Tegerscher Dönerbude statt Kanada

Bei der Eröffnung vor gut zwei Jahren glaubten nur wenige in Degersheim daran, dass Hasan Cagirs Kebab-Lokal eine Chance hat. Nun wechselt er von der Hauptstrasse an den neuen Dorfplatz – in einen grösseren Raum.
22. Oktober 2013, 02:34
MICHAEL HUG

DEGERSHEIM. «Eine Dönerbude in Degersheim? Das kann doch nicht rentieren!» So oder ähnlich tönte es vor zweieinhalb Jahren im Dorf. Hinter der vorgehaltenen Hand, versteht sich. Jene, welche ständig die Abwanderung oder Schliessungen von Kleinbetrieben beklagen, waren die ersten, die der mutigen Idee des Gastro-Unternehmers Hasan Cagir keine Chance gaben. Der bekam von der Skepsis nichts mit: «Ich wollte mich einfach selbständig machen. Der Ort spielte keine Rolle. Ich habe im Internet nach Lokalen gesucht und dann den ehemaligen Coiffeursalon an der Hauptstrasse gefunden.» Dann habe er die Lage in Degersheim analysiert, die Bevölkerungszahl angeschaut und sich gedacht: «Das müsste klappen.» Und es klappte. Der Neuunternehmer war offenbar auf ein vorhandenes Bedürfnis gestossen.

Neuer Standort

Jetzt zeigt Cagir abermals Mut. Wegen der Mietzinserhöhung an seinem bisherigen Standort suchte er ein neues Lokal. Fündig wurde er schliesslich in der neuen Zentrumsüberbauung. Der neue Standort sei für ihn optimal: «Grösser, heller, besser geheizt und besser gegen Kälte gedämmt.» Aber auch teurer. Der Zins sei zwar nur wenig höher als vorher, aber weil das Lokal nicht ausgebaut war, mussten er und der Vermieter zuerst in die Ausstattung investieren. Küche, Toiletten und Entlüftungsanlage wurden erneuert. Doch den höheren Kosten hält Cagir entgegen, dass er in der grösseren Küche nun auch mehr Möglichkeiten hat: «Ich möchte Salate, Suppen, kleine Snacks, Kaffee, Kuchen oder Gipfeli anbieten. Sein kleiner «Tegerscher Kebab» entwickelt sich so zum Bistro mit 80 Sitzplätzen. Dazu biete das neue Lokal mehr Platz für Tische im Freien und auf einer Galerie im Innern noch Potenzial für Gesellschaften oder Vereine.

Zwei Monate Provisorium

Die «Dönerbude» rentiert also doch. Der Grund, warum Hasan Cagir seine Kebabs und Pizzas seit zwei Monaten aus einer mobilen Kebab-Küche verkauft, ist nicht die Rentabilität, sondern sind die Verzögerungen beim Ausbau des neuen Lokals: «Ich habe lange auf die Bewilligung gewartet.» Die Expansion stützt sich auf Cagirs Geschäftssinn und den Rückhalt in seiner Familie. Das Team besteht aus ihm, seiner Frau, seinem Vater und seiner Schwiegermutter. Sein Vater, den alle «Ali» nennen, betrieb 25 Jahre lang einen mobilen Kebab-Stand: «Er ist mit seinem Anhänger durch die Jahrmärkte gezogen. Jetzt hilft er mir, wenn er mag, und sonst kümmert er sich um die Enkel.» Vielleicht muss das Familienunternehmen auch bald beim Personal expandieren, meint der Chef, denn die neuen Öffnungszeiten sind grosszügiger: «Wir werden von acht Uhr morgens bis zehn Uhr abends offen haben, jeden Tag ausser am Sonntag, dann ist geschlossen.»

Zehn Jahre Minibar

Dabei hätte das Leben des 39jährigen Unternehmers vor drei Jahren beinahe eine andere Richtung eingeschlagen. «Ich habe zehn Jahre eine Minibar durch Züge gestossen. Als die SBB mich entliess, wollte ich auswandern. Ich ging zwei Monate nach Kanada. Aber es gefiel mir dort überhaupt nicht.» Als er zurückkam, veränderte sich auch sein Privatleben, denn kaum hatte er sich im Dorf niedergelassen, traf er die Liebe seines Lebens. Sechs Monate später wurde geheiratet. Und nun eröffnet die Familie Cagir am 2. November ihren neuen «Tegerscher Kebab».


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