Tagblatt Online, 13. Juli 2012 07:54:00
Englischer sprechen als Deutsch können
Notabene
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Eine Werbebotschaft soll knapp und knackig sein. So setzt sich der Werbespruch garantiert ins Ohr wie eine Zecke ins Hundefell. Es gibt gute Beispiele für gelungene Werbesprüche: «Nichts ist unmöglich», «Sind sie zu stark, bist du zu schwach» oder «Red Bull verleiht Flüüügel!». Oft greifen die Werber auf Werbebotschaften in englischer Sprache zurück. Ja, sie beharren förmlich darauf, obwohl die «Slogans» laut Handelszeitung nur von der Hälfte der deutschsprachigen Konsumenten richtig verstanden werden. Im besten Fall verstehen sie gar nichts, im schlimmsten alles falsch. Was zum Beispiel soll der Werbespruch «Come in and find out» der Parfümerie Douglas bedeuten? Braucht es zum Einkaufen ein Navigationssystem, damit die Kundin den Ausgang wieder findet? Eine deutsche Bierbrauerei heisst den Konsumenten «welcome to the Beck's Experience». Fragt sich, welche Erfahrung der Trinkende denn machen soll. Fazit: In Englisch verfasste Werbung ist nicht immer «cool». Kurt Binder, österreichischer Hochschullehrer und Physiker, trifft den Nagel auf den Kopf: «In der Werbebranche wimmelt es von Leuten, die englischer sprechen als sie Deutsch können.» Dass sich viele Werber mit der deutschen Grammatik schwer tun, und das erst noch «cool» finden, zeigen folgende Beispiele: «Besser, als wie man denkt» kommt aus dem Haus eines Textilhändlers. Eine Telefonauskunft wirbt mit «Da werden sie geholfen». Und mit «Die einzige Kartoffelsalatsauce mit alles drin» zeigen die Werber eines Lebensmittelherstellers, was sie so drauf haben. Auch diese Sätze bleiben hängen, ob nun grammatikalisch korrekt oder eben nicht. Und da wirft man den jungen Menschen vor, sie lernten kein richtiges Deutsch.
Melanie Graf
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