlei Kostümierung zu, die gesamten 90 Minuten spielten Furrer und Càceres in grünen Latzhosen und weissem Shirt.

Schon zu Beginn fesselten die Künstler das Publikum durch ihre aussergewöhnliche Ausstrahlung, Mimik und Gestik. Rasant waren die Wechsel zwischen den einzelnen Figuren, dabei verlor das Publikum jedoch nie den Faden der Handlung. Wer Furrer kennt, weiss, wie stark der Bazenheider Schauspieler seine Figuren durch Mimik, Worte und Geräusche prägt.

Die junge Schauspielerin Kuska Càceres stand ihm in keiner Weise nach. Auch bei ihr war jede der gespielten Figuren durch den Gesichtsausdruck und die Körperhaltung sofort zu erkennen, sei es nun die glücklich verliebte Hermia, die Liebeskummer geplagte Helena, die schöne und grazile Elfenkönigin oder gar der listige und schadenfrohe kleine Waldkobold Puck.

Furrer wechselte zwischen den beiden glücklich und unglücklich verliebten, verlobten und versprochenen Helden hin und her und schlüpfte zwischendurch in die Rolle des knorrigen, herrschsüchtigen Elfenkönigs. Seine Interpretationen liessen dabei nie einen Zweifel über die aktuelle Figur aufkommen. Dazwischen schoben die beiden die Szenen der Proben der leicht neurotischen, wild mit ihren Textrollen fuchtelnden Schauspielgruppe.

Feiner Humor und Epik

In den rund 90 Minuten Spielzeit boten die Protagonisten dem Publikum feine, komödiantische Unterhaltung; ein gekonnter Brückenschlag zwischen dezentem Humor ohne «Schenkelklopfer», aber mit zahlreichen Szenenlachern und Szenenapplaus. Die Nähe zu Shakespeares epischem Theater fand Furrer auch immer wieder, indem er auf Situationen im Publikum oder auch Geräusche aus der nahen Küche spontan einging. «Und alle sind wieder bei sich zu Haus», so der Schluss der Aufführung, den die vielseitigen Künstler als Rap gaben.





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