Die Kunst ist sein Sprachrohr

WERDENBERG ⋅ Der Kunstschaffende Leo Grässli zeigt vom 1. Juni bis am 1. Juli eine Auswahl seiner Werke in der Galerie L33. Eine Gruppe von Freunden organisiert die Ausstellung anlässlich seines 70. Geburtstags.
24. Mai 2017, 05:18
Armando Bianco

Armando Bianco

armando.bianco@wundo.ch

«Leo Grässli ist einer der letzten Vertreter der Bohème-Kultur. Mit Hut und Pinsel verweigert er sich den Normen und Gepflogenheiten des Bürgertums. Leo Grässli ist authentisch, eigenständig, ursprünglich. Sein vielfältiger Lebensstil hat mich beeindruckt», lautet die Aussenansicht von Rolf Hohmeister, Kunstmäzen aus Bad Ragaz und seit Jahrzehnten ein Beobachter und Kenner des Kunstschaffen in der Region Werdenberg.

Und befragt man kunstaffine Menschen aus dem Kern seiner Heimat und aus seinem direkten Umfeld, sind Respekt, Anerkennung und Bewunderung für das Schaffen und Werken Leo Grässlis gross. Der ehemalige Buchser Kantonsschullehrer Valentin Vincenz, ein bedeutender Freund und Förderer von Leo Grässli, schreibt treffenderweise in einer Präambel über ihn: «Leo Grässli ist nicht der Mann der grossen Worte. Dank seiner Fähigkeiten kann er sich in der Kunst mitteilen.»

Gereifter Lebensschwung und Experimentierfreude

Aus der Vielfalt seiner Werke ragen wohl die bekannten Landschafts- und Bergbilder heraus, auf denen er Margelchopf, Alvier und weitere stolze Gipfel aus der Region in einer schier unglaublichen Vielfalt abgebildet hat. Seine Technik ist auf diesen Bildern unverkennbar und geprägt von seinem beruflichen Werdegang, hat er doch einst den Beruf des Grafikers erlernt. Den Weg des Kunstmalers ist Leo Grässli zuerst nebenberuflich, aber wohl hauptgedanklich gegangen. Ihn auf das Prädikat eines Landschaftskünstlers zur reduzieren, wäre jedoch falsch, gerade in den letzten Jahren hat er mit gereiftem Lebensschwung experimentierend allerlei neue Werke erschaffen. Der Werdenberger malte mit Acryl- und Mischtechniken, Pastellkreide oder Feder, er produzierte Collagen und Rasterbilder, Plastiken aus Holz und Stein, er schöpfte Papier.

Die Gesamtheit seiner Arbeiten bringt wohl nur Leo Grässli unter seinen zum Markenzeichen gewordenen Hut. Einen grossen Querschnitt seiner Arbeiten hat Leo Grässli vor zehn Jahren anlässlich seines 60. Geburtstages gezeigt. Zehn Jahre später haben Ulrich Tinner, Sepp Gähwiler, Sandro Montonato, Dominik Lippuner und Valentin Vincenz das Heft in die Hand genommen und für ihren Freund eine schöne und würdige Geburtstagsausstellung organisiert.

Er analysiert, ordnet ein und drückt sich aus

Geboren wurde Leo Grässli am 30. Mai 1947 auf Egeten, nahe Schloss Werdenberg. Der Weitblick auf dem idyllischen Hügel hat wohl auch die Sicht von Leo Grässli in der Gestaltung geprägt. Sein Visier in der künstlerischen Arbeit war stets offen, optische Grenzen hat er geschickt überwunden, wozu ihm seine ausserordentliche zeichnerische Begabung die Grundlage gelegt hat. Nach der Sekundarschule in Buchs zog es Leo Grässli an die Kunstgewerbeschule St. Gallen, wo er die fünfjährige Ausbildung in der Grafikfachklasse abschloss. Mit einer grossen Portion visueller und sprachlicher Kreativität ausgestattet, erlangte er in den Jahren danach das Diplom als Werbeassistent und danach als PR-Berater.

Als Mensch wird Leo Grässli oftmals als zurückhaltend, analysierend und einordnend bezeichnet. Laute Worte, grosse Lettern, effekthaschende Motive sind für ihn nicht das richtige Mittel, um sich auszudrücken. Nach Beachtung und Anerkennung sucht er lieber und direkter mit Kunst. Ist er nicht draussen unterwegs, gibt er seiner Schaffenskraft im Zuhause und im Atelier freien Raum. Ideen, Botschaften, Warnsignale, Ermunterungen gibt er malend, zeichnend und gestaltend an seine Mitmenschen weiter. «Gerade aus diesem Grund soll er einen Überblick seines Kunstschaffens an einer Ausstellung zum 70. Geburtstag einem breiten Publikum zeigen können», argumentiert Freund Ulrich Tinner.


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