Die Hoffnung ruht auf Resistenzen

SENNWALD ⋅ Ein bis fünf Prozent der Eschen scheinen gegen das Eschentriebsterben resistent zu sein. Dass die Esche ganz ausstirbt, glaubt der Revierförster deshalb nicht.
30. September 2017, 05:19
Corinne Hanselmann

Corinne Hanselmann

corinne.hanselmann@wundo.ch

Noch ist etwa jeder zehnte Baum im Waldrevier Sennwald eine Esche. Doch sie werden immer weniger. Schuld daran ist das sogenannte Eschentriebsterben, eine Pilzkrankheit, die in der Schweiz erstmals im Jahr 2008 im Raum Basel aufgetreten ist und sich bis heute in alle Landesteile ausgebreitet hat. Eingeschleppt wurde der Pilz aus Ostasien. «Wir haben in den letzten Jahren bei immer mehr Eschen festgestellt, dass sie befallen sind», sagt der Sennwalder Revierförster Hans Tinner. Und zwar in allen Altersklassen – ganz junge, aber auch ganz alte und grosse Bäume.

Sehen kann man die Krankheit von Frühling bis Herbst, wenn die Bäume Blätter tragen – oder tragen sollten. Der Erreger des Eschentriebsterbens, ein Pilz mit dem Namen «Falsches Weisses Stengelbecherchen», sorgt nämlich dafür, dass die Blätter welken und abfallen, oder im Frühling gar nicht erst wachsen. Bis heute sind keine wirkungsvollen Massnahmen gegen das Eschentriebsterben bekannt, und die Existenz der Esche ist bedroht. «Wir sind zurzeit völlig machtlos», so Tinner. Einen Hoffnungsschimmer gibt es aber: Etwa ein bis fünf Prozent der Eschen scheinen weniger anfällig oder gar resistent gegenüber dieser Krankheit zu sein.

Andere Pilze greifen die geschwächten Bäume an

Eschen gibt es nicht nur im Wald. Auch entlang von Strassen, in öffentlichen Pärken und in privaten Gärten steht diese Art. Stark geschädigte Exemplare mit grossem Laubverlust sollten aus Sicherheitsgründen entfernt werden, empfiehlt das Kantonsforstamt. «Da auch andere Pilze den geschwächten Baum und seine Wurzeln angreifen, können plötzlich Äste abbrechen oder gar der ganze Baum umfallen», erklärt ­Tinner das Risiko.

Im Wald ist die Aufmerksamkeit der Förster gefragt, denn wenn man den Pilzbefall früh genug bemerkt und der Baum dick genug ist, kann man das Eschenholz ohne Einschränkung nutzen. «Wartet man zu lange, kann man es nicht mehr als Bau- oder Möbelholz, sondern nur noch als Brennholz verwerten, was natürlich eine finanzielle Einbusse zur Folge hat», so Tinner (siehe Titelseite). «Bisher hatte man bei den Eschen stets noch gute Preise, bessere als beim Nadelholz.» Da aber wegen der vielen zu fällenden Eschen ein Überangebot entstehen kann, droht auch der Preis zu sinken. Die Esche wird gerne für den Innenbereich verwendet. Etwa für Möbel, Böden oder Fenster. Sie sei nicht ganz so hart wie eine Eiche, «und auch zum Anschauen ein schönes Holz», so Tinner. Zurzeit liegt aber Eichenholz voll im Trend, sagt Regionalförster Erwin Rebmann. Mit der Berücksichtigung von Eschenholz könnten die Bürger dem Preiszerfall entgegenwirken.

Wird die Esche bald aussterben?

Für die Wald-Bewirtschafter bedeutet der starke Rückgang des Eschenvorkommens so oder so einen massiven Schaden, ist Tinner überzeugt. Nebst den niedrigeren Preisen werde auch der Aufwand, die kranken Eschen entlang von öffentlichen Wegen und Ähnlichem zu kontrollieren und zu entfernen, immer grösser. Wer diesen Schaden berappen soll, ist unklar. Wenn es nach Tinner geht, muss das in Zukunft die öffentliche Hand übernehmen. «Alles kann nicht dem Waldbesitzer und -bewirtschafter aufgehalst werden – er kann ja auch nichts dafür, dass dieser Pilz eingeschleppt wurde.»

Und wie sieht die Zukunft der Esche aus? Wird sie aussterben? «Wie weit das noch geht, weiss ich nicht. Aber ich denke nicht, dass die Esche ganz verschwindet», so Revierförster Tinner. Doch es werden wohl bald deutlich weniger in den Wäldern zu finden sein. «Vielleicht können irgendwann in Zukunft resistente Eschen gepflanzt werden», äussert er seine Hoffnung. Und vielleicht sinke irgendwann der Infektionsdruck des Pilzes wieder. Klar ist: Solange die Zukunft der Esche ungewiss ist, wird keine Zeit mehr in die Pflege der jungen Bäume investiert.


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