Tagblatt Online, 03. September 2010 01:03:00
Notabene
Mit dem «Postizetteli» an den Bahnschalter
Als kleiner Bube hab ich immer wieder mal Einkäufe für meine Mutter erledigt. Sie schrieb zu Hause eine kleine Einkaufsliste auf einen Zettel und drückte mir diesen zusammen mit dem dafür benötigten Geld in die Hand. Ich wiederum drückte diesen Zettel in die Hand der Verkäuferin im Dorfladen, und diese suchte die gewünschten Artikel in den Regalen zusammen und führte mich dann an die Kasse. Das hat immer ausgezeichnet funktioniert. Und wenn etwas funktioniert, dann merkt man es sich.
Viele Jahre später hab ich nun wieder auf diesen Trick zurückgegriffen. Während einer Reise durch die Ukraine nämlich. Dort entpuppte sich der Kauf eines Billetts für eine Zugfahrt als äusserst schwierig für Reisende, die weder Russisch noch Ukrainisch sprechen. Schnell wird man von der Schalterbeamtin mit dem Wort «Niet» abgewimmelt, wenn man mit Englisch, Händen und Füssen versucht, eine Fahrkarte zu ergattern.
Und so kam es, dass meine «Reisegspänli» und ich nach Personen Ausschau hielten, die sich auf Englisch dazu überreden liessen, unser Anliegen in russischer oder ukrainischer Sprache auf einen Zettel zu schreiben. In Kiev hiess die gefundene Dolmetscherin Anastasia. Dank ihrem Gekritzel auf einem Zettel hat uns dann auch die Schalterbeamtin verstanden und die gewünschten Tickets ausgestellt. Beim Lesen des Zettels hat sie geschmunzelt. Beim letzten Satz musste sie gar richtig Lachen.
Leider habe ich keine Ahnung, was Anastasia darin geschrieben hat.
Silvan Meile
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