Verführung für Lukas Reimann

26. April 2010, 01:03

Bald gibt es keine Minarette mehr in der Schweiz. Schuld daran ist Lukas Reimann, Initiant der Minarettverbotsinitiative. So sehen das viele und vor allem jene, die am Kulturaustausch über die Landesgrenzen hinweg interessiert sind. Das Netzwerk der Kunst Ohm41 steht regional an vorderster Stelle in Sachen Interkulturalität und Inspiration ausserhalb des Tellerrands. «Wilstambul – Spurensuche» hiess ihr jüngstes Projekt, ein Besuch der Europäischen Kulturhauptstadt Istanbul. Nun folgte das erste Anschlussprojekt.

Die Protuberatoren der Gruppe Ohm41 sagten dazu: «Sich als Schweizer unter 13 Millionen Menschen bewegen und auch einmal der Fremde sein.

Die eigene Heimat schätzen, ohne andere(s) abzuwerten. Fernweh und Heimweh, zwei wichtige Gefühle, die man im Tun erlebt. Also: weggehen und wiederkehren!» Weiter hiess es in der Stellungnahme zum Projekt: «Dies ist auch eine (späte) Reaktion von Bewohnern dieser Stadt und Region auf die Aktivitäten <unseres> Nationalrats, dem diese Stadt auch in den Medien einen gewissen Status zu verdanken hat.»

Verführung in den Serail

Ohm41 will die Kulturerfahrung nicht egoistisch für sich behalten, sondern im Sinne der Kulturvermittlung auch Nationalrat Lukas Reimann daran teilhaben lassen. Konkret lädt Ohm41 Reimann zu einer Reise nach Istanbul ein: «Als Kulturschaffende möchten wir Herrn Reimann neue Sichtweisen und eine Horizonterweiterung ermöglichen. Da sich L. R. auf nationaler Ebene gegen teure Auslandreisen von Politikern wehrt, will ihm Ohm41 mit dieser Aktion unter die Arme greifen.» Es handle sich also nicht um eine Entführung aus dem Serail, sondern um eine Entführung in den Serail – eine Verführung.

Ihre Absicht machten die Kunstschaffenden des Netzwerks am vergangenen Samstag mit einer Standaktion auf der Bahnhofstrasse bekannt. «Wir wehren uns gegen den verordneten Heimatbegriff gewisser Politikerinnen und Politiker. Wir wollen unsere kollektive und individuelle Erfahrung weitergeben an einen, der als Vordenker und Mitgestalter den <richtigen> Heimatbegriff definieren will und damit bestimmen möchte, wie und was eine gute Schweizerin/ein guter Schweizer sein soll.» Damit Reimann für die Reise keine Spesen entstehen, luden die Protuberatoren Passanten zu Geldspenden ein.

Rund 500 Franken sind zusammengekommen. Franziska Peterli, Aktionsleiterin: «Das reicht für einen Business-Class-Flug und ein paar Tage im Hotel!»

Bedeutung der Minarette

Man hoffe, dass sich Reimann vor Ort einen Führer nehme, der ihn in die Bedeutung der Minarette einführen wird. Interessant sei gewesen, so Peterli, wie positiv die Leute auf die Aktion reagiert haben.

Sie stellte aber auch überrascht fest: «Viele Passanten fanden zwar die Aktion und die Idee gut, möchten aber L. R. auf keinen Fall Geld geben.» Ohm41 will Reimann die Spende so bald als möglich übergeben: «Der Betrag wird L. R. von Ohm41 persönlich überreicht.

Kann er die richtige Verwendung des Geldes nicht garantieren und belegen, wird der Betrag einer gemeinnützigen Organisation gespendet, die sich um die interkulturelle Verständigung bemüht.» Michael Hug


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