Nemo hat ein neues Zuhause

GLÜCK ⋅ Der an Neujahr beim Stadtweier in Wil ausgesetzte Welpe gedeiht prächtig. Untergebracht im Gnadenhof in Dicken besucht das Tier eine Welpenschule. Ende Februar kommt der kleine Hund zu einer Familie.
31. Januar 2017, 11:41
Philipp Haag

Philipp Haag

philipp.haag@wilerzeitung.ch

Der Welpe hatte schweizweit Schlagzeilen gemacht. Am Neujahrsabend war der etwa sechs Wochen alte Hund, später auf den Namen Nemo getauft, im Geissengehege beim Wiler Stadtweier ausgesetzt worden. Bei der eisigen Kälte wäre das Kleintier beinahe erfroren. Nur dank des Einsatzes von Stadtparlamentarier Sebastian Koller, der in der Nähe wohnt, überlebte der Hund. Koller hatte den jungen Hund jämmerlich jaulen gehört, nachgeschaut und ihn über Nacht bei sich aufgenommen.

Nemo kommt nicht nach Wil zurück

Seit damals lebt Nemo im Papageienhof, auch Gnadenhof genannt, in Dicken. Marcel Jung, der im Nebenamt Tierschutzbeauftragter der Stadt Wil ist, hat dem kleinen Hund ein vorübergehendes Zuhause gegeben. Der Welpe wird später an einem anderen Ort untergebracht. «Das Plätzchen ist gefunden», sagt Jung. Wo oder bei wem, möchte er noch nicht bekanntgeben. Der Hund kommt nicht nach Wil zurück. Koller und seine Schwester hatten sich zwar überlegt, Nemo bei sich aufzunehmen. Wegen der für einen Hund nicht idealen Wohnsituation verzichten sie aber. Am vorvergangenen Wochenende besuchten die Geschwister ihren Schützling in Dicken und gaben das Einverständnis, das Tier fremd zu plazieren. Als Finder hat Koller Anrecht auf das Tier, ist quasi dessen Besitzer. Jung rechnet es Koller hoch an, dass er das Tier abgibt. «So können wir Nemo an einem für ihn geeigneten Ort unterbringen», sagt Jung. Er kommt zu einer Familie im Kanton St. Gallen, die Erfahrung mit und Zeit für einen grossen Hund hat. Denn aus dem Wollknäuel wird, wenn es ausgewachsen ist, ein stattliches Tier mit 45 Kilogramm. «Ein Herdenschutzhund», sagt Jung.

Ende Februar wechselt Nemo in seine neue Bleibe. Koller ist froh, «dass für den Hund eine definitive Lösung gefunden werden konnte». Einen Monat bleibt Nemo noch im Tierheim in Dicken und wird aufgepäppelt. «Ihm geht es gut», sagt Jung. Das Tier ist fit und gedeiht prächtig. Eine Mitarbeiterin des Tierheims besucht mit Nemo eine Welpenschule. Da der kleine Hund in einem Alter seiner Mutter entrissen worden ist, in dem er auf deren Hilfe angewiesen ist, muss er sozialisiert werden. Nemo muss den Kontakt zu anderen Hunden und Welpen lernen.

Keine Hinweise auf ursprüngliche Besitzer

Wer den Welpen im Wiler Geissengehege ausgesetzt hat, ist nicht bekannt. Sowohl Koller als auch die beiden Wiler Tierschutzbeauftragten, Marcel Jung und Nadja Müller, haben Anzeige gegen unbekannt erstattet. Wären Hinweise auf die ursprünglichen Besitzer bei der Polizei eingegangen, hätte Koller davon erfahren. Er hatte die Polizei ausdrücklich gebeten, ihn zu informieren. Doch Koller liegen keine Anhaltspunkte vor. Er erwartet auch nicht, dass der ehemalige Besitzer sich meldet. Denn wer ein Tier wissentlich und willentlich aussetzt, wird auf Basis des Schweizer Tierschutzgesetzes mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe, kombiniert mit Busse, bestraft.


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