Tagblatt Online, 04. März 2010 01:05:48
Der Traum von einem Biathlon-Diplom
Bruno Huber trainierte hart auf das Ziel Paralympics hin. (Bild: Bild: uhu.)
Am 12. März beginnen in Vancouver die Paralympics. Im Schlitten-Langlauf und Biathlon wird der Bazenheider Bruno Huber am Start sein. Die Selektion hat der Sport-Allrounder beim Weltcup in Frankreich geschafft.
Urs Huwyler
Bazenheid. Nach einem Arbeitsunfall mit dem Zug mussten dem ehemaligen Rangier-Angestellten Bruno Huber 1986 beide Beine amputiert werden. 1988 begann der inzwischen 45 Jahre alte SBB-Feinmechaniker mit dem Behindertensport. Obwohl Bruno Huber im Sommer erstmals mit dem Schweizer Handbike-Team Weltmeister wurde, steht der Schlitten-Langlauf zuoberst auf der Hitliste. «Ein erstes Ziel habe ich mit der Selektion erreicht. Nun geht es darum, mich in der Spitze zu behaupten», betont der stärkste Schweizer Nordische.
Aufgrund der bisherigen Saisonresultate dürfte er in Kanada beide Langlauf- und Biathlon-Rennen (Sprint/Distanz) bestreiten. Seit den Winterspielen in Turin (2006) liegen die Profi-Sportler und -Sportlerinnen aus Osteuropa (Russland, Ukraine, Weissrussland) kaum mehr in Reichweite der handicapierten Schweizer Amateure. «Beim letzten Weltcup in Deutschland dachte ich mir bei der Streckenbesichtigung, das Rennen werde eine Stunde dauern. Doch ich war in 49 Minuten durch.
Der Sieger brauchte allerdings acht Minuten weniger lang», staunte der quer durch alle Nationen als Kämpfer bekannte Untertoggenburger.
400 Franken pro Paar
Ein Langlauf-Diplom – die ganze Kraft stammt aus den Armen – wäre wohl das höchste aller Träume. Etwas anders sieht es im Biathlon aus. «Treffe ich, kann ich vorne dabei sein», weiss Bruno Huber. Beim Weltcup in Frankreich setzte er zwei Schüsse daneben und klassierte sich auf Position fünf.
«Die Olympischen Spiele haben gezeigt, dass die Bedingungen innerhalb weniger Minuten wechseln können. Prognosen abzugeben», weiss der WM-Dritte von 2003, «fällt doppelt schwer. Die Form stimmt, die Stimmung im Team ist besser als 2006.» Damals waren die Schweizer chancenlos.
Sollte Bruno Huber für einen Exploit sorgen, könnte er dies auf Ski von Salt Lake City (2002) getan haben.
Die Vorstellung, Dario Cologna müsste auf acht Jahre alten Latten laufen, dürfte selbst bei Breitensportlern ein Kopfschütteln verursachen. Wieso, fragt er zurück, soll ich sie aussortieren, wenn sie bei gewissen Schneebeschaffenheiten und Temperaturen schnell sind? Kommt dazu, dass er für jedes neue Paar 400 Franken bezahlen muss. Unterstützung durch die Skifirmen? Fehlanzeige. Ein Sportgeschäft kommt den Athleten entgegen.
Taktik als Schwäche
Nationaltrainer Walter Spörri (Fischenthal) traut dem Reisenden in Sachen Langlauf – pro Tag legt er nach der Arbeit oft 180 km zurück, um optimal trainieren zu können – einiges zu, wenn er sich taktisch geschickt verhält. Meist schiebt er einfach von Beginn weg mit voller Kraft. «Gelingt es, seine Reserven herauszukitzeln, könnte er mit etwas Wettkampfglück für eine Überraschung sorgen. Ich staune immer wieder, über welche Kraft er verfügt», sagt der Chef und fügt an, technisch habe sich Bruno Huber weiter verbessert.
Am 7. März fliegt das Team bis zum 23. März nach Vancouver. «Ich freue mich riesig. Vor einem Jahr waren wir bereits beim Weltcup dort. Mir passt es in Whistler, und die Strecken sind ideal angelegt. Olympia hat die Motivation zusätzlich gesteigert.»
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