Er wird der neue Hauptaktionär

FC WIL ⋅ Nach dem Rücktritt von Roger Bigger als Präsident des FC Wil dürfte Maurice Weber das Ruder übernehmen. Er äussert sich zur wirtschaftlichen Situation, bevorstehenden Veränderungen und Trainer Konrad Fünfstück.
01. Dezember 2017, 19:40
Simon Dudle

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Nach rund 15 Jahren beim FC Wil ist Schluss. Präsident Rogger Biger wird am Montag an der Generalversammlung nicht mehr zur Wahl stehen. Mit Maurice Weber übernimmt aller Voraussicht nach ein nächster Wiler die Führung des Äbtestädter Fussballklubs, so er von den neuen Verwaltungsräten gewählt wird.

Maurice Weber, nach den Abgängen von Roger Bigger und Christian Meuli würden Sie alleine im Verwaltungsrat verbleiben. Wie viele Leute werden an der Generalversammlung am Montag neu gewählt werden?

Drei sind es sicher, ein Vierter ist wahrscheinlich. Alle sind aus der Region Wil oder haben zumindest Wurzeln hier. Die Namen werden wir erst an der Generalversammlung präsentieren. Viele von ihnen werden ins Amt hineinwachsen müssen. Genauso, wie es einst Roger Bigger als junger Präsident 2003 auch tun musste.

Vor einem halben Jahr stand der FC Wil unmittelbar vor dem Konkurs. Wie sieht es heute finanziell aus?

Wir kämpfen um die Gunst der Sponsoren und auch mit den Finanzen. Die immer höheren Auflagen in der Challenge League kosten immer mehr. Auch bei den Spielersalären müssen wir aufpassen, dass sie nicht ausufern. Es ist eine Gratwanderung. Wir sind unter Beobachtung und müssen der Liga vierteljährlich die Finanzsituation aufzeigen.

Sind Sie ab sofort der starke Mann beim FC Wil?

Ich sehe mich nicht als der starke Mann. Ich versuche immer, im Team zu arbeiten. Ich bezeichne mich auch in der Firma nicht als Chef, sondern als Lehrer, der jungen Menschen etwas mit auf den Weg geben und sie weiterbringen will. So sehe ich meine Aufgabe auch beim FC Wil.

Sind Sie Hauptaktionär?

Ja, das werde ich höchstwahrscheinlich sein.

Wie viel Prozent an Aktien besitzen Sie?

Das wird an der Generalversammlung am Montag publik.

Sportlich läuft es gar nicht rund. Der FC Wil ist Letzter und hat 13 Spiele hintereinander nicht gewonnen. Wo muss der Hebel angesetzt werden?

Wir haben ein sehr grosses Kader mit zu vielen Spielern auf den gleichen Positionen. Wir müssen weiter auf unsere eigenen jungen Spielern setzen und mehr Qualität einbringen. Die Anpassungen werden wir in der Winterpause vornehmen müssen.

Welches sind kurz- und mittelfristig die Zielsetzungen des FC Wil?

In dieser Saison kann nichts anderes als der Ligaerhalt das Thema sein. Mittelfristig wollen wir eine Truppe mit vielen Talenten und ein paar gestandenen Spielern haben. Dann werden wir automatisch im gesicherten Mittelfeld der Liga operieren.

Der FC Wil hat erst acht Punkte auf dem Konto. Wie sicher sitzt Trainer Konrad Fünfstück im Sattel?

Am Schluss sind es die Spieler, welche die Tore schiessen oder eben nicht – da kann der Trainer nicht selber eingreifen. Ich kann den jungen Spielern aber keinen Vorwurf machen, denn sie geben in jedem Spiel alles. Sie sind mit Herzblut dabei und das spürt auch das Publikum. Ich denke, wir müssen den Jungen mehr qualitativ gute Spieler zur Seite stellen, damit sie von denen lernen können. Der Trainer arbeitet Tag und Nacht. Er macht einen guten Job. Ich kann nichts Negatives über ihn sagen.

Der FC Wil hat keinen Sportchef. Soll ein solcher angestellt werden?

Über kurz oder lang werden wir nicht darum herumkommen, dies zu tun. Die Frage ist aber, wie er finanziert werden soll. Der Sportchef soll sich langfristig durch Transfererlöse der Spieler selber finanzieren. Die ersten paar Löhne müssen aber trotzdem gestemmt werden. Im Moment liegt das nicht drin.

 

Architekt und Familienvater

Maurice Weber wird im Dezember 55-jährig, ist verheiratet und dreifacher Familienvater. In Flawil aufgewachsen, zügelte er als 19-Jähriger nach Wil, wo er noch immer seinen Firmensitz hat. Weber ist Inhaber des Ingenieur- und Architekturbüros W+P Weber und Partner AG mit Standorten in Wil, Zürich und Bern. Das national und international tätige Unternehmen beschäftigt rund 70 Mitarbeiter. Fussballerisch schaffte es Weber bis in die zweite Mannschaft des FC Wil. Seit elf Jahren gehört er dem Verwaltungsrat der FC Wil 1900 AG an. Beim Nachwuchs-Projekt «Future Champs Ostschweiz», welches er mit dem FC St. Gallen aufgebaut hat, ist Weber in der strategischen Kommission. Er hat die Aufgabe, St. Gallen und Wil die nötigen Nachwuchsspieler zuzudienen. (sdu)


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