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Tagblatt Online
8. März 2012, 01:07 Uhr

Wo Hundeleinen unbekannt sind

Evelyn Karlen kommt aus der Schweiz, lebt aber seit einigen Jahren in Ägypten. Dort wohnt sie mit ihrem Partner in einem einfachen Dorf. Interessierten erteilt sie Arabischunterricht via Skype und zeigt ihnen vor Ort «ihr» Ägypten.

LARISSA FLAMMER

ZUCKENRIET. Evelyn Karlen findet es seltsam, dass Menschen ihre Hunde an der Leine führen. Sie schüttelt den Kopf, wenn sie sieht, wie viele Dinge die Schweizer wegwerfen und wie viel Wasser hier verbraucht wird. Diese und noch viele andere kleine Dinge fallen der gebürtigen St. Gallerin auf, seit sie vor fünf Jahren nach Ägypten gezogen ist. Im Norden des Landes, in der Nähe der Stadt Luxor, lebt sie mit ihrem Partner, der dort aufgewachsen ist. Nach zweieinhalb Jahren ist sie nun wieder einmal für ein paar Wochen in ihre Heimat zurückgekehrt und hat gestern den Schülerinnen und Schülern der Oberstufe Sproochbrugg vom Leben und Arbeiten in Ägypten erzählt.

Langsame Handarbeit

Als Evelyn Karlen den Vortrag auf Arabisch begann, konnte ihr nur ein Schüler folgen, der die Sprache versteht. Erst vor sieben Jahren ist die ausgebildete Psychiatrieschwester zum erstenmal nach Ägypten gereist. Heute erteilt sie selbst Arabischunterricht via Skype, dem Internet-Telefondienst. Ägypten, wie sie es erlebt, hat sie mit ihrer Kamera gefilmt. «Um zu zeigen, wie schön und sicher es in Ägypten immer noch ist», sagt Evelyn Karlen. Die Schüler hörten aufmerksam und interessiert zu, was die Referentin und die Lehrer gleichermassen freute.

Die Filme zeigten das einfache Bauernleben, das laut Evelyn Karlen 80 Prozent der Bewohner Ägyptens führen. Wie Felder bewirtschaftet und bewässert werden, wie aus Weizen Mehl und daraus Brot wird und wie ganze Siedlungen umquartiert werden, um archäologische Ausgrabungen zu ermöglichen. Das Leben auf dem anderen Kontinent verläuft einfacher, langsamer als in der Schweiz. Das Wasser, das zum Bewässern der Felder benötigt wird, muss über Kanäle vom zwei Kilometer entfernten Nil heraufgepumpt werden. «Dabei müssen alle Schleusen geschlossen sein, sonst bewässert man zuerst die vielen fremden Felder», bemerkt Evelyn Karlen lächelnd.

Verdoppelte Preise für Zucker

Die gebürtige St. Gallerin erzählte, dass sich die Preise für einige Lebensmittel, wie etwa für Zucker, innerhalb von fünf Jahren verdoppelt haben. Ein Kilo Zucker koste sechs Pfund. Und da eine Familie täglich für den vielen Tee ein Kilo Zucker brauche und nur etwa zehn Pfund im Tag verdiene, nehmen viele Männer einen zweiten Job an. Nur wenige Familien können es sich leisten, ihre Kinder studieren zu lassen. Mädchen werden nach der Schule meist direkt von der Mutter in die Haushaltsarbeiten eingeführt.

Evelyn Karlen selbst erteilt nicht nur Arabischunterricht via Skype, sie zeigt Touristen auch «ihr» Ägypten. Und über ihren Reiseservice «Luxor alternativ» kann man individuell das nordafrikanische Land entdecken. Für Ägypten sei der Tourismus sehr wichtig. «Auf Touristen wird auch sicher gut aufgepasst», sagte Evelyn Karlen. Sie selbst hat dort ein neues Zuhause gefunden, auch wenn sie «nie richtig als Ägypterin akzeptiert» werde. Damit habe sie sich jedoch abgefunden.



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