«Facebook» spielt keine Hauptrolle

UZWIL ⋅ «Gas gibt Kultur» geht in die achte Saison. Inszenierungen aus den Bereichen Komödie, Musical, Drama und Märchen sollen das theateraffine Publikum begeistern und Debütanten die Bühnenwelt zugänglich machen.
14. September 2017, 05:20
Andrea Häusler

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

«Mit nur vier Stücken pro Saison kann man sich keine Fehltritte erlauben», sagt Susanna Wipf Fischer. Die Intendantin des Kulturprojekts «Gas gibt Kultur» der Uzwiler Versorgungsbetriebe muss es wissen, kennt die ehemalige Gesamtleiterin der Wiler Tonhalle und heutige Geschäftsführerin einer eigenen Musiker-agentur das «Business» doch aus dem Effeff. Ihr ist auch bewusst, dass ein Programm die unterschiedlichen Vorlieben eines möglichst breiten Publikums abdecken muss. Denn ihr Ziel für die achte Saison ist klar: viermal ein voller Gemeindesaal.

Siebenmeilenstiefel und Omas Dealer-Karriere

«Gas gibt Kultur» wartet im verflixten siebten (Spiel-)Jahr mit einer Komödie, einem Kindertheater, einem Schauspiel und einem Tanzmusical auf. Gestartet wird am 21. Oktober, und zwar gleich mit Vollgas. Die französische Krimikomödie «Paulette – Oma zieht durch» beschreibt die späte «Karriere» einer vergrämten, boshaften und rassistischen Rentnerin mit bescheidener Rente, die sich mit dem Verkauf von Drogen vom Sozialfall zur Geschäftsfrau mausert. Die Hauptrolle verkörpert die deutsche Schauspielerin Diana Körner.

Nach einer längeren Schauspielpause präsentiert «Gas gibt Kultur» am 9. Februar 2018 die Bühnenversion von Carl Zuckmayers Kriegsdrama «Des Teufels General». Die Rolle des Fliegerhelden Harras, der die Schändlichkeit der Nationalsozialisten durchschaut und – wegen seiner Leidenschaft fürs Fliegen – dennoch für sie kämpft, spielt Gerd Silberbauer.

Ein volles Haus verspricht bereits heute die Inszenierung des Tanzmusicals «Footloose» mit Künstlern des West End Theatre London am 23. März 2018. Auch in dieser Saison bleiben die Kinder nicht aussen vor. Sie erwartet in der Vorweihnachtszeit, am 17. Dezember, nachmittags um 15 Uhr, das Märchen «Der gestiefelte Kater» in der Dialektfassung von Jörg Christen.

Nicht auf soziale Medien angewiesen

Susanna Wipf Fischer ist von der Wahl der Inszenierungen überzeugt. Wie diese beim Publikum ankommen, wird sich erst zeigen. An der gestrigen Präsentation des Programms zeigte sie die zahlreichen Unberechenbarkeiten auf dem Weg zum saalfüllenden Stück auf. Und sie machte klar, dass einige Faktoren sich kaum oder nicht beeinflussen lassen. Tatsache sei, dass sich das Publikum unter 40 Jahren nur schwer für Theateraufführungen begeistern lasse. Dies sei vor 20 Jahren so gewesen und daran hätten auch die allgegenwärtigen sozialen Medien nichts geändert. Deshalb, sagte Susanna Wipf Fischer, sei es müssig, die Energie in die Aktivierung neuer Ressourcen auf der Suche nach jüngerem Publikum zu investieren, Menschen mit Werbetricks zu zwingen, endlich Theaterluft zu schnuppern. «Wir brauchen kein Facebook, kein Youtube und auch kein Twitter, um unsere Events anzukündigen. Soziale Medien spielen hier höchstens eine Nebenrolle. Unsere Hauptrolle ist das hautnahe Erleben.»

Image-Werbung mit Kulturfranken

Ob dieses Erleben im Uzwiler Gemeindesaal auch im nächsten und übernächsten Jahr möglich sein wird, hängt von der Ertragslage der Technischen Betriebe Uzwil ab. Die im Moment gut sei, wie der interimistische Betriebsleiter Hanspeter Haltner sagte. Die Defizitdeckung des Kulturprogramms koste die Gas- und Wasserwerke je Saison rund 40000 Franken. Wobei das finanzielle Engagement, nebst dem hehren Ziel der Kulturförderung, auch dem Unternehmen einen Nutzen bringt: Werbung. Denn gerade im Gasbereich ist das Marktsegment der Privatkunden zunehmend umkämpft.


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