Im grünen Bereich

WIL ⋅ An der frischen Luft fühlt sich die Künstlerin Erna Hürzeler wohl. Dort sei alles im grünen Bereich. Aus diesem Grund widmet sie ihre neueste Ausstellung den Formen und Farben der Natur.
25. August 2017, 09:41
Daniel Wallimann

Daniel Wallimann

daniel.wallimann@wilerzeitung

Eine Sommerwanderung durch das Toggenburg bescherte ihr das Aha-Erlebnis. «Im erinnere mich noch gut daran», sagt Erna ­Hürzeler. Entlang dem Waldrand zwischen Bütschwil und ­Mosnang entdeckte die Wiler Künstlerin dieses strauchartige Gewächs mit seinen «wunder­baren gelben und manchmal violetten Blüten». Obwohl sie damals gar nicht wusste, dass sie der Tollkirsche gehören, war sie von der sonderbaren Aura der Pflanze sichtlich angetan. Nicht die ­Beeren, denen man die berauschende und giftige Wirkung nachsagt. «Sondern die schier gleichmässig geformten Äste» faszinierten sie. Weil sich die Künstlerin zeitlebens mit schönen Formen und verschiedenen Farben beschäftigt, hat sie ein geschultes Auge dafür.

Äste erhalten einen Gipsverband

So hat sie am gleichen Ort im nächsten Frühling das dürre Gehölz aufgesammelt, mit nach Hause genommen und vorerst einmal in eine Vase zu den langen Pinseln hingestellt. «Ich ahnte bereits, dass in ihnen Potenzial schlummert.» Doch erst zur Ausstellung hin kam ihr dann die zündende Idee, dass sie mit Hilfe der Äste die gradlinigen Struk­turen in der Kunsthalle auf­brechen könnte. «Sozusagen ein Kontrast zur puristischen Einrichtung – der geraden Linien und dem vielen Weiss.

Zuerst stabilisierte sie dazu das zerbrochene Holz mit Gipsbandagen, die sonst gebrochene Beine oder Arme zusammen­halten. «In Handarbeit», so konnte sie nämlich selber be­stimmen, an welcher Stelle sie mehr und wo sie weniger Gips aufträgt. «So entsteht der natürliche Look.» Während der Ausstellung will sie die «gespens­tischen Holz­skelette» dann mit Silch an die ­Decke be­festigen, ­damit sich die Besucher wie draussen in der ­Natur fühlen, wenn sie der Ast am Ohr kitzelt.

Aus Beeren und Blüten werden Farben gewonnen

Die Natur sei ihr als Person ins­gesamt wichtig, sagt sie. «Kraftort und Inspirationsquelle zugleich.» Dort fühle sie sich wohler, oder besser gesagt: «Es ist alles im grünen Bereich.» Aus diesem Grund hat sie das Sprichwort auch zum Titel für die kommende Ausstellung in der Kunsthalle in Wil gewählt.

Denn der Titel fasst ihr Inte­resse für Formen und Strukturen der Natur zusammen. «Und ihre schillernden Farben», ergänzt sie. Darum hat sie in diesem ­Rahmen auch erstmals eine ­Aquarellstudie, die sie ebenfalls ausstellt, realisiert. «Dafür habe ich Beeren, Blätter und Blumen gepflückt und sie im Topf ge­köchelt», sagt sie. Ähnlich wie eine Alchemistin. Daraus hat sie dann wässerige Pflanzenfarben extrahiert, die sie in Gläser abfüllte. «Dann male ich Farbenmuster auf das Papier, beschrifte und archiviere sie sorgfältig», sagt Hürzeler. Es sei spannend, wie sich die Farben über die Tage hinweg veränderten. Die Natur sei im Wandel. «Das gefällt mir.»


Leserkommentare

Anzeige: