«Nicht nur eine Insellösung»

WIL ⋅ Soll die Altstadt autofrei werden oder nicht? «Trümpfe der Altstadt sind die Kulisse und die Ambiance. Durch den motorisierten Verkehr werden diese beeinträchtigt», sagt Gudio Wick, Fraktionschef der Grünen Prowil.
03. Oktober 2017, 05:17
Hans Suter

Hans Suter

hans.suter@wilerzeitung.ch

Die Wiler Altstadt soll mittel- bis langfristig autofrei werden. So zumindest lautet eine Empfehlung des Stadtparlaments zur Aufnahme ins neue Altstadtleitbild. Während viele Gewerbetreibende in der Altstadt Parkplätze als existenziell betrachten, sehen die Grünen Prowil mit ihrem Fraktionschef Guido Wick eine Chance im Verzicht auf Autos.

Guido Wick: Wie stellen sich die Grünen Prowil im Grundsatz dazu?

Wir haben der Empfehlung zugestimmt und dabei erklärt, wie wir die Empfehlung verstehen. Politische Entscheide sollten zukunftsorientiert sein und das Ganze im Blick haben. Wenn die Schönheit Wils von Auswärtigen gelobt wird, meinen sie in der Regel die Altstadt und das Weiergebiet. Wir sollten dem historischen Wil Sorge tragen und bestrebt sein, die jüngeren Quartiere so zu gestalten und zu bauen, dass Wil in Zukunft städtebaulich attraktiver wird.

Worin sehen Sie den grossen Gewinn – und für wen?

Die Aufenthaltsqualität in autofreien Zonen steigt erheblich. Davon profitieren die Besucher und Besucherinnen sowie die Wohnbevölkerung und die Geschäfte. Diese Qualität kann im positiven Sinn vermarktet werden. Dies belegen viele Städte, welche diesen Schritt bereits erfolgreich vollzogen haben.

Welche Nachteile könnten damit verbunden sein?

Kunden, die kompromisslos mit dem Auto in der Altstadt parkieren wollen, verliert man. Jene hingegen, welche die neue Qualität schätzen, gewinnt man. Umdenken ist gefragt. Nachteile entstehen vor allem dann, wenn die Chancen nicht gesehen und nicht genutzt werden. Trümpfe der Altstadt sind die Kulisse und die Ambiance. Durch den motorisierten Verkehr werden diese beeinträchtigt. Wer die Altstadt mit Einkaufscentern vergleicht, die billige Parkplätze anbieten, hat bereits verloren. Mit dem Viehmarktparkhaus ist ausreichend Platz für Autos vorhanden, und der Zugang zur Altstadt über die Liftanlage ist heute schon sehr komfortabel.

Wie liessen sich die Nachteile möglichst gering halten?

Indem die gewonnene Fläche der Öffentlichkeit, der Schule, den Unternehmen und den Bewohnern zur Nutzung zurückgegeben würden, könnten allfällige Nachteile überkompensiert werden. Nicht die Parkplätze vor der Ladentüre sichern den Umsatz, sondern innovative Dienstleistungen und guter Service. Man darf nicht vergessen, auf einem Parkplatz haben locker zehn Velos Platz, sprich ein Mehrfaches an potenzieller Kundschaft. Flächeneffi­ziente und umweltfreundliche Verkehrsmittel sollen bevorzugt und nicht länger benachteiligt werden.

Welches Vorgehen erachten Sie als ideal?

Eine autofreie Altstadt wollen wir nicht als Insellösung, sondern in einem übergeordneten Mobilitätskonzept eingebettet sehen. Stichworte sind Hauslieferdienst, Plätze zum Verweilen und für ­Aktivitäten, Förderung von ÖV, Velo- und Fussverkehr. Die umliegenden Quartiere sollen nicht durch Mehrverkehr belastet werden. Wir teilen auch die Ansicht des Stadtrats, welcher in seinem Energiekonzept festlegt, dass in Wil der Mehrverkehr in Zukunft durch umweltschonende und platzsparende Verkehrsträger wie ÖV, Velo- und Fussverkehr zu bewältigen sei.


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