Kontrastreiche Kompositionen

Den Saisonauftakt des Konzertzyklus Uzwil machte am Sonntag in der katholischen Kirche Niederuzwil der Fürstenlandchor aus Gossau. Auf dem Programm standen sich zwei Werke aus Barock und Gegenwart gegenüber.
18. November 2014, 02:34
CAROLA NADLER

NIEDERUZWIL. Um die Eurovision ist es, abgesehen von den Songcontests, ruhig geworden, doch erklingt das Prélude zu Marc-Antoine Charpentiers «Te Deum», wird sich so mancher an die Übertragungen und Produktionen dieser europäischen Rundfunkorganisation und deren Signet erinnern. So eingängig, plakativ diese Fanfare auch ist, steht sie doch im Kontext eines überaus spannenden und facettenreichen Werkes eines Barockkomponisten, der sich in den höfischen Kreisen um Ludwig XIV bewegte und die Musik zu zahlreichen Stücken von Molière schrieb, darunter «Le malade imaginaire».

Hohes Mass an Präsenz

Charpentiers Genialität liegt in der Vielfalt. Durch einfache Mittel wie wechselnde Besetzungen schuf er ein ungemein kontrastreiches Werk, dessen Ausführung nicht unterschätzt werden darf, benötigt es doch ein hohes Mass an Präsenz. Dirigent Guido Helbling hatte seinen Fürstenlandchor für das Konzert in Niederuzwil an eine Interpretation herangeführt, die dem Facettenreichtum dieses Werkes mehr als gerecht wurde.

Nach den sehr elegant musizierten Phrasen des Préludes durch das Kammerorchester Fürstenland und dem Baritonsolo «Te Deum» fügten die Frauenstimmen ein überaus transparentes «Te aeternam» an. Breit und tief dagegen tönte der Gesamtklang des Chores im «Pleni sunt» coeli, gefolgt von einer wiederum meditativ kontemplativen «Te per orbem». Das Solistenduo Elisabeth Germann, Sopran, und Bariton Hanspeter Schär wurde immer wieder in abwechselnden Besetzungen von Chorsolisten ergänzt.

Mit John Rutters «Magnificat» stand anschliessend ein zeitgenössisches Werk auf dem Programm, das augenscheinlich keinen grösseren Kontrast zu Charpentiers «Te Deum» darstellen könnte. Doch genau wie der Barockkomponist versteht es der Brite ausgezeichnet, Klanggemälde zu zeichnen, die dem «Magnificat» eine wunderbare Lebendigkeit verpassten. Die Komposition ist durchdrungen von einem Strahlen und Lächeln, einem Pulsieren, wie es der Vorfreude einer werdenden Mutter entspricht.

Freude aneinander

Leicht und transparent, im Wechsel mit kraftvollen Freudeausbrüchen und sphärischen Phrasen, gestaltete der Fürstenlandchor diesen Jubelgesang der Maria. Sopranistin Elisabeth Germann gab Maria eine wunderbar helle, klare Stimme. Das Zusammenspiel von Orchester und Chor, das von einer grossen Freude aneinander geprägt war, stellte einen weiteren Glanzpunkt an diesem Konzert in der katholischen Kirche dar.


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