Tagblatt Online, 22. April 2010 01:04:13
Limitierter Alkohol am Kanti-Ball
Dank einem Präventionsprojekt soll es keine besoffenen Jugendlichen mehr am Kanti-Ball geben. Der vernünftige Umgang mit Alkohol soll mit Vorschriften und strengen Massnahmen aufgezeigt werden.
Silvan Meile/cornelia Nussbaum
In den vergangenen Jahren schien der Kantiball der Kantonsschule in Wil eher einem Trinkgelage, als einem gepflegten Tanzanlass zu gleichen. Die Schüler erschienen zwar grösstenteils in stilvoller Abendkleidung, vielen war aber übermässiger Alkoholkonsum der zentrale Punkt der Veranstaltung. So beschreibt Jerome Oesch von der Schülerorganisation Kantonsschule Wil die früheren Anlässe als «Sauffest».
Dieser Tatsache schob nun aber das Rektorat der Mittelschule einen Riegel und zwang die Schülerorganisation, die den Kantiball organisiert, mit dem Alkoholpräventionsprojekt smart connection zusammenzuarbeiten. So wird den Besuchern des Anlasses beim Eintritt ein Armband umgehängt, an dem dann die Anzahl konsumierter Getränke beim Bezug an der Bar vermerkt werden. Auf diese Weise haben über 16-Jährige die Möglichkeit, drei alkoholische Getränke zu konsumieren, nicht mehr. Wer bereits 18 Jahre alt ist, darf mit einem Drink mehr anstossen.
Schränke werden überprüft
Jerome Oesch von der Schülerorganisation der Kanti findet diese Massnahmen nicht schlimm: «Mit vier Getränken kommt man gut durch den Anlass», findet er. Es gebe aber auch Klassen an der Kantonsschule, die aufgrund dieser Massnahmen den Anlass boykottieren würden, so der Kantonsschüler. «Wir haben trotzdem bereits drei Viertel der Tickets abgesetzt», sagt Oesch. Für den Kantiball am Samstagabend erwartet er schliesslich 850 bis 900 Besucher.
Nebst der Kontrolle über die Anzahl konsumierter Getränke wird auch durch «smart connection» ein Punktesystem eingeführt. Dabei werden jene Ballgäste belohnt, die bei einem Test einen tiefen Alkoholpromille-Wert aufweisen.
Damit die Besucher keinen mitgebrachten Alkohol trinken, werden im Vorfeld der Veranstaltung sämtliche Kantonsschüler ihre persönlichen Schränke ausräumen müssen. Die Lehrpersonen prüfen dann, ob nirgendwo noch ein Wässerchen versteckt wurde. Oesch sieht darin auch ein wirtschaftlicher Vorteil für seinen Anlass.
«Denn dadurch müssen die Getränke zwingend an der Bar erworben werden.»
Lehrer stehen dahinter
Prorektorin Doris Dietler Schuppli bestätigt die erwähnten Präventionsmassnahmen. Das Schulgelände könne nicht verlassen werden, dann werde das Ticket ungültig.
Doch erinnert sie sich nicht an ein Saufgelage: «Natürlich wurde am Kantiball Alkohol konsumiert, aber nicht exzessiv.» Sie sieht die Zusammenarbeit mit der Jugendarbeit Wil eher als Experiment.
«Wir fanden die Idee und das Angebot gut und wollen es ausprobieren.» Auch die Lehrerschaft steht dahinter. So war es kein Problem, genügend Lehrer zu organisieren, die am Samstagabend den Jugendlichen ihr Bier zapfen. «Die Kollegen haben sich selber gemeldet.»
«Wird ein tolles Fest»
Dietler Schuppli wolle keine Verbote aussprechen, sondern den Schülern lieber einen vernünftigen Umgang mit Alkohol aufzeigen. Sie ist auch überzeugt, dass sich vor allem die Mädchen über die alkoholfreien Drinks als Alternative freuen werden. Ganz abgesehen davon, seien drei oder vier Drinks ja auch genug. Sie freut sich auf ein tolles Fest und ist voller lobender Worte für das OK, welches sehr geschickt agiere.
Das OK berichtet in seiner Medienmitteilung noch von weiteren Neuerungen. Dadurch, dass der Ball in der Aula stattfindet, seien die Warteschlangen beim Eingang kürzer. Dort stünden auch mehr sanitäre Anlagen zur Verfügung. Es wird dieses Jahr auf zwei Dancefloors getanzt. Dadurch seien aber die Platzverhältnisse insgesamt kleiner geworden. Da nun weniger Gäste Platz hätten und wegen Mehrkosten, mussten die Ticketpreise angehoben werden.
Für das OK ist der «Einmaleintritt» eine Massnahme, um die Nachbarschaft vor Lärm und Vandalismus zu schützen. Im Innenhof darf geraucht werden.
Prävention sei Lehrer-Wunsch
In der Medienmitteilung des OK findet sich auch eine genaue Getränkeliste: Roter und Grüner Vodka, den man mit Orangen-, Ananassaft oder Red Bull mischen kann für die Ü18. Das Sortiment für Ü16 sind Bier, Salitos und Eve. Nicht alkoholische Getränke sind: Sprite, Fanta, Coca Cola, Eistee, Mineralwasser und Red Bull. Dazu kommen die farbenfrohen, mit Früchten dekorierten Drinks der Präventionsstelle.
Die Zusammenarbeit mit der Jugendarbeit Wil finde laut Mitteilung auf ausdrücklichen Wunsch des Rektorats, aber auch in eigenem Interesse statt. Na dann, Prost!
- Artikel empfehlen:






Kommentare lesen
unbekannt (22. April 2010, 22:53)
Allg. Meinung
Die Zeitung musste wahrscheinlich wirklich hart nach Schülern suchen, die diese Regelungen befürworten.
Beitrag kommentierenDie Mehrheit der Schüler boykotiert den Anlass zwar nicht, jedoch sind diese Regelungen einfach wiedermal sinnlose Beschlüsse der Schulleitung.
mmemichi (22. April 2010, 22:38)
Berichtigung
Eine kleine Berichtigung zum Beitrag:
Beitrag kommentierenJerome Oesch ist selber nicht in der Schülerorganisation der Kantonsschule wil, sondern lediglich im OK-Team des Kantiballs 2010. Das OK-Team wird zudem hauptsächlich von Dennys Sindelar (SO-Präsident) und Michèle Schiavo geleitet. Jerome Oesch ist für das Ressort Infrastruktur zuständig. Man kann also nicht von seinem Anlass sprechen, sondern vom Anlass des ganzen Kantiball-OKs, wo jeder dazugehört und jeder gebraucht wird.
Kommentar schreiben