Weg erklärt ... und Geld weg!

REGION ⋅ Gerade in überfüllten Verkehrsmitteln, im Gedränge in Innenstädten, Einkaufszentren oder auf Weihnachtsmärkten haben Diebe oft leichtes Spiel. Kommt Unaufmerksamkeit hinzu, ist schnell ein Verlust zu beklagen.
06. Dezember 2017, 05:22
Ursula Wegstein

Ursula Wegstein

ursula.wegstein@wundo.ch

«Hält dieser Zug auch in Graz?», fragt der seriös wirkende Herr mit Baskenmütze und Nickelbrille im Zug von Zürich nach Wien kurz vor der Abfahrt in bestem Englisch. Kurz darauf erscheint ein zweiter Herr, dem eine Handvoll Münzen auf den Boden fällt, die er hektisch aufsammelt. «Entschuldigen Sie bitte, wo genau geht es hier zum Bahnhof», will eine junge Frau in einem Café wissen, während sie das neue Smartphone auf dem Tisch mit ihrem grossen Stadtplan verdeckt. «Bitte geben Sie mir etwas Kleingeld für meine Familie. Mein Mann hat keine Arbeit und meine Kinder sind krank», bettelt eine Frau in gebrochenem Deutsch ein älteres Ehepaar an.

Vorsicht ist auch geboten, wenn ein Fremder die Kleidung mit Glühwein, Tee oder Ketchup beschmutzt, sich wortreich entschuldigt und gleich versucht, den Fleck wieder zu reinigen oder sich überschwänglich für etwas bedankt.

So oder ähnlich lenken Trickdiebe die Aufmerksamkeit gezielt in eine bestimmte Richtung. Vielfach wird die Ablenkung auch durch plumpes Anrempeln im Gedränge erzeugt, häufig ge- rade in der Hektik beim Ein- und Aussteigen, so Christian Ginsig, Mediensprecher SBB. Hier gelte es, besonders achtsam zu sein.

Unbeaufsichtigte Wertgegenstände leichte Beute

Häufig kommen unbemerkt eine oder mehrere Personen hinzu, die diese Ablenkung ganz gezielt für den Diebstahl des Portemonnaies, der Handtasche, des Smartphones oder gar des gesamten Reisegepäcks ausnutzt. «Meist sind Taschendiebe gut organisiert und zu zweit oder dritt unterwegs», sagt Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, auf Anfrage des W&O.

Die wichtigsten Vorsichtsmassnahmen: Wertgegenstände niemals in Rucksäcken verstauen und nie unbeaufsichtigt lassen, sondern nahe am Körper in fest verschlossenen Innentaschen tragen. So wenig Bargeld, wie möglich herumtragen. Niemals fremden Personen ins Portemonnaie schauen oder greifen lassen. Die Geldbörse beim Bezahlen nie aus der Hand legen. Handtaschen stets geschlossen und mit der Verschlussseite zum Körper tragen. Das alles empfiehlt die Kantonspolizei St. Gallen auf ihrer Homepage. Ideal wäre ein Brustbeutel, eine Gürtelinnen- tasche, ein Geldgürtel oder eine am Gürtel angekettete Geldbörse, schreibt die SBB.

Nützlich sei auch, die Hände in jene Taschen zu stecken, in denen sich Wertgegenstände befinden. Ein weiteres Risiko, Opfer eines Diebstahls zu werden, sei, wenn man abends oder nachts in müdem oder schläfrigem Zustand im öffentlichen Verkehr unterwegs ist, so die Kantonspolizei St. Gallen weiter. Nicht selten würden schlafende Personen im öffentlichen Nahverkehr bestohlen, bestätigt die SBB.

Unauffällige, eher gepflegte Kleidung

«Taschendiebe kleiden sich ganz normal oder sogar sehr gepflegt, um möglichst nicht aufzufallen», ergänzt Ginsig. Diebstähle kämen nicht nur in dicht besetzten Zügen, sondern auch in fast leeren Früh - oder Spätzügen vor.

In Restaurants sollten Wertsachen immer aus der Jacke genommen werden, bevor diese über einen Stuhl oder an die Garderobe gehängt wird.

Gesundes Misstrauen und Vorsicht zahlen sich in jedem Fall aus, denn die Aufklärungsquote bei Trickdiebstahl betrug gemäss der Kriminalstatistik 2016 der Kantonspolizei St. Gallen lediglich 9 %, bei Taschendiebstahl sogar nur 3 %.


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