Einsatz von Beginn weg

FUSSBALL ⋅ Für den FC Haag sind die sechs Asylsuchenden, die dem zweiten Team angehören, ein Gewinn. Beeindruckt ist man vom Engagement, dazugehören zu wollen.
13. Oktober 2017, 06:42
Robert Kucera

Robert Kucera

robert.kucera@wundo.ch

Die hauptsächlich aus Syrien stammenden Asylsuchenden des FC Haag haben sich in der Schweiz eingelebt. Ein wichtiger Beitrag zur perfekten Integration ist die Möglichkeit, einer Lieblings­beschäftigung nachzugehen. «Sie haben sich von Beginn weg Mühe gegeben», beschreibt Vorstandsmitglied Phillip Riedel. «Sie kamen regelmässig ins Training, reisten mit der Mannschaft an Auswärtsspiele.» Die Asyl­suchenden wollen dabei sein, ­dazugehören.

Kein Wunder, würde es der FC Haag begrüssen, wenn die Asylsuchenden bleiben dürften. «Es gab noch keinen Streitfall in der Mannschaft», nennt Riedel die Pflegeleichtigkeit mit ihnen. Schwierigkeiten gibt es nur in der Kommunikation. Die einen sind mit ihren Deutschkenntnissen recht weit, andere noch nicht. Und auf dem Platz, wenn alles schnell geht und eine Mitteilung im Schweizer Dialekt erfolgt, dann herrscht etwas Verwirrung. «Aber die Grundbegriffe hat man schnell raus», zählt Riedel darauf, dass die Fussballsprache nicht so komplex ist wie der Alltag punkto deutscher Sprache.

«Freuen sich auf jedes ­Training und packen an»

Und wie sieht es fussballtechnisch aus? «Sie spielen befreiter als wir. Für sie ist Fussball ein Spiel», zieht der Saxer den Vergleich zur kopflastigen Schweizer Inter­pretation dieses Sports. «Sie ­freuen sich auf jedes Training», schätzt der 25-jährige Riedel die Einsatzfreude, aber auch die Energie, die in ihnen steckt. «Die haben eine Kondition – das ist ­riesig. Kommt einer zu einem Teileinsatz, kann er 20, 30 Minuten lang Vollgas geben.» Was die Verantwortlichen des FC Haag sehr freut, ist, dass das Engagement nach Verlassen des satten Grüns nicht etwa verloren geht. So beteiligen sich die Asylsuchenden bei allen anfallenden Aufgaben der zweiten Mannschaft pflichtbewusst. Zum Beispiel im Catering-Bereich «Sie packen an und sind froh darum, zum Umfeld zu gehören», so Riedel.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der 21-jährige Syrer Jvan Aose. Er hilft bei Meisterschaftsspielen im Stadionrestaurant des FC Haag. Und besucht derzeit gleich zwei Weiterbildungen: Er lernt Maler und Coiffeur. Sein Deutsch ist gut. Aber er sagt: «Ich muss schon noch lernen. Denn wenn ich nicht gut spreche, kann ich auch nicht arbeiten und ich kann nicht mit den Leuten Kontakt haben.» Er ist seit einem Jahr und acht ­Monaten in der Schweiz. «Mir ­gefällt es sehr, sehr gut, weil alle Leute lieb und nett sind.» Worte eines Mannes, der in den syrischen Kriegswirren anderes erlebt hat. Für ihn und seine Freunde bedeutet es «grosses Glück» in der Schweiz Fussball zu spielen. Sie mögen es, wenn man zusammen ist, miteinander was unternimmt und eine grosse Familie ist.


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