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Tagblatt Online, 08. Januar 2009 01:03:09

Ist das Januarloch ein Thema?

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Ein grosses Thema im ersten Monat des Jahres ist das «bekannte» Januarloch. (Bild: Fotomontage: Stephan Traber)

Die Wiler Geschäfte laufen trotz Januarloch gut. Doch von wo kommt dieses «bekannte» Loch überhaupt? Hat es vielleicht mehr etwas mit einem psychischen Tief zu tun?

Simone Greuter

Das «sogenannte» Januarloch ist wieder da. Doch was ist das genau, dieses Januarloch? Und trifft das auch auf die Wiler Geschäfte zu? Der Dezember ist ein kostspieliger Monat. Weihnachtsgeschenke, Mehrgangmenüs und Christbaumschmuck haben ihren Preis. Wie hoch die Ausgaben tatsächlich sind, wird einem oft erst im Nachhinein bewusst. Im Januar präsentiert sich das Bankkonto für die Bevölkerung dann erstaunlich «abgemagert».

So denkt man zumindest, aber beim Wiler Geschäft Optiker Dudli AG am Friedtalweg ist genau das Gegenteil der Fall. «Im Januar machen wir mehr Umsatz als in jedem anderen Monat im Jahr», so der Inhaber Markus Dudli. Erklären kann er sich diesen wiederkehrenden Glücksfall nicht wirklich, «doch es könnte was mit dem Weihnachtsgeld zu tun haben. Oder es liegt an unserer Preissenkung im Teilsortiment», so Markus Dudli. Auch für die Filialleiterin des Damenmodegeschäfts Beldona, Monica Sarro, ist das Januarloch kein Thema. «Ich denke, das ist branchenabhängig. Bei uns läuft der Dessous-Verkauf sehr gut. Wir bieten jedoch auch die Weihnachtskollektion zum halben Preis an, da schlagen unsere Kundinnen natürlich sehr gerne zu.»

Ein Herbstloch

Dass das Januarloch Definitionssache ist, erklärt Jane Spitzli, Filialleiterin des Schuhhauses Walder AG an der Oberen Bahnhofstrasse: «Es kann sich um die Ware oder das Geld handeln. Der Umsatz ist im Januar nicht schlecht, doch in der Schuh- und Textilbranche ist es so, dass die Kunden schon alle ihre warmen Winterkleider und -schuhe beieinander haben und es für die Sommerkollektion noch zu früh ist.» Das heisse aber nicht, dass weniger Geld in die Kasse komme. «Mit dem Ausverkauf machen wir im Januar den Umsatz», erklärt Jane Spitzli. Bei der Erwin Bischoff AG tickt das Jahr ein bisschen anders. «Bei uns könnte man vom Herbstloch sprechen. Da wir hauptsächlich Schulen beliefern, zählt für uns das Kalenderjahr nicht», sagt Geschäftsführer Christian Aegerter.

Eine andere Definition

Grosse Auswirkungen hat das Januarloch also auf die Geschäfte von Wil nicht. Hat die Definition wirklich etwas mit materiellen Dingen zu tun, oder ist eher die psychische Natur gemeint? Könnte es vielleicht sein, dass wir in ein Loch fallen (kurzum; schlecht gelaunt sind oder unter Depressionen leiden)? Ist es weil wir über die Festtage ein bisschen zugenommen haben? Hanspeter Wengle, Chefarzt der Kantonalen Psychiatrischen Dienste St. Gallen, Sektor Nord in Wil, weiss, dass in der dunklen Jahreszeit die Zahl der Menschen, welche an Depressionen leiden, zunimmt. «Schlimm ist es auch nach Weihnachten, da zu dieser Zeit alles harmonisch ablaufen sollte. Wenn dann das Leben nicht ganz so gut funktioniert, kann man schon mal in ein tiefes Loch fallen», erklärt Hanspeter Wengle. Weiter weiss der Chefarzt, dass es spezielle Depressionen gibt, die in einem Zusammenhang mit dem Sonnenlicht stehen. Diese Art von psychischer Krankheit komme hauptsächlich im Winter vor.

Schuld ist das Januarloch

Fest steht, dass man im Winter wegen der fehlenden Wärme und Sonnenschein in ein Loch fallen kann. Doch das Januarloch kann es nicht sein, da sich dieses Phänomen den ganzen Winter durchzieht. Da fragt man sich doch, ist überhaupt etwas an diesem «berühmten» Loch dran, und wie ist es entstanden? Vielleicht haben sich die Zeiten einfach geändert, denn auch nach ausgiebigen Recherchen im Internet wurde keine Antwort darauf gefunden.

Wenn im ersten Monat des Jahres weniger Anlässe stattfinden, die Kassen nicht so oft klingeln, oder man sich einfach nicht fit fühlt, ist bestimmt das Januarloch schuld daran.





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