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Tagblatt Online, 12. November 2008 01:05:37

Vor einem «Horrorszenario»

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Die zunehmende Dichte der Flugbewegungen im Raum Wil mit dem ebenfalls wachsenden Sicherheitsrisiko – rot die Starts, blau die Landungen. (Bild: Bild: zVg.)

Die Organisation «Fluglärm Ost» ruft zu Protestbriefen an Bundesrat Leuenberger auf. Sie wehrt sich gegen die Forcierung der Ostanflüge und den massiv zunehmenden Lärm.

Die Sektion Region Wil & Uzwil der Organisation Bürgerprotest Fluglärm Ost ruft die Bevölkerung auf, den Unmut über die drohende Abschiebung von erheblich mehr Flugverkehr in den Osten mit Protestbriefen an Bundesrat Moritz Leuenberger kundzutun. Der Osten dürfe keinesfalls als Pfand für Deutschland und für einen fluglärmfreien Süden verkauft werden.

Hauptanflugschneise

In einer Postulatsantwort liess Bundesrat Moritz Leuenberger verlauten, dass sich nur mit einem klaren Bekenntnis zur Verlängerung der Ostpiste 28 deutsche Zugeständnisse für eine Lockerung der Überflugverbote erwirken liessen. Der Osten verkäme damit, wie es in der jüngsten Verlautbarung der Regionalsektion «Bürgerprotest Fluglärm Ost» heisst, zur Hauptanflugschneise des Flughafens Kloten. Im Fluglärmstreit hoffe Bundesrat Moritz Leuenberger neuerdings mit der Betriebsvariante «J optimiert» auf eine damit erzielte Entlastung des Südens und eine Lockerung der deutschen Verordnung sorgen zu können. Diese Betriebsvariante sieht die Verlängerung der Ostpiste 28 und einen forcierten Ostanflug vor. Damit würde der Flugbetrieb in Zürich/Kloten zukünftig primär auf Nord und Ost ausgerichtet. Die Zürcher Regierung und die Südanfluggegner hat er damit im Boot.

Alle 3,5 Minuten Lärm

Das würde für den Osten bedeuten, dass die Anzahl Anflüge mehr als vervierfacht werden und die Anflüge nicht nur abends ab 21 Uhr bis nach Mitternacht, sondern zusätzlich auch von 10 Uhr bis 16 Uhr über den Osten abgewickelt werden. In Zahlen hiesse das eine Erhöhung von heute rund 25 000 auf über 100 000 Landungen pro Jahr. Verteilt über 365 Tage und 16 Stunden pro Tag ergäbe dies für den Raum Wil eine Lärmeinwirkung alle rund 3,5 Minuten – als Dauerzustand ein Horrorszenario! Die Organisation «Bürgerprotest Fluglärm Ost» (BFO) ruft deshalb die Bevölkerung auf, den Unmut darüber mit persönlichen Briefen direkt an Bundesrat Leuenberger kundzutun. Ein Musterbrief steht unter www.fluglaerm-ost.ch zum Herunterladen bereit. Der Osten darf keinesfalls als Pfand für Deutschland und für einen fluglärmfreien Süden verkauft werden!

Grosse Sicherheitsrisiken

Gegen die geplante Betriebsvariante «J optimiert» (Nordost) sprechen zudem grosse Vorbehalte bei der Sicherheit. In einer veröffentlichten Stellungnahme haben 37 von 61 Skyguide-Fluglotsen die in Ostrichtung kanalisierten An- und Abflüge als nicht akzeptables Risiko beurteilt, weil sie befürchten, dass sich die gleichzeitig nach und von Osten startenden und landenden Flugzeuge in diesem Korridor zu nahe kommen könnten.

Der Bassersdorfer Hügel

Es ist ausserdem schon lange bekannt, dass die Risiken für Landungen auf der Piste 28 weit höher einzustufen sind als bei den Südanflügen. Bei den Ostanflügen müssen die Flugzeuge nicht nur auf der weitaus kürzesten Piste landen, auch das Geländeprofil ist höchst problematisch. Mit einem bewaldeten Hügel ragt auf Bassersdorfer Gemeindegebiet ein beträchtliches Hindernis in die sogenannte Sicherheitsebene. Es hat denn dort auch schon grosse Unglücksfälle gegeben, unter anderem den Flugzeugabsturz bei Bassersdorf.

Bekenntnis zum Flughafen

Die BFO bekennt sich klar zum Flughafen Zürich als Wirtschaftsfaktor und wehrt sich darum auch nicht gegen die heutige Fluglärmbelastung oder eine anteilige Übernahme von Fluglärm. Es soll indessen nicht nur die zürcherische Goldküste, sondern auch der Raum Wil-Fürstenland-Südthurgau ein ebenso werter Lebensraum bleiben. (pd./ram.)





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