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Tagblatt Online, 17. September 2009 01:02:25

Teil der Gesellschaft sein

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Die kritischen Fragen zum Islam wurden vom Integrationsbeauftragten der Stadt Wil, Felix Baumgartner (rechts), und Abdullah Redzepi von der Islamischen Gemeinschaft Wil beantwortet. (Bild: Bild: art.)

Wie lässt sich der Islam in unsere Gesellschaft integrieren? Dieser Frage gingen am vergangenen Dienstagabend die Wiler Fachstelle für Integration und der Islamische Verein Wil im Cinewil nach.

Christof Lampart

Zu Beginn wurde der Spielfilm «Die grosse Reise» gezeigt, der die unfreiwillige Pilgerfahrt eines jungen Franzosen marokkanischer Herkunft mit seinem alten Vater nach Mekka beschreibt. Am Anfang herrscht komplettes Unverständnis zwischen den beiden, doch mündet dieses schliesslich in eine Art gegenseitiges Verständnis. Zwar leben beide – bis zum Tod des Vaters in Mekka – in ihrer eigenen Welt, aber sie akzeptieren freundschaftlich das jeweilige Handeln und Denken des anderen.

Kulturelle Einbindung

Nach dem Film diskutierten die über 30 Besucherinnen und Besucher mit Felix Baumgartner (Integrationsbeauftragter der Stadt Wil) und Abdullah Redzepi (Islamische Gemeinschaft Wil).

Dabei zeigte es sich, dass die anwesenden Moslems keine radikalen Positionen vertreten. «Jeder soll seinen Glauben so leben, wie er es für richtig hält», so Abdullah Redzepi. Jemand erklärte, dass er sich gerne eine kulturelle Einbindung des Islams in der Schweiz wünsche. Dass dazu gehöre, dass man die hiesigen Werte und Gesetze achte, sei selbstverständlich.

Symbol der Integration?

Und was ist mit der Bedeutung eines Minaretts? Ein solcher «Turm» sei wohl ein religiöses Symbol, doch gehe von ihm keine Gefahr aus, erklärte ein Moslem. Im Gegenteil: Ein Minarett könne wohl dazu beitragen, dass viele Moscheen, von denen die christliche Mehrheit heute oft keine Ahnung hätten, nach aussen hin sichtbar würden.

Man wüsste dann, wohin man sich in Fragen bezüglich des interreligiösen und kulturellen Dialogs wenden müsse, und das könne einer gelungenen Integration nur förderlich sein, betonte ein weiterer Herr. Ein Senior äusserte jedoch Zweifel an der Gutartigkeit des Islams. Dieser sei eine Religion, die alle Andersgläubigen bekämpfe, bis sie bekehrt seien, betonte er.

Eine Behauptung, mit der Abdullah Redzepi nicht viel anfangen konnte: «Wir in der Schweiz lebenden Moslems haben nichts mit Terror oder islamischem Fundamentalismus zu tun», erklärte er. «Wir lehnen jede Gewalt gegen Andersgläubige ab», betonte ein anderer.

Redzepi sagte, dass die globale Berichterstattung über den islamischen Fundamentalismus das Bild des Islams hierzulande massiv zum Negativen gewandelt habe, worunter viele ganz normale Moslems litten: «Es ist für

uns nicht einfach, wenn wir uns immer für unsere Religion entschuldigen müssen, obwohl wir niemandem etwas getan haben. Ehrlich gesagt bin ich es mir Leid, denn der Islam ist eine friedliche Religion – unabhängig davon, was Fundamentalisten sagen und tun.»

Zu wenig finanzielle Mittel

Eine Frau wollte wissen, warum es hierzulande nicht viel mehr Moscheen gebe, und bekam zur Antwort, dass dies oft an ganz pragmatischen Dingen wie zu wenig grosse Gebäude oder zu wenig vorhandene Parkplätze scheitere. Und natürlich sei auch – solange der Islam nicht als «Staatskirche» anerkannt sei – die Religionsgemeinschaft hierzulande nicht in der Lage, verbindliche Steuern zu erheben, womit sich die Finanzen der Islamischen Gemeinschaften auf die Mitgliederspenden reduzierten. Damit könnten die meisten Islamischen Vereine wohl die Miete eines geeigneten Lokals zahlen, nicht aber einen eigenen Moschee-Bau finanzieren, erklärte Redzepi.

Wiler Moschee: Planungs-Stop

In Sachen «Wiler Moschee» habe man zurzeit einen Planungs-Stop eingelegt. «Wir haben das Land, aber mehr noch nicht. Das hängt auch damit zusammen, dass wir zuerst einmal die Abstimmung über die Minarett-Initiative abwarten wollen», so Redzepi.





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