1000-mal in die Kasse gegriffen

REGION ⋅ Eine ehemalige Verkäuferin einer Sirnacher Bäckereikette steht am 16. Oktober vor Bezirksgericht. Ihr wird vorgeworfen, ihrem Arbeitgeber zwischen 10000 und 20000 Franken aus der Kasse gestohlen zu haben.
06. Oktober 2017, 05:20
Hans Suter

Hans Suter

hans.suter@wilerzeitung.ch

Der Tatbestand in der Anklageschrift wirkt geradezu harmlos zu dem, was die Angeklagte an Dreistigkeit an den Tag legte: «Indem die Angeklagte zwischen dem 1. Oktober 2014 und 31. Januar 2015 fast täglich insgesamt den namhaften Betrag zwischen 10000 und 20000 Franken aus Bereicherungsabsicht bar aus den Filialkassen [...] herausnahm und indem sie quasi nebenberuflich handelte, hat sie sich des gewerbsmässigen Diebstahls gemäss Art. 139 Ziff. 2 StGB strafbar gemacht.»

Den Monatslohn illegal verdoppelt

Hinter der komplexen Satzkon­struktion aus dem Sprachschatz routinierter Juristen verbirgt sich eine nicht so leicht zu übertreffende Serie an einzelnen Diebstählen. Angefangen hat es vermutlich schon an ihrem ersten Arbeitstag, am 1. Oktober 2014, und geendet am letzten Arbeitstag am 31. Januar 2015. Das zumindest lässt die Statistik des Kassensystems vermuten. Am ersten Tag führte die Angeklagte sieben Kassaöffnungen ohne Verkauf und sieben Sofortstornos mit einem Betrag von Fr. 29.10 durch. Am letzten Arbeitstag registrierte das System 24 Kassaöffnungen ohne Verkauf und 78 Sofortstornos mit einem Gesamtbetrag von stolzen Fr. 408.70. Gemäss Anklageschrift betätigte die Angeklagte in der auf vier Monate befristeten Anstellung «weit über 1000 Sofortstornos» und «weit über 1000 Kassaöffnungen ohne Verkauf». Insgesamt resultierten für diesen Zeitraum Sofortstornos im Umfang von stolzen 14827 Franken, worunter die Angeklagte auch vereinzelte legitime Sofortstornos getätigt habe, wie der Staatsanwalt festhält. Hingegen seien zusätzlich die Verkäufe zu berücksichtigen, welche die Angeklagte nicht getippt habe.

Der Deliktbetrag liege demnach zwischen 10000 und 20000 Franken. Der Staatsanwalt kommt zum Schluss: «Die Angeklagte handelte gewerbsmässig, indem sie während ihrer befristeten Anstellung fast täglich, in Relation zu ihrem Monatsstundenlohn von 2000 bis 3500 Franken, namhafte Beträge aus der Kasse nahm. Dadurch handelte die Angeklagte quasi nebenberuflich.» Mit ihren Straftaten konnte sich die Angeklagte ihren Monatslohn verdoppeln.

Staatsanwalt fordert bedingte Geldstrafe

Am 16. Oktober steht die mittlerweile 22-Jährige vor dem Bezirksgericht Wil in Flawil. Der Staatsanwalt beantragt, die Angeklagte des gewerbsmässigen Diebstahls schuldig zu sprechen und zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 90 Franken, also insgesamt 10800 Franken, zu verurteilen. Dabei sei der bedingte Strafvollzug zu gewähren, unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren. Ausserdem beantragt der Staatsanwalt, die Angeklagte zu einer Busse von 1000 Franken zu verurteilen und ihr die Kosten des Verfahrens zu überbinden. Ausgestanden ist die Sache damit noch nicht. Der geschädigte Arbeitgeber kann eine Zivilklage anstrengen.


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