Geniesserstunden am World Food Festival

Sich einmal rund um die Welt satt essen

02. Oktober 2017, 05:18
Christof Lampart

Sich zu verirren, war selbst für Ortsunkundige unmöglich. Es brauchte keinen Wegweiser, um zum World Food Festival zu finden. Gerüche und Düfte aus allen Herren Länder markierten den Weg zur Allee. Drei Tage lang war die Welt des Street Foods in Wil zu Hause. Und die Wiler in ihr. Natürlich gab es vieles, was man schon kennt: Curry, Falafel oder Hamburger. Aber das war bei Weitem noch nicht alles.

Wer genauer hinschaute, fand Köstlichkeiten, die nicht nur sättigen, sondern hierzulande äusserst selten zu finden sind. Beispielsweise die Karaages von Yuji Nakamura. Der Mann aus dem japanischen Gifu hat es sich zusammen mit seiner Schweizer Frau Manuela zum Ziel gesetzt, das japanische Pouletknusperli «Karaage» auch hierzulande salonfähig zu machen: «Als wir 2011 von Japan in die Schweiz kamen, stellten wir fest, dass es zwar überall Sushi gibt, aber kein Karaage – und dabei lieben wir Japaner doch Karaage!» Jahre später haben sie nun ihren Traum verwirklicht und ziehen von Stadt zu Stadt, von Food Festival zu Food Festival. «Die Wiler sind neugierig», freut sich auch Manuela Nakamura. Wie zur Bestätigung ertönt von hinten eine Stimme: «Du, Heinz, da gibt es Sojamayo und Wasabi-Dip», lockt eine Frau ihren Begleiter. «Pffff- Pffff-Pfff» – wenige Sekunden später sind alle Spender gedrückt und die knusprigen Poulets unter einer Saucenschicht und die zwei Geniessenden in einem Esstisch verschwunden.

Für einmal viel lieber Curry als Constantin

Wer kam, war neugierig – wenn auch nicht immer nur wegen des Essens. So wurde am Walliser Bierstand schon gerne einmal über die jüngsten Entgleisungen der Familie Constantin gefachsimpelt. Doch die Emotionen gingen zwischen Stadtsaal und Schwanenkreisel mitnichten wegen des runden Leders, sondern wegen den unzähligen Leckereien hoch. Überall wurden Probierhäppchen gereicht – was dazu führte, dass wohl manche(r) schon nach dem ersten Erkundungsrundgang halbwegs satt war. Viele liessen sich aber einfach auch treiben, sich praktisch von einer «kulinarischen Welle» von einem Stand zum anderen spülen. «Ich kann nicht mehr, Schatz», war ein Satz, der am Freitagabend in diversen Varianten des Öftern zu hören war. Es kamen aber auch viele, die gezielt anstanden, weil sie sich zuvor informiert hatten. Wie Ramona Wirth aus Rickenbach: «Wenn es Momos gibt, muss ich welche haben», freut sie sich, derweil sie sich in die Reihe der Wartenden vor dem Stand mit tibetanischen Leckereien einreiht.

Je länger der Abend, desto zahlreicher die Gäste – diese Gleichung ging auch dieses Mal auf. Das verhältnismässig milde Herbstwetter lockte, wenig überraschend, auch zu späterer Stunde noch zahlreiche Hungrige an. So unter anderen eine Gruppe Karatekas, die sich nach absolviertem Training im nahe gelegenen Budo-Center noch ein paar kalorienarme Krevetten schmecken lassen. Überall sind strahlende Gesichter zu sehen, sowohl vor als auch hinter den einladenden Essständen.

Auch Adrian aus Wil freut sich über das grosse Angebot: «So ein Festival tut Wil einfach gut.» Was er essen möchte, weiss er jedoch noch nicht. «Zuerst hole ich ein paar Freunde am Bahnhof ab, und dann werden wir gemeinsam weiterschauen. Hungrig werden wir das Gelände aber sicherlich nicht verlassen». Dann ist er auch schon wieder im Gewühl verschwunden.

Christof Lampart

redaktion@wilerzeitung.ch


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