Die Skepsis in Luft aufgelöst

WARTAU ⋅ Als sich Wartauer Revierförster Anfang der 90er-Jahre dafür einsetzten, ein Quartier einer Holzschnitzelheizung anzuschliessen, stiessen sie nicht nur auf offene Ohren. Rückblickend sind sie Pioniere.
04. Dezember 2017, 05:18
Doris Büchel

Doris Büchel

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Es ist ein ruhiges Einfamilienhaus-Quartier in Weite, und wer durch die 30er-Zone zum Wärmeverbund Neugrüt gelangt, dem fällt wohl in erster Linie der kleine Kinderspielplatz mit Schaukel und Rutschbahn auf, und erst dann der schlanke Kamin, der zwölf Meter hoch in den Himmel ragt. Es war unter anderem dieser Kamin, der anfangs der 90er-Jahre innerhalb der Ortsgemeinde Wartau für Diskussionen sorgte. Wo nämlich heute Einfamilienhäuser stehen und Kinder spielen, war damals noch unverbautes, grünes Wiesland. Als der damalige Ortspräsident und pensionierte Förster Fritz Gabathuler gemeinsam mit den Revierförstern den Anstoss gab, eine Holzschnitzelheizung zu bauen und das geplante Quartier mit einem Wärmeverbund zu erschliessen, stiess er nicht nur auf offene Ohren.

Einer der Skeptiker war der ehemalige Wartauer Ortspräsident Hans Senn. «Ich war der Ansicht, dass Aufwand und Ertrag einer solchen Anlage noch nicht zusammenpassten», sagt er. Auch wurde befürchtet, dass eine Holzschnitzelheizung samt Kamin für die Attraktivität des geplanten Einfamilienhaus-Quartiers nicht förderlich sei. Gleichzeitig war aber auch Hans Senn klar, dass eine Holzschnitzelheizung eine gute Lösung sein könnte, minderwertiges Holz aus der Region, das früher zu grossen Teilen an Industriebetriebe in Italien ging, zukünftig regional zu verwerten. So stimmte die Mehrheit des damaligen Verwaltungsrates, dem auch Hans Senn angehörte, dem Projekt schliesslich zu. «Die Planung verlief gut, es gab kaum Einsprachen», erinnert er sich.

Die regionale Wertschöpfung erhöhen

Die Übernahme einer Baulandparzelle im Baurecht im Quartier Neugrüt wurde an die Bedingung gebunden, sich dem Wärmeverbund anzuschliessen. Auf diese Weise wurde ein Teil der 1995 in Betrieb genommenen Holzschnitzelanlage mitfinanziert. In diese, inklusive des gesamten Wärmenetzes, wurde damals über eine Million Franken investiert. Seither werden die rund 20 Abnehmer rund um die Uhr mit Wärme, sowie im Sommer mit warmem Wasser, versorgt. Die Vorteile liegen für Hans Senn wie auch für Ernst Vetsch auf der Hand: Dank der Holzschnitzelanlage werde die regionale Wertschöpfung des Brennstoffs Holz erhöht und die Umwelt dank tiefer Emissionswerte geschont.

Aufgrund der Übergangsfrist der alten Heizung, die bei der Einführung der Filterpflicht durch das Amt für Umweltschutz St. Gallen angeordnet wurde, war klar, dass die bestehende Anlage bis 2018 erneuert werden musste. Im September 2016 wurde deshalb auf eine Zweikessel-Anlage samt neuster Feinstaub-Filteranlage umgestellt. Die bestehenden Räumlichkeiten sowie das Grundkonzept wurden im Rahmen der Erneuerung beibehalten. Neu läuft, solange das Thermometer nicht unter sechs Grad unter null abfällt, nur einer von zwei Öfen, dieser dafür aber mit relativ hoher Leistung. Zur Abdeckung von Spitzenlasten, wenn die Temperaturen noch tiefer fallen zum Beispiel, sind beide Kessel in Betrieb. Laut Ernst Vetsch wird dadurch die Effizienz massiv gesteigert, wie er gegenüber dem W&O sagt. «Der alte Ofen verbrannte eineinhalb Mal soviel Holz, um gleichviel Energie zu erzeugen wie die neue Anlage.» Insgesamt produziere die neue Zweikessel-Anlage jährlich rund 420000 Kilowattstunden Wärmeenergie. Dadurch würden 45000 bis 50000 Liter Heizöl eingespart, was einer CO2-Reduktion von rund 130 Tonnen pro Jahr entspreche. Die neue Filteranlage reduziere zudem die Feinstaubbelastung auf fast null.

Neue Abnehmer für das Projekt gewinnen

Insgesamt betreibt die Ortsgemeinde Wartau vier kleinere Wärmeverbund-Anlagen: im Quartier Neugrüt, an der Feldgasse, beim Schulhaus Seidenbaum und beim Werkhof. Zu den Nutzern zählen nebst privaten Hausbesitzern auch Schulhäuser, Rathaus und Betagtenheim, grössere private Liegenschaften und die Dorfkorporation. Im Jahr gehen rund 2500 Schnitzelkubik an diese vier Anlagen. Tendenziell sei ein Wärmeverbund aber immer darauf angewiesen, neue Abnehmer zu gewinnen. Dies vor allem deshalb, weil bestehende Abnehmer ihre Liegenschaften wärmetechnisch laufend verbessern.

Bei einem Wärmeverbund beziehen mehrere Liegenschaften die Wärme von einer externen Heizzentrale. Durch die Verbrennung von Holzschnitzeln wird dort Wärme erzeugt. Diese wird dann über unterirdische Rohrleitungen zu den einzelnen Liegenschaften geführt.


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