Tagblatt Online, 02. Juli 2009 06:48:00
«Suchen keine Konfrontation»
Eine Gebetsstätte, wie sie im Islamischen Kulturzentrum, das man in Wil bauen möchte, aussehen könnte. (Bild: Archivbild: Urs Jaudas)
Der Islamische Verein hat in Wil ein 1400 Quadratmeter grosses Grundstück für den Bau eines Kulturzentrums gekauft. Falls es das Gesetz zulasse, stehe auch dem Bau eines Minaretts nichts entgegen, sagt Projektleiter Hisham Maizar.
Andrea brülisauer
Wil. Wie Projektleiter Hisham Maizar gegenüber der Wiler Zeitung bestätigt, hat der Islamische Verein nach längerer Suche an der Rosenstrasse in Wil ein Grundstück mit einer Fläche von 1400 Quadratmetern erworben. Maizar ist Präsident des Dachverbandes islamischer Gemeinden der Ostschweiz und des Fürstentums Liechtenstein, Präsident Föderation Islamischer Dachorganisationen in der Schweiz und Gründungsmitglied des Schweizer Rates der Religionen in Bern.
Wie Maizar erklärt, habe man direkt bisher keine negativen Reaktionen erhalten, seit bekannt wurde, dass das Kulturzentrum an der Rosenstrasse gebaut werden soll.
Veranstaltungszyklus lanciert
Bereits im Jahre 2007 wurde die Bevölkerung im Rahmen des Veranstaltungszyklus «Christentum und Islam im Spannungsfeld der Kulturen», organisiert von einem überparteilichen und interkonfessionellen Komitee der Stadt Wil, über das Vorhaben des Islamischen Vereins informiert.
Die Veranstaltungsreihe ging auf einen Anlass vom 26. August 2006 zurück, bei dem der Wiler Imam Bekim Alimi in Bern Pläne für eine Moschee präsentierte, was zu grosser Aufregung geführt hatte. So verlangte beispielsweise ein Vorstoss im Wiler Stadtparlament vom Stadtrat, Stellung zum Projekt zu beziehen.
«Was Bekim Alimi damals präsentierte, war ein Projekt, das auf Vorstellungen und Wünschen basierte», sagt Maizar, «damals hatte der Islamische Verein weder Land in Besitz, noch existierten konkrete Baupläne.
Die Aufregung kam daher, dass das gezeigte Projekt als Tatsache interpretiert wurde.»
Wird ein Minarett gebaut?
In der Diskussion rund um das geplante Kulturzentrum interessierte vorab die Frage, ob der Bau eines Minaretts ebenfalls vorgesehen ist. Dazu sagt Maizar heute: «Wir müssen erst die Abstimmung zur Initiative <Gegen den Bau von Minaretten> vom 29. November abwarten.
Sofern der Islamische Verein aber mit dem Bau eines Minaretts keine gesetzlichen Bestimmungen verletzt, so steht dem aus unserer Sicht nichts entgegen.»
Einige Menschen würden bezüglich Minarett völlig falsche Assoziationen hegen, sagt Maizar. «Ein Minarett hat nichts mit einem religiös-politischen Machtanspruch zu tun und ist auch kein Symbol für ein Schwert, wie es SVP-Nationalrat und Mitinitiant Ulrich Schlüer betont.» Falls in Wil ein Minarett gebaut würde, dann soll dieses architektonisch der Umgebung angepasst sein, versichert Maizar.
Aber: «Verbannen» wolle man dieses nicht. «Die Identität der Gemeinschaft soll wahrgenommen werden. Es geht um Integration, nicht um Assimilation. Und Integration ist ein lebhafter, dynamischer Prozess, der sowohl die Migranten als auch die Einheimischen betrifft.» Ausserdem, so Maizar weiter, würde den Bürgerinnen und Bürgern nach der Baueingabe im Rahmen des öffentlichen Auflageverfahrens Einsicht in die Pläne des Kulturzentrums gewährt. «Jegliche Bauvorhaben müssen den gesetzlichen Anforderungen entsprechen.
Über alle Schritte werden Stadt und Kanton informiert.» Man sei bestrebt, transparent zu informieren und orientieren, versichert Maizar. «Wir suchen keine Konfrontation. Unser Ziel ist es, dass Schweizer und Muslime friedlich miteinander – und nicht nebeneinander – leben können.» Er hoffe, dass Skeptiker die Angst vor dem Islam verlieren.
Wieso gerade Wil?
Auf die Frage, weshalb der Islamische Verein gerade die Stadt Wil für das Kulturzentrum fokussiere, antwortet Maizar, dass hier eine grosse islamische Gemeinschaft mit rund 750 registrierten Mitgliedfamilien lebe. 85 bis 90 Prozent dieser Familien seien in Wil niedergelassen oder in der Schweiz eingebürgert. «Diese Menschen leben und arbeiten in Wil und der Region. Weshalb sollen diese nicht ein ihren Bedürfnissen entsprechendes religiöses Zentrum haben dürfen?»
In einem nächsten Schritt sollen unterschiedliche Modelle des Kulturzentrums ausgearbeitet werden. Dabei beabsichtigt Maizar, noch vor der Baueingabe bei Stadt, Kanton und verschiedenen Institutionen Konsultationen vorzunehmen, um die Varianten vorzustellen.
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