Weniger Fische und auch Fischer

REGION. Im vergangenen Jahr haben die Mitglieder des Fischereivereins Thur nicht einmal halb so viele Bachforellen gefangen wie noch 2014. Nicht nur wegen dieser tiefen Quote könnte die Hauptversammlung emotional werden. Gleich mehrere Anträge sind zu behandeln.
01. Februar 2016, 07:26
SIMON DUDLE

Gerade mal 1551 Bachforellen haben die Mitglieder des Fischereivereins Thur im vergangenen Jahr auf der Pachtstrecke zwischen Uelisbach bei Wattwil und der Kantonsgrenze bei Niederbüren herausgezogen. Das sind nicht einmal halb so viele wie im Vorjahr. Die Äsche, vor einigen Jahren noch mit einem grossen Bestand in der Thur vertreten, darf schon seit 2012 nicht mehr gefischt werden, da sie vom Aussterben bedroht ist. «Die warmen Wassertemperaturen und die konstant niedrigen Abflussmengen waren für die Fische eine körperliche Belastung», schreibt Vorstandsmitglied Steffen Clajus im Jahresbericht. Eine bei Bazenheid gemessene Wassertemperatur von 24,5 Grad habe bei den Mitgliedern einige Fragen ausgelöst. «Wir sind überzeugt, dass viele Fischer bereits im Frühsommer den Gang an die Thur unterlassen haben», ist im Bericht weiter zu lesen.

Versuchsstrecke einführen

Nun sollen Massnahmen ergriffen werden – zumindest, wenn es nach dem Gusto von zwei Mitgliedern geht. Thomas Frey schlägt vor, den Abschnitt zwischen der Ganterschwilerbrücke nahe Bütschwil und dem Zufluss des Neckers bei Lütisburg zu einer Versuchsstrecke zu machen, auf welcher nur noch das Fliegenfischen erlaubt ist. Es handelt sich um eine Methode des Angelns, bei welcher ein besonders leichter Köder – ein Fliegenimitat – verwendet wird und man eine spezielle Wurftechnik anwendet.

Frey ist der Meinung, dass die rückläufigen Fangzahlen mit einer Überfischung der lokalen Bestände zusammenhängen. Durch die eingeschränkte Befischungsmethode will er eine natürliche Schonung des Fischbestandes erzielen. Und durch die Schaffung neuer Rückzugsmöglichkeiten sollen mehr Tiere Geschlechtsreife erlangen.

Einen anderen Ansatz vertritt Walter Vetsch. Er möchte die Anzahl Tiere, die pro Person und Jahr gefischt werden dürfen, halbieren – und zwar von sechs auf drei Edelfische pro Tag und von 80 auf 40 Stück pro Jahr. Zudem soll ein solcher Edelfisch nur behalten werden dürfen, wenn er mindestens 30 cm lang ist. Die kantonale Gesetzgebung gibt ein Mass von 25 cm vor. Im Verein gibt es Stimmen, die sagen, dass die Laichreife bei 25 cm oftmals nicht erreicht werde.

Die Thematik ist nicht neu. Das kantonale Amt für Natur, Jagd und Fischerei hat von den Verantwortlichen des Fischereivereins Thur einen Brief erhalten, in dem es um die Mindestgrösse geht. «Wir werden vor der Hauptversammlung eine Rückmeldung vom Amt erhalten, wie und in welcher Form dieser Antrag zur Abstimmung gebracht werden kann», schreibt Clajus im Jahresbericht.

Fischverbot statt Ausschluss

Präsident Patrick Gloudie möchte zu beiden Anträgen noch keine Stellungnahme abgeben, um eine mögliche Diskussion nicht vorgängig zu beeinflussen. Er erwartet aber einige lebhafte Voten.

Eine Diskussion könnte auch ein vom Vorstand gestellter Antrag auslösen. Während der Verein früher eine Warteliste mit Interessierten hatte, ist seit einigen Jahren ein Mitgliederschwund zu verzeichnen. Ihm versuchte man vor Jahresfrist mit einer Halbierung des Eintrittsgeldes von 750 auf 375 Franken entgegenzuwirken. Nun soll ein Passus in den Statuten abgeschafft werden, wonach ein Mitglied aus dem Verein ausgeschlossen wird, wenn es das Fangbüchlein Ende Jahr dreimal zu spät oder gar nicht abgegeben hat. Kommt dieser Antrag durch, wird beim ersten Nichteinreichen der Statistik eine Mahngebühr von 50 Franken erhoben, beim zweitenmal eine von 100 Franken und beim drittenmal eine von 150 Franken. Tritt dies ein, wird dem Mitglied in der nächsten Saison zudem von Mitte März bis Mitte Mai die Fischfang-Berechtigung entzogen.


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