Tagblatt Online, 27. Juli 2009 01:03:59
Hansueli lässt das Bier spritzen
Auf dem Bierkutschenwagen: Ehrengast Hansueli Alder, Fuhrmänner und Biermagd an der Hofchilbi 2009 vom vergangenen Samstag. (Bild: Bild: mhu.)
Nein, nervös sei er nicht. Es sei zwar das erste Mal in seinem Leben, dass er ein Fass ansteche: «Das werden wir schon noch hinbringen!» Hansueli Alder, Alder der vierten Musikergeneration aus Urnäsch, mit rotem Brusttuch und brauner Hose, darf heuer das Fass zum Start der Wiler Hofchilbi anstechen. Doch eine Stunde vor dem grossen Moment steht er noch auf der Bühne und stimmt seine Geige. Mit ihm Hansjürg und Jakob Freund, Vater Ueli Alder und Hansueli Wälte. Der Soundcheck ist nötig, damit nach dem Anstich die Musik stimmt.
Hansueli Alder, der prominente Fass-Anstecher der Hofchilbi 2009, muss nach der Eröffnung des Festes sogleich auf die Bühne und Appenzeller Weisen spielen.
Anstechen instruieren
Auch das Anstechen will instruiert sein. Feldschlösschen-Fuhrmann Peter Nussbaumer zeigt Alder wie's geht: «Du hältst den Hahnen so, und dann haust du einfach drauf, ein bisschen mit Show, gell!» Somit ist alles klar für den grossen Moment.
Das sechsspännige Bierfuhrwerk – Nussbaumer: «So lang wie ein Sattelschlepper» – setzt sich auf der Tonhallestrasse in Bewegung. Im Gespann, so wird der Mann von der Rheinfelder Brauerei später dem Publikum erklären, sind fünf Wallache, Apollo, Ares, Carlo, Diego, Fredy und Quinto, und eine Stute.
Die Stute Pouliche sei etwas Besonderes, sagt der Fuhrmann.
Sie fühle sich vögeliwohl unter den fünf Buben, die zwar in dem Sinne keine «Buben» mehr sind und von Pouliche nicht das wollen, was man üblicherweise von männlichen Pferden vermutet. Pouliche hat im vergangenen Jahr ein Füllen bekommen, eben nicht von einem ihrer fünf «Buben». Da muss wohl ein anderer Belgier, so nennt sich die Rasse, seine Manneskraft im Spiel gehabt haben.
Sechs Mal 900 Kilogramm und ein Bierfuhrwerk machen sich also auf der Tonhallestrasse in Richtung Hofplatz auf.
Ein Riesenspektakel
Es ist wie jedes Jahr ein Riesenspektakel, wie der Sechsspänner auf dem Hofplatz einfährt. Die Zuschauenden jubeln, begrüssen Hansueli Alder, den Promi-Gast, und hinter dem Fuhrwerk reihen sich die Fotografen ein. Hansueli Alder macht wie ihm geheissen.
Er springt vom Bock, schnappt sich Hammer und Zapfhahnen und haut drauf, noch bevor alle richtig bereit sind. Einige Male haut er drauf – also doch etwas nervös? –, bis der Hahnen sitzt und das Bier spritzt. Denn in der Eile haben alle übersehen, dass der Hahnen offen ist, und so läuft das Bier erst mal auf den Asphalt.
Sofort werden Humpen unter den Hahnen gehalten, es schäumt das edle Bier, Hansueli Alder legt den Holzhammer beiseite und bekommt einen vollen Humpen in die Hand gedrückt. «Prost!», wünscht er den Umstehenden, «Prost!», wünscht ihm Herbert Haag, der heuer anstelle von Mike Holenstein der Moderator der Hofchilbi ist und inzwischen auch einen vollen Humpen in den Händen hält.
Damit ist das Bierfest eröffnet, Hansueli Alder schreitet zur Bühne und nimmt sein Instrument zur Hand. Derweil rangeln sich die Bierseeligen beim Fass um den kostbaren, aber kostenlosen Saft, bis sich das Fass nach zwanzig Minuten allmählich leert.
Michael Hug
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