Geduld noch nicht belohnt

TOGGENBURG ⋅ Am Mittwoch ging die Fischerei in der Thur los. Bis Ende September dürfen die Fischer Bachforellen aus dem Wasser ziehen. Die kalte Witterung hielt die Fische aber in ihren Verstecken, nur einzelne haben angebissen.
18. März 2016, 07:12
SABINE SCHMID

TOGGENBURG. Für José Alvarez ist klar, was er am 16. März macht: Fischen. Seit 19 Jahren übt er dieses Hobby aus und freut sich jeweils auf den Tag, an dem die Fischerei an der Thur eröffnet wird. Dieser Tag sei fast wichtiger als der Geburtstag, scherzt er. Und er ist bei weitem nicht der einzige. Wer am Mittwoch an der Thur entlanggegangen ist, sah an einigen Stellen Fischer, die ihre Angeln ins Wasser geworfen hatten.

Hoffen auf einen Fang

Damit verbunden ist natürlich die Hoffnung, eine Forelle aus dem Wasser zu ziehen. Die meisten der Fischer blieben aber ohne Fang. «Es ist schwierig, heute einen Fisch zu fangen. Das Wasser ist noch kalt und darum hocken die Forellen in ihren Verstecken und sind kaum aktiv», erklärt José Alvarez. Der leichte Schneefall war ebenfalls nicht optimal, zudem schränkte die Bise das Vergnügen des Fischens ein. José Alvarez, der jeweils um den 16. März Ferien nimmt, zieht es am ersten Tag der Fischerei auch wegen der Kollegschaft an die Thur. «Ich bin gerne in Kontakt mit anderen Fischern», sagt er und schaut herum, wer wo seinem Hobby frönt. «Wir sind schon seit dem frühen Morgen am Fischen», erzählt ein Fischer. Immer wieder wirft er seine Angel ins Wasser und zieht sie zurück – leer. «Heute keine Forelle gefangen zu haben macht nichts, die Saison ist ja noch lang. Und ein schlechter Fischertag ist noch immer besser als ein Arbeitstag», sagt er.

Auch Biber und Eisvögel

José Alvarez geht es bei seinem Hobby zwar auch um den Fisch, den er gerne isst. «Eine frische Forelle kann man jetzt im Frühling noch an der Thur mit Bärlauch füllen, dann zu Hause fertig würzen und grillieren», sagt er. Ebenso sehr schätzt er aber das Erlebnis, dass ihm die Thur bei seinem Hobby bietet. Schon mehrere Male hat er beim Fischen am frühen Morgen Biber gesehen, auch Eisvögel und Füchse hat er beobachten können. Für ihn ist es wichtig, die Thur zu kennen. «Wenn ich den Bach kenne, fange ich auch Fische.» José Alvarez' Lieblingsplätzchen ist zwischen Ulisbach und Lichtensteig. Doch wenn er andere Fischer begleitet, lernt er neue Abschnitte kennen. Ein Fischer am Fluss sei eh immer in Bewegung, sagt Alvarez. Wirft er die Angel aus, so treibt sie in der Strömung und muss immer wieder zurückgeholt werden. Nach einigen erfolglosen Würfen wechselt der Fischer seinen Standort, probiert es ein paar Meter flussauf- oder -abwärts.

Fischen ist wie Velofahren

Und wie ist es mit den umliegenden Sträuchern? José Alvarez vergleicht in diesem Zusammenhang das Fischen mit Velofahren. «Gelernt ist gelernt», meint er. Zwar brauche es Erfahrung und Geschick, die Angel nicht zu weit auszuwerfen und sich nirgends zu verheddern. Aber nach zwei, drei Würfen habe er das schnell wieder im Gefühl.

Fischer setzen Fische ein

Auch wenn die Bedingungen gut sind, dürfen die Fischer nicht beliebig viele Forellen aus der Thur ziehen. Sechs Stück, die jeweils mindestens 25 Zentimeter lang sein müssen, pro Tag sind das Maximum, 80 Forellen sind es jedes Jahr. José Alvarez kommt nicht auf diese Menge. Gerade im vergangenen Sommer, wo es heiss war und die Thur einen tiefen Wasserstand hatte, waren die Fangzahlen tief. Die Fischer sind es übrigens selber, die dafür sorgen, dass es genügend Fische in der Thur hat. Jedes Jahr ziehen sie kleine Forellen in ihren Aufzuchtbächen auf. Wenn diese auf eine bestimmte Grösse angewachsen sind, werden sie elektrisch abgefischt und in die Thur umgesiedelt. Bei dieser Aufgabe, wie auch bei Aufgaben in der Hälterungsanlage in Bütschwil, hilft José Alvarez gerne mit.

In den kommenden Monaten wird der Bauarbeiter aber in den frühen Morgenstunden an der Thur zu sehen sein. Bis Ende September darf er Forellen fangen, dann folgt die Schonzeit, damit sich die Forellen aufs Laichen vorbereiten können.


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