Tagblatt Online, 21. August 2010 01:03:45
Ein begehbares Bilderbuch
Heute eröffnet die Sommerausstellung 2010 des Vereins Ereignisse Propstei St. Peterzell. Sie ist einem einheimischen Künstler gewidmet: Karl Uelliger lebte und wirkte von 1968 bis zu seinem Tod 1993 in Dicken.
Katharina Rutz
Neckertal. «Ein Mann mit Rucksack und Stock, der nicht immer gleich munter war», so erinnert sich Roman Menzi, Kurator des Vereins Ereignisse Propstei, an den Dickener Künstler Karl Uelliger. Nur wenige Male hat er ihn getroffen, doch davon einige äusserst interessante Geschichten zu erzählen. Wie er beispielsweise manchmal Goethes Faust zitiert habe oder wie er sich weigern konnte, ein Bild zu verkaufen, wenn ihm etwas nicht passte.
«Doch es waren auch sehr gastfreundliche Leute, Hanna und Karl Uelliger, die Besucher mit Kuchen und Milchkaffee bewirtet haben», erzählt er. Weitere solche Geschichten hatte auch der Redner der Vernissage, welche gestern statt fand, Jörg Nef aus Flawil, zu erzählen. Dieser hat Karl Uelliger, der 1914 in Saanen im Berner Oberland geboren wurde, gut gekannt.
«Mein Jugendbilderbuch»
Unter dem Titel «Alperose-Zit und Suuf-Sonntig» zeigt der Verein Ereignisse Propstei St. Peterzell erstmals die 69 Tempera-Bilder mit den Jugenderinnerungen von Karl Uelliger «an einem Stück». Nachdem er 1968 ins Toggenburg zog, begann er mit dem Bildzyklus. «Damals wusste er wohl noch nicht so recht: Bin ich ein Maler oder nicht», so Roman Menzi.
Obwohl Uelliger schon als Kind gerne gezeichnet hat, fand er erst nach der Heirat mit der Haushaltsangestellten Hanna Montfort aus Freiburg zur Existenz als Maler. Der Bildzyklus beschäftigte ihn denn auch nahezu zwei Jahre. 43 Bilder zeigen Winterszenen, danach folgen 26 Sommerszenen – die Reihenfolge ist von Uelliger vorgegeben. Einzige Sorge des Kurators war, ob der Platz im Dachsaal der Propstei reichen würde.
Unverwechselbarer Stil
Roman Menzi beschreibt die Bilder als ursprünglich und unverwechselbar, von intensiver Farbigkeit. Zu den naiven Malern mag er den Autodidakten Karl Uelliger nicht so recht zählen. «Er lebte nicht abgeschottet und war sehr belesen.»
Verkauft werden an der diesjährigen Ausstellung des Vereins Ereignisse Propstei St. Peterzell einzig die Fotodrucke von Michael Rast, die die «Schüürlilüüt» zeigen. Diese Figuren bestehen heute nicht mehr. Den Wert der gemalten Bilder schätzt Roman Menzi auf je 3500 Franken.
Sie sind unverkäuflich und bleiben im Besitz der Uelliger-Stiftung.
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