«Juizen» nach Wiesenberger Art

DEGERSHEIM ⋅ Der Unterhaltungsabend des Jodelchörlis wird als erfolgreichster in die Annalen eingehen. Mehr als 900 Fans wollten ihn nicht verpassen. Die Stars des Abends waren Jodler aus der Innerschweiz – die «Wisiberger».
04. Dezember 2017, 07:33
Michael Hug

Michael Hug

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Es wird «räble», hatte Jodlerpräsident Ueli Feiss schon im Voraus angekündigt. Was immer er damit meinte – es traf ein. Mehr als 900 Personen aus nah und fern machten sich am Samstagabend zur Mehrzweckanlage auf. Alle verfügbaren Parkplätze rund um die Steinegg waren schon am frühen Abend belegt. Es war, als fände in Degersheim ein Pop-Konzert statt. Was gar nicht so unrichtig ist: Die Gäste des Abends waren Jodler, die so populär sind in der Schweiz, dass man tatsächlich von Popstars sprechen kann.

Erst singen, dann zauren

Was am Wirtshaustisch in einem militärischen Wiederholungskurs als Idee begann, fand am Samstagabend seine Krönung: Der Jodlerklub Wiesenberg kam nach Degersheim. Der Abend war längst ausverkauft, wen wundert’s, er versprach viel und hielt alles. Und doch, wegen eines Star-Klubs wird man das Unterhaltungskonzept nicht über den Haufen werfen, sagten sich die organisierenden Jodler. So lief das Programm dann wie gewohnt vom Stapel: Zuerst singen und zauren die einheimischen Stars, dann die Gäste. Wobei bei Jodlern aus der Innerschweiz nicht von «zauren» die Rede ist, sondern von «juize». Ein kleiner rhetorischer Unterschied, das Resultat ist dasselbe: Herrliche Naturstimmen, gute Stimmung, bisweilen aufgestellte Nackenhaare.

Dann ein Show-Block der Gastgeber. Innerhalb dessen es sich eine Jury zur Aufgabe gemacht hat, eine schmissige Band für das nächste Festival am Gleis in Degersheim zu «casten», und in dem es wie gewohnt recht turbulent zu und her ging. Da wurden auf der Bühne echte Bäume mit echten Motorsägen gefällt, ein unechter Trottel - «Immer muss ich den Halbschuh spielen» - räumt hernach alles auf, mit einer flugs installierten Seilwinde wird ein Klavier auf die Bühne gehievt und eine etwas durchgeknallte Blues Brothers Band singt ad hoc «Oh wenn dä Senn go melche goot». Hausgemachte, deftige und herrliche Unterhaltung war garantiert.

«Ewigi Liebi» nur für die Hardcore-Höckler

In der Folge sangen die «Wisiberger» Traditionelles aus ihrer Heimat und die «Degerscher» selbiges aus ihrer. Dann war Pause. Mit Tombola und heissem Fleischkäse. Der allerdings, wie die Wienerli auch, schon eine Stunde nach Beginn ausverkauft waren. Als Ersatz gab es zum gleichen Preis eine halbe Portion Rahmgeschnetzeltes mit Hörnli. Kein schlechter Deal. In der zweiten Halbzeit dauerten die Liedervorträge etwas länger, denn wie das so ist, wenn der Abend sich dem Ende entgegen neigt, will das Publikum noch mehr. Das Jodelchörli Degersheim gab ebenso wie der Jodlerklub Wiesenberg noch mehr. Zugaben hüben wie drüben, «Ledig» (Hans W. Schneller) hier und «Blueme» (Polo Hofer) da. Nur einen Song wollten die Innerschweizer nicht zum Besten geben, obwohl samt und sonders der 900 in der Halle letztendlich diesen einen hören wollten. Dem Vernehmen nach soll «Ewigi Liebi» am frühen Morgen in der Mehrzweckhalle dann doch noch erklungen sein. In dessen Genuss kamen allerdings nur noch die Hardcore-Höckler. Wobei es doch noch einige gewesen sein sollen.


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