Die Tücken der Innenverdichtung

ZUZWIL ⋅ Die Gemeinde überarbeitet den Richtplan. Obwohl dies eine trockene Materie ist, kamen am Mittwoch rund 50 Personen an einen Infoanlass nach Weieren. Der Ortsplaner verglich das Thema mit einem Minenfeld.
29. September 2017, 05:18
Simon Dudle

Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Zuzwil wächst und wächst. Seit der Jahrtausendwende ist es um rund 1000 Personen grösser geworden, womit sich die Einwohnerzahl per Ende des vergangenen Jahres auf 4773 belief. Auch in den nächsten Jahren strebt der Gemeinderat ein Wachstum an. Dieses soll pro Jahr zwischen 0,5 und 0,7 Prozent liegen.

Die Krux dabei: Das Schweizervolk hat sich im Jahr 2013 mit einer knappen Zweidrittels-mehrheit dafür ausgesprochen, die Zersiedlung zu stoppen. Darum darf nicht mehr wahllos Grünland eingezont und überbaut werden. «Innere Verdichtung» lautet seither die Losung. Was gut tönt, kann aber für rote Köpfe sorgen – gerade in einer Gemeinde wie Zuzwil mit vielen Einfamilienhäusern. «Die Innenverdichtung ist wegen der Nachbarn nicht konfliktfrei. Manchmal gleicht sie einem Minenfeld», sagte Ortsplaner Armin Meier an der Infoveranstaltung im Wohn- und Pflegezentrum Lindenbaum in Weieren. Zuzwils Gemeindepräsident Roland Hard­egger ergänzte: «Die Zeiten, als für ein Einfamilienhaus 800 Quadratmeter verbaut werden konnten, sind definitiv vorbei.»

Auf Interesse stiess Meiers Aussage, dass Bauland nicht ewig gehortet werden kann. Über- baut ein Grundstückbesitzer sein Land bis am 1. Oktober des Jahres 2023 nicht, so kann die Politische Gemeinde das Baurecht übernehmen. Baut auch diese in den danach folgenden zwei Jahren nicht, so kann das Land vom ehemaligen Besitzer wieder beansprucht werden.

Unterschriften gegen eine Überbauung

Und wie ist die aktuelle Situation in Zuzwil? Laut Hardegger sind einige Parzellen zwar eingezont, aber nicht überbaut. Die grösste befindet sich im Neufeld in Züberwangen, wo sich allerdings Anwohner gegen eine geplante Überbauung wehren. Sie sammeln dieser Tage Unterschriften und wollen damit eine Volksabstimmung erzwingen. Weitere kleinere eingezonte Parzellen gibt es in allen drei Ortsteilen.

Der Richtplan, welcher nun erstellt wird, ist behördenverbindlich und kann von den Einwohnern nicht bekämpft werden. Trotzdem haben sie Mitsprachemöglichkeiten. Seit gestern und noch bis zum 10. November ist eine Umfrage zur Zuzwiler Innenentwicklung auf der Homepage der Gemeinde aufgeschaltet. Diese Inputs fliessen in ein Raumkonzept ein, welches bis Ende Jahr erstellt wird.

Im Frühjahr 2018 folgen Gespräche mit den Grundeigentümern betreffend Erhältlichkeit des Baulandes. Im Sommer des nächsten Jahres wird der Richtplan durch den Kanton geprüft, ehe sich die Bevölkerung noch einmal einbringen kann. Im Herbst oder Winter 2018 soll dann der Richtplan erlassen werden. Danach sind der Zonenplan, das Baureglement und die Schutzverordnung an der Reihe.


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