Tagblatt Online, 03. April 2009 01:03:09
Welche Werte sind uns wichtig?
Diskutierten über Werte: Hans Möckli, Thomas Merz-Abt, Moderator Ernst Ritzi, Ann-Katrin Gässlein und Wilfried Bührer (von links). (Bild: Bild: nb.)
Im Rahmen der ökumenischen Begegnungswoche «Aufbruch09» fand in Schönholzerswilen eine Podiumsdiskussion zum Thema «Werte» statt. Diskutiert wurde unter anderem über Schwangerschaftsabbruch und Ladenöffnungszeiten.
Natalie Brägger
Schönholzerswilen. Die Organisatoren der ökumenischen Begegnungswoche «Aufbruch09» hatten für die Werte-Diskussion mit Ann-Katrin Gässlein, Chefredaktorin des «Forum Kirche», Thomas Merz-Abt, Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Weinfelden und CVP-Grossrat, Hans Möckli, Schönholzerswiler Gemeindeammann und Oberstufenlehrer, und Wilfried Bührer, Pfarrer und Präsident des Kirchenrates der Evangelischen Landeskirche Thurgau, hochkarätige Podiumsteilnehmer eingeladen. Trotzdem besuchten nur gerade dreissig Personen die Diskussion, was wohl daran lag, dass es «die schwerste Kost dieser Begegnungswoche», wie Pfarrer Ruedi Bertschi es nannte, war.
Werte-Rangliste erstellt
Gekonnt moderiert wurde das Podium von Ernst Ritzi, Sekretär des evangelischen Kirchenrates und Grossrat der Grünen Partei. Er hatte für die Podiumsteilnehmer wie auch für das Publikum die Aufgabe vorbereitet, aus neun gegebenen Werten eine Rangliste zu erstellen. Die Auswertung dieser Umfrage wird in den Gemeindemitteilungen von Wuppenau und Schönholzerswilen veröffentlicht. Wilfried Bührer setzte von den neun Werten die Glaubwürdigkeit an die erste Stelle. «Man kann nichts bewirken, wenn nicht eine Überzeugung aus dem Innern kommt», begründete er seinen Entscheid. Thomas Merz-Abt setzte den Wert Verantwortung zuoberst auf seine Rangliste. «Ich stelle mir immer wieder die Frage nach meiner Verantwortung», erklärte der CVP-Grossrat, «das hilft mir, meinen Tag sinnvoll zu gestalten.» Für Hans Möckli ist die Wertschätzung der wichtigste Wert. «Wertschätzung ist auch gegenüber den verschiedenen Religionen wichtig», betonte er. Mit Wertschätzung könne man viele Konflikte im Voraus lösen.
Die junge Ann-Katrin Gässlein nannte schliesslich die Solidarität – für sie «das Gefühl, dass man mit allen anderen Menschen verbunden ist» – als den für sie wichtigsten Wert. Heute bestehe ein Trend zur Individualisierung und gleichzeitig würden viele Jugendliche über Haltlosigkeit klagen. «Das zeigt, dass die Solidarität in der heutigen Gesellschaft immer mehr fehlt», so Gässlein.
Zehn Gebote im 21. Jahrhundert
Im zweiten Teil der Diskussion lenkte Ernst Ritzi den Fokus auf die zehn Gebote und deren Umsetzung im 21. Jahrhundert. Thomas Merz-Abt fragte er, wie er zum Gebot «Du sollst den Feiertag heiligen» stehe und was er von der Ausweitung der Ladenöffnungszeiten halte. Dieser erklärte, dass er «enorm Mühe» mit der Ausweitung der Öffnungszeiten habe. Er denke dabei immer an die Arbeitenden und deren Familien, die darunter leiden würden. Zwar sei es praktisch, wenn man Vergessenes auch am Abend einkaufen könne, aber «die Gesellschaft als Ganzes verliert, wenn wir uns an der Kurzfristigkeit ausrichten», betonte Merz-Abt.
«Leitlinien enger setzen»
Mit dem Gebot «Du sollst nicht töten» als Grundlage wurden die Podiumsteilnehmer zu ihrer Haltung betreffend Sterbehilfe und Schwangerschaftsabbruch befragt. Wenn er sich jemanden vorstelle, der durch eine Schwangerschaft in grosser Not sei, wolle er dieser Person «nicht den Stab brechen», antwortete Wilfried Bührer. Einer Zuhörerin war diese Antwort zu wenig konkret, worauf Bührer antwortete, er würde im Gespräch mit einer betroffenen Frau versuchen, «Anwalt des Lebens zu sein». Bei der liberalen Gesetzgebung des Staates seien persönliche Leitlinien umso wichtiger. «Diese Leitlinien dürfte die evangelische Kirche enger setzen», kritisierte Bührer.
Wo es Freiheit gebe, brauche es auch Regeln, Freiheit sei nur mit Verantwortung möglich, meinte Thomas Merz-Abt zu dieser Thematik. «Die fortgeschrittene technische Entwicklung führt nur zu einer guten Zukunft, wenn wir die entsprechende Verantwortung dafür übernehmen», so Merz-Abt.
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