Tagblatt Online, 14. August 2008 01:05:34
«Polizeireglement – ja, aber»
Nur geringes Interesse am Workshop über das geplante Polizeireglement für Flawil
Diskussion auf hohem Niveau beim Workshop über das geplante Polizeireglement in der Flawiler Tonhalle. (Bild: Bild: Bernard Marks)
FLAWIL. Der Workshop zum Thema Polizeireglement in Flawil, der am Dienstagabend in der Tonhalle stattfand, war nur mässig besucht.
Bernard Marks
Zwar war die Liste der anwesenden Besucher hochkarätig. Der Flawiler Gemeindepräsident Werner Muchenberger begrüsste Vertreter der Polizei mit dem Leiter des Polizeipostens Flawil, Konrad Herzog, und Daniel Ammann und Cornel Bürkler. Ebenfalls nahm der Leiter des Sozialamtes und Jugendsekretariats Gossau, Samuel Wey, am Workshop in der Flawiler Tonhalle teil. Zudem waren Vertreter der Flawiler Parteien sowie zahlreiche Gemeinderäte anwesend.
Ausgangslage
Doch einige der bereitgestellten Tische und Stühle blieben an diesem Abend leer. «Ist das jetzt Zustimmung, oder ist das Ablehnung», wunderte sich ein Teilnehmer über das offenkundig geringe Interesse aus der Flawiler Bevölkerung. Denn die Ausgangslage ist seit langem klar: Durch Lärm, Littering und Vandalismus werden nicht nur in Flawil, sondern in der ganzen Schweiz jährlich Schäden von mehreren Millionen Franken angerichtet. «Diese müssen letztlich vom Steuerzahler berappt werden», erklärt Werner Muchenberger zu Beginn der Veranstaltung. Vor allem an Wochenenden seinen es meist Jugendliche, die häufig unter Alkohol- oder Drogeneinfluss kaum noch Grenzen kennen. Eine breite Palette an Aggressionen entstehen so im Dorf. Leider würden solche Verstösse oftmals verharmlost – sogar von Eltern von betroffenen Jugendlichen, so der Gemeindepräsident. Der Flawiler Gemeinderat will nun die Situation verbessern. Ein Teil der Massnahmen ist die Einführung des Polizeireglements in Flawil. Der Chef des Polizeipostens Flawil, Konrad Herzog, begrüsste in einem kurzen Statement die Einführung eines solchen Regelkataloges, weil es für die Polizei damit leichter werde, künftig auf solche Verstösse zu reagieren. Dabei gehe es nicht darum, jede Kleinigkeit sofort mit einer Busse zu quittieren, sondern auch Mahnungen mit mehr Nachdruck aussprechen zu können.
Das Polizeireglement, das in Gossau zur Anwendung kommen soll, will man nun auch in Flawil einführen. Bei den Teilnehmern des Workshops traten aber Zweifel darüber auf, ob die Verhältnisse in Flawil mit denen in Gossau zu vergleichen sind. «Wenn die Polizei in Gossau zehnmal ausrückt, dann macht sie das in Flawil vielleicht nur einmal», so der Tenor. Deshalb diskutierte man im Workshop über den Artikel zum Jugendschutz – den brauche es eigentlich nicht, war die Meinung der Arbeitsgruppe. Ein generelles Ausgehverbot ab 22 Uhr für Jugendliche und Kinder hielt man für übertrieben. Doch es gab auch Fürsprecher im Saal. Vor allem die klare Regelung der Ruhezeiten z.B. am Mittag sei durch ein Polizeireglement besser geschützt.
Mehr Aufwand für Polizei
Der Workshop-Abend wurde genutzt zur intensiven Diskussion. Doch angesichts der geringen Teilnehmerzahl ist der repräsentative Charakter der Veranstaltung fragwürdig. Zwar verzeichnete der organisierende Gemeinderat am Ende ein knappes Votum für das Polizeireglement, doch schon die Abwesenheit vieler Flawiler allein verdeutlicht, dass es zu dem Thema wenig Opposition im Dorf gibt. «Viele sind es einfach leid, dass man auf offensichtliche Probleme im Dorf nicht reagieren kann», meint ein Teilnehmer der Veranstaltung. Für die Flawiler Polizei wäre ein Polizeireglement eine Erleichterung, das stehe fest. Aber wahrscheinlich würde auch mehr Arbeit auf die Polizisten zukommen. Dem widersprach Muchenberger. Es sei jetzt schon so, dass Verstösse gemeldet würden, doch man habe oft keine Handhabe, aktiv zu werden. Das wolle man nun ändern. Durch den Workshop wurde jedoch klar, dass am Gossauer Polizeireglement-Entwurf für Flawil vielleicht noch etwas gefeilt werden muss.
- Artikel empfehlen:






Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben