Wildschweine im Maisfeld

REGION ⋅ Während die Hirschbestände tendenziell stabil bleiben, steigen diejenigen der Wildschweine weiterhin an. Dieses Jahr gab es nun erstmals grössere Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen in Sevelen.
03. Oktober 2017, 05:17
Katharina Rutz

Katharina Rutz

katharina.rutz@wundo.ch

Wenn die Wälder langsam bunt werden und die Schatten länger, erreicht das Jagdjahr im Kanton St. Gallen seinen Höhepunkt. Rehböcke können bereits ab dem 1. Mai bejagt werden, Wildschweine sind seit dem 1. Juli jagdbar. Mit dem 15. August beginnt im Kanton aber die sogenannte Hochwildjagd. Dann beginnt die Pirsch auf Hirsche und Gemsen.

Im Oktober sind auch die Drückjagden erlaubt. Dabei jagen mehrere Jäger in einem bestimmten Gebiet gleichzeitig, und Hilfspersonen durchstreifen das Gebiet und «drücken» so die Wildtiere aus ihrer Deckung. Die Jagd erreicht somit ihren Höhepunkt. Ziel ist es, vor allem Hirsche und Wildschweine zu erlegen. Wegen des hohen Schadenpotenzials dieser Wildtiere, stehen sie im Fokus, häufig auch der Öffentlichkeit.

Erste grössere Schäden in Ackerflächen

Gerade mit Wildschweinschäden musste sich der Werdenberger Wildhüter Silvan Eugster dieses Sommerhalbjahr vermehrt beschäftigen. Während die Sauen bisher meistens Wiesen zur Nahrungssuche umgruben, vergingen sie sich in Sevelen nun erstmals auch in Ackerflächen in grösserem Masse. «Dieses Jahr hatte ich die ersten Schäden in Mais- und Kartoffelfeldern, die zu Schadenersatz berechtigen», bestätigt Eugster. Weitere Schäden an Wiesen gab es von Sevelen bis nach Rüthi an den Hanglagen. Auch die betroffenen Äcker in Sevelen grenzten direkt an den Hang an. «Die Bestände der Wildschweine steigen tendenziell an», so der Wildhüter. Im Werdenberg wurden bereits neun Sauen erlegt. Letztes Jahr betrug der Abschuss bis Ende Jahr 26 Wildschweine.

Auch der Toggenburger Wildhüter Urs Büchler erhielt in den letzten Wochen wieder vermehrt Meldungen von Sauenschäden. «Sie sind vom Tanzboden in Ebnat-Kappel bis nach Alt St. Johann auf der südlichen Talseite aktiv», so Büchler. «Ich vermute mehrere Sauenrotten, die nun auch bejagt werden sollten.» Er setzt dabei vor allem auf die kommenden Drückjagden und die Wintermonate. Wildschweine können noch bis Ende Februar gejagt werden.

Der Hirschbestand bleibt stabil

Seit Jahren mit hohen Abschussvorgaben sind die Jäger bei den Hirschen konfrontiert. Das Ziel des Amtes für Jagd, Natur und Fischerei ist die Reduktion des Hirschbestandes. Das Etappenziel der Stabilisation konnte nach Einschätzung der beiden Wildhüter bereits erreicht werden. «Im Toggenburg verfügen wir über dem Lebensraum angepasste Bestände mit einem ziemlich ausgeglichenen Verhältnis an weiblichen und männlichen Tieren», sagt Urs Büchler. Und auch im Werdenberg hat es laut Silvan Eugster keinen Anstieg mehr gegeben, und das Geschlechterverhältnis hat sich verbessert. Deshalb hat der Kanton St. Gallen die Abschussvorgabe der Rotwild-Hegegemeinschaft 1, zu der die Werdenberger und Toggenburger Reviere zählen, etwas gesenkt. Im Toggenburg müssen 107 Tiere und im Werdenberg 276 Hirsche geschossen werden. «Zurzeit ist es noch zu früh, um eine Einschätzung abzugeben, ob diese Abschussvorgaben erreicht werden können», sagt Urs Büchler. Erfahrungsgemäss seien die Monate September und Oktober die wichtigsten in der Hirschjagd. Ein früher Wintereinbruch könnte den Jagderfolg verbessern. Dann ziehen die Hirsche von ihren Sommerlebensräumen in die Winterquartiere und damit auch in neue Jagdreviere. «Dort treffen sie dann auf Jäger, die motiviert sind, ihre ersten Hirsche der Saison zu erlegen», so Urs Büchler.

Etwas aussergewöhnlich verlief dieses Jahr die Steinbock-Jagd auf den Churfirsten. «Normalerweise wird der Grossteil des Abschusses im September getätigt», sagt Urs Büchler, der unter anderem die Kolonie auf den Churfirsten betreut. Dieses Jahr konnte allerdings erst etwa die Hälfte der 23 zum Abschuss freigegebenen Steinböcke erlegt werden. In der Alpstein-Kolonie fehlen nur noch wenige Tiere.

Bei den Rehen und Gemsen liegen die Bestände im Rahmen der Vorjahre. Bei den Rehen ist die Population in Luchsgebieten auf tieferem Niveau als in Revieren ohne Luchs. Jedoch sind die Bestände auch dort stabil. Bei den Gemsen hält der Rückgang in Waldgebieten nach wie vor an, während sich die Bestände in den Bergen eher erholen. Diese Entwicklung zeigt sich auch in den Abschusszahlen.


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