Wenn aus Cornelia Douze wird

FLAWIL ⋅ Cornelia Geser aus Flawil absolviert eine Ausbildung zur Clownpädagogin. Sie erzählt von ihrer Faszination und der Tatsache, dass die Horrorclowns den wirklichen Clowns das Leben schwer machen.
07. Oktober 2017, 09:01
Zita Meienhofer

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Rote, riesengrosse Schuhe stehen in Cornelia Gesers Wohnung im Flawiler Weiler Burgau. «Die habe ich selber gemacht», sagt sie. Dass sie solche Schuhe besitzt, sie überhaupt braucht, hat einen bestimmten Grund: Cornelia Geser absolviert eine Ausbildung zur Clownpädagogin. Für diese Ausbildung musste sie sich unter die Leute mischen, ein Clown sein, musste unter anderem in eine Kindertagesstätte gehen. Diese roten Schuhe nun waren ihr Eintrittsbillett dafür, dass sie den richtigen Weg gewählt hat. «Ich hatte Angst vor der Reaktion der Kinder. Sie sagen dir direkt, was sie denken», äusserte sie ihre Befürchtungen. Doch es kam anders, die Kinder mochten ihre Art. Es sei eine bezaubernde Zeit gewesen, sagt Cornelia Geser rückblickend.

Als Pflegerin die Menschen fröhlich stimmen

Cornelia Geser ist im Weiler Burg­au aufgewachsen, hat in Flawil die Schulen besucht und ist nach Um- und Irrwegen wieder an der Stätte ihrer Kindheit angekommen. Die 48-Jährige ist Mutter von drei Kindern zwischen 16 und 26 Jahren und seit 2012 als Pflegehelferin in einer Wohngruppe für Menschen mit Demenz in Gontenbad tätig. Von einer Freundin erfuhr sie von der Ausbildung zur Clownpädagogin. Da wusste sie: «Ja, das mache ich auch». So absolvierte sie vorerst den Basiskurs und nun den Kurs «Tuttoclown». Jeder Kurs dauert 25 Tage, über ein Jahr verteilt. Die Ausbildung als Clownpädagogin berechtigt sie, in Altersheimen, Institutionen für Menschen mit einer Beeinträchtigung und von sozialer oder pädagogischer Art tätig zu sein, den Menschen Freude in ihren Alltag zu bringen. Vorgesehen war, dass sie an ihrer Arbeitsstätte tätig sein werde. Doch das ist nun nicht möglich, da sie nicht als Pflegende und gleichzeitig als Clown am gleichen Ort arbeiten kann. Das vertrage sich einfach nicht miteinander, erklärt Cornelia Geser.

Das eigene Clownbild hat sich verändert

Schlüpfte sie einst in eine schwarze Hose und in ein gelbes Oberteil, zieht sie heute ein dunkelblaues Kleid mit weissen Punkten und einen roten Hut an. Die rote Nase und das geschminkte Gesicht verwandeln sie in ihr anderes Ich. «Ich bin feiner, weiblicher geworden», stellt Cornelia Geser fest und erklärt. Die Rolle als Waschfrau Beth im Freilichtspiel «Recht und Gerechtigkeit» hat ihre Clown-Figur verändert. In jener Rolle, in der sie für Lacher sorgte, jedoch auch ihre clowneske Art anwenden konnte. Und, in jener Rolle, für die sie einen Rock tragen musste. Ein Kleidungsstück, das sie nie und nimmer angezogen hat. Während der Ausbildung hat sie sich verstärkt mit sich selber auseinandersetzen, sich bewusst werden müssen, wie sie als Clown sein möchte. Sie hat ihre Rolle gefunden. Aus Cornelia wird nun bisweilen Douze – die Zahl 12 in Französisch. «Cornelia hat nicht gerne Elfen, Douze schon. Aber da sie ‹zuviel› ist für eine Elfe, ist sie eine Zwölfe», erklärt Cornelia Geser. Der Vorteil, bei einer Zwölfe sei, dass man einen Wunsch mehr frei habe.

Reaktionen auf ihre rote Nase

Sie mag die Clowns, die in eine Situation eintauchen, diese bunt, lustig und schön machen. Das hat sie öfters während ihren Praktiken in verschiedenen Institutionen oder auf der Strasse erlebt. «Humor hat in jeder Lebenssituation Platz, sogar bei einer Sterbebegleitung.» Sie hat auch erfahren, wie Passanten reagieren, wenn sie die rote Nase aufsetzt: «Es sind meist nur die Kinder und die älteren Leute, die es bemerken». An einer Art Clown hat die Burgauerin hingegen gar keine Freude: am Horrorclown. «Er schränkt uns ein», sagt sie.

Wegen der Horrorclowns hatte ein Workshop auf der Strasse nicht stattfinden können. Dass diese Art Clowns derart an Bedeutung gewinnen konnte, stimmt Cornelia Geser traurig. «Er verändert das Bild des Clowns komplett, lässt die wohlwollende und humorvolle Art böse und gewalttätig werden.»


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