Zwei Schülerinnen erzählen, wie es ist, musikalisch besonders begabt zu sein

JONSCHWIL ⋅ An der Oberstufenschule Degenau werden seit zwei Jahren musikalisch begabte Schülerinnen und Schüler in der Talentschule für Musik gefördert. Jeannine Häberli und Simone Lötscher erzählen.
05. Dezember 2017, 05:19
Josephine Opprecht

Josephine Opprecht

josephine.opprecht@wilerzeitung.ch

Die Oberuzwilerin Jeannine Häberli besucht die dritte Oberstufe. Sie kommt aus einer musikalischen Familie. Ihre ältere Schwester besuchte die Talentschule in Wittenbach, ihre jüngere Schwester folgte Jeannine an die Talentschule in Jonschwil. Im Hauptfach spielt Jeannine Kornett, was sie von ihrem Vater kennt. «Am Kornett gefällt mir die Vielseitigkeit. Man kann jeden Stil spielen und das allein oder in einer Gruppe.» Im Nebenfach ist das Klavier obligatorisch. Ansonsten ist Jeannine eine sprachbegeisterte Schülerin. «Mir gefallen Sprachen sehr gut und es fällt mir leicht, sie zu lernen.» Privat spielt Jeannine in der «Liberty Brass Band Junior».

Leidenschaft für Musik ausleben können

Ihre grosse Schwester sei ein Grund für die Talentschule gewesen. «Wenn sie mir von der Schule erzählte, gab es viele Dinge, die mich sehr interessierten. Als wir erfuhren, dass es in Jonschwil eine Talentschule geben wird, wollte ich das auch machen.» An der Talentschule gefalle ihr, dass man sich Ziele setze, darauf hinarbeite und das Geübte zeigen könne. Wenn sie an Konzerten teilnimmt, freut sie sich über die Anerkennung.

Die zwei Lektionen pro Woche mit dem Hauptinstrument und das gut anwendbare Wissen aus der Theorie gefallen ihr am besten. Durch die Talentschule wollte sie sich intensiv mit Musik beschäftigen. «Spezielle Pläne habe ich nicht, aber ich kann mir gut vorstellen, ein Musikstudium zu beginnen.» Mühe bereite ihr nur das Klavier. «Ich muss mich immer wieder neu motivieren. Weil ich erst seit der Talentschule Klavier spiele, fällt es mir noch nicht so leicht.»

Einen Unterschied zu anderen Oberstufenschülern sehe sie darin, dass sie mehr Aufwand betreibe. «Andere gehen einmal die Woche ihrem Hobby nach und das auch nicht immer konsequent. Ich übe jeden Tag.»

Simone Lötscher aus Schwarzenbach geht in die zweite Oberstufe. Ihre ältere Schwester ist auch an der Talentschule. Simone spielt im Hauptfach Geige und Klavier im Nebenfach. «Die Geige gefällt mir, weil es ein weltweit bekanntes Instrument ist. Demnach gibt es viele Musikstile, die man spielen kann.» Zu ihren weiteren Lieblingsfächern gehören Geschichte und Deutsch.

Klassische Instrumente für moderne Musik

Bis im letzten Winter spielte Simone im Vororchester vom Jugendorchester Wil. «Ich mag die klassische Musik nicht so», erklärt sie. «Ich spiele am liebsten Pop-Lieder mit der E-Geige.» Nachdem sich ihre Schwester an der Talentschule angemeldet hatte, sei für Simone klar gewesen, dass sie das auch machen wolle. Vor der Talentschule habe sie Querflöte gespielt und mit ihrer Lehrerin oft theoretische Themen behandelt. Auch mit ihrer Mutter, die ihr das Geigespielen beibrachte, habe sie Musiktheorie besprochen. «Das hat mir immer gefallen und ich wollte mehr darüber wissen.» An der Talentschule gefalle ihr, dass man das Gelernte gut anwenden könne. «Wenn man ein unbekanntes Lied hört, braucht man die Noten nicht unbedingt. Ich kann es heraushören und nachspielen.» Dabei sei beispielsweise die Rhythmuslehre hilfreich. «Für die Zukunft überlege ich mir, die Kantonsschule mit dem Schwerpunktfach Musik zu besuchen.»

Schwierig werde es nur, wenn sowohl Konzerte als auch Prüfungen anstehen. «Dann setze ich Prioritäten. Für mich steht die Musik an oberster Stelle. Es ist mir lieber, auf Hausaufgaben zu verzichten, dafür aber ein gutes Konzert zu spielen», sagt sie.

Hier sieht Simone Lötscher auch einen Unterschied zu anderen Oberstufenschülern: «In der Talentschule hat man mehr Verantwortung. Es wird mehr verlangt, was eine gute Organisation erfordert. So wird man viel selbstständiger.»


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