"Akt der Willkür": Kritik an Mammutbaumfällung

ZUZWIL ⋅ Obwohl sich über 200 Personen für den Erhalt des 14 Meter hohen Mammutbaums an der Herbergstrasse einsetzten, ist er nicht mehr zu retten. Er wird wohl heute gefällt. Bei den Gegnern ist von «Willkür» die Rede.
04. Oktober 2017, 05:20
Simon Dudle

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Walter Kerschbaumer, Ortspräsident der SVP Zuzwil, ist nicht zufrieden und wählt deutliche Worte. «Die Meldung, dass der Mammutbaum gefällt werden soll, ist erschütternd und stossend. Ich bin der Meinung, dass dies ein Akt der Willkür von einer Handvoll gewählter Vertrauensleute ist.» Grund für die Emotionen sind der 14 Meter hohe Mammutbaum an der Herbergstrasse, dessen Stamm über ein Meter dick ist. Seit wann er genau Teil der Gemeinde ist, steht nicht fest, wohl aber seit den späten 1980er-Jahren. Jedes Jahr kann er bis zu einem Meter wachsen.

Doch der Baum wird wohl schon heute Abend nicht mehr zum Ortsbild der Gemeinde gehören. Denn am Montagabend machte Gemeindepräsident Roland Hardegger publik, dass der Baum nicht mehr zu retten sei. An jener Stelle an der Herbergstrasse wird derzeit für total 360'000 Franken eine 130 Meter lange Busbucht gebaut, bei welcher zwei Postautos hintereinander warten können, ohne den Verkehr auszubremsen. Gegen das Projekt an sich regt sich kein Widerstand, aber gegen die damit verbundene Fällung des Baumes. Ende Juni haben Bürger des Dorfes in drei Tagen 207 Unterschriften gesammelt und damit eine Protestnote gesetzt («Wiler Zeitung vom 28. Juni).

Trotz Verschiebung nicht zu retten

Gemeindepräsident Roland Hardegger sagt: «Aufgrund dieser Bittschrift hat der Gemeinderat zusammen mit dem Projektleiter und nach Absprache mit der Grundeigentümerin das Projekt vor Baubeginn nochmals optimiert. Es wurde eine leichte Verschiebung gegen Norden vorgenommen, um den Mammutbaum erhalten zu können.» Doch dazu kommt es nun nicht – aus Sicherheitsgründen. «Es zeigte sich, dass das Wurzelwerk durch die Tiefbauarbeiten der Umsteige­anlage stark beschädigt würde. Nach Rücksprache mit unserem Revierförster Bruno Cozzio wurde entschieden, den Baum zu fällen» sagt Hardegger.

Eine Aussage, die SVP-Ortspräsident Walter Kerschbaumer so nicht stehen lassen will. «Ich habe mir die Situation mit einem Fachmann angeschaut. Es gehen zwar einige Baumwurzeln kaputt, aber deswegen würde der Baum nicht sterben.»

Zu grosse Wurzeln für den Transport

Auch wenn Aussage gegen Aussage steht, ist das Verdikt klar: Der Baum muss weg. Keine Zukunft hat er im Baummuseum Enea in Rapperswil-Jona. Deren Verantwortliche hatten den Baum unter die Lupe genommen und Interesse gezeigt, allerdings platzte die Übernahme beim Thema Transport. Für eine Beförderung mit einem Helikopter ist der Baum zu schwer, für eine Fahrt mit dem Lastwagen das Wurzelwerk zu hoch. «Man müsste sieben bis acht Meter einrechnen, womit der Baum nicht durch die Tunnel kommen würde», sagt Hardegger.

Also bleibt nichts anderes übrig, als den gefällten Baum ins Forstwerk Oberuzwil zu verfrachten. Einen kleinen Trost gibt es: Wenn die Bauarbeiten sich dem Ende zuneigen, wird als Ersatz ganz in der Nähe ein einheimischer Baum gepflanzt. Aller Voraussicht nach wird es sich der Ordnung wegen um einen Laubbaum handeln, der keine Früchte trägt. «Wann die Pflanzung erfolgt, muss noch mit dem Grundeigentümer abgesprochen werden», sagt Hardegger. Es ist die Firma ABB.

Zum Vorwurf der «Willkür» sagt das Gemeindeoberhaupt: «Es geht in dieser Sache ganz klar um Sicherheit und nicht um Willkür. Mit der Verletzung des Wurzelwerks bildet der Baum eine stete Gefahr. Die Standsicherheit kann längerfristig nicht mehr gewährleistet werden.»

Bauarbeiten bis Anfang November abgeschlossen

Während die Baum-Diskussionen bei der heutigen Fällung womöglich einen Höhepunkt erreichen, schreiten die Bauarbeiten an der Busanlage voran. Geplant ist, dass diese bis Anfang November abgeschlossen sind. Der Einbau des Deckbelags ist für den Sommer des kommenden Jahres vorgesehen.


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