Türkische Investoren verprassten 20 Millionen Franken und hinterlassen Altlasten

FC WIL ⋅ An der Generalversammlung der FC Wil 1900 AG wurde am Montagabend bekannt, wie sehr die türkischen Investoren finanziell gewütet haben. Fast 20 Millionen Franken wurden in 1,5 Jahren verprasst. Noch gibt es Altlasten.
05. Dezember 2017, 19:18
Simon Dudle
Finanzchef Mischa Sammer wählte deutliche Worte, als er die Jahresrechnung präsentierte. «Ein Debakel» sei es. Nachdem bereits im ersten Jahr unter türkischer Führung ein Verlust von knapp 11 Millionen Franken resultiert hatte, kamen im Folgejahr 8,6 Millionen Franken dazu. Der grösste Teil davon geht auf das erste Halbjahr der Saison 2016/2017 zurück, als die Türken noch fuhrwerkten. Alleine für das Fanionteam und den Staff wurden in nur einer Saison 7,2 Millionen Franken ausgegeben.

Mischa Sammer, Finanzchef der FC Wil 1900 AG. Zoom

Mischa Sammer, Finanzchef der FC Wil 1900 AG.

In der Rückrunde betrug der Verlust nach dem abrupten Versiegen der Geldquelle «nur» noch 750'000 Franken. Was die Interpretation zulässt, dass die Türken in der zweiten Saison in Wil um jeden Preis den Aufstieg erkaufen wollten, bevor sie die Geduld verloren haben. Ob das stimmt? Gerne würde man diese Fragen stellen. Doch erreichbar sind sie nicht einmal mehr für die Wiler Vereinsführung.
 

Weniger Marketinggelder, mehr Zuschauereinnahmen

Sammer musste auch vermelden, dass die Einnahmen im Marketing im Vergleich mit dem Vorjahr um 160'000 Franken zurückgegangen waren, «weil unsere türkischen Freunde in diesem Bereich gar nichts gemacht haben». Für Anwälte musste dafür deutlich mehr ausgegeben werden. Bei den Zuschauereinnahmen resultierte ein Plus von 50'000 Franken. Dies lag einzig und allein an den Fans des FC Zürich, welche die IGP-Arena zweimal ansehnlich gefüllt hatten.

«Der FC Wil war im Frühling tot und musste durch Nadelstiche wiederbelebt werden», sagte Sammer. Er spielte darauf an, dass sich die Taskforce, welche den Verein schliesslich rettete, immer wieder gegenseitig antreiben musste, um nicht aufzugeben. «Es ist ein Wunder, dass wir noch hier sind», sagte Sammer ohne Emotionen.
 

Mit mehreren Spielern noch keine Lösung gefunden

Zehn Monate sind seit dem Abgang ins Land gezogen. «Wir sind noch nicht über den Berg und finanziell extrem unter Druck», sagte Sammer. Weiterhin keine Lösung gefunden wurde mit Spieler David Roesler, der nach wie vor einen hohen «türkischen» Vertrag besitzt. Das Gleiche zählt für Ivan Audino, der im Sommer an Aarau ausgeliehen wurde. Just am Montag wurde aber publik, dass der Leihvertrag nicht verlängert wird, womit Audino zurückkehrt.

Ebenfalls noch nicht gelöst ist die Personalie Remis Gomis. Er war einer der Grossverdiener und pocht auf seinen hohen Vertrag. Zwar hat der FC Wil diesen aufgelöst, weshalb nun vor dem internationalen Sportsgerichtshof (TAS) in Lausanne eine Mediation stattfinden wird.

Trotzdem war die Stimmung bei den Aktionären am Montagabend positiv. Die tiefroten Zahlen lösten keine kritischen Fragen aus. Denn die bereits gesprochenen Darlehen können die Türken aufgrund eines Vertrags nicht mehr zurückfordern.

Heute ist der FC Wil in der Hand von acht Schweizer Grossaktionären, die rund 80 Prozent der Aktien besitzen. Wer es ist, wird auch auf Nachfrage nicht kommuniziert. Es sind aber nicht die am Montag neu gewählten Verwaltungsräte, sondern Sponsoren. Verwaltungsrat Maurice Weber, der womöglich nächste Woche von der neuen FC-Wil-Führung zum Nachfolger von Präsident Rogger Bigger ernannt wird, ist Hauptaktionär. Wie viel Prozent an Aktien er besitzt, behält er für sich.

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