Baugesetz änderte Ausgangslage

BUCHS ⋅ Die Entwickler des zweiten «Chez Fritz»-Hochhausprojektes hoffen, mit der Neuauflage schneller ans Ziel zu kommen. Wirtschaft Buchs und die meisten Parteien unterstützen diesen Weg.
07. Oktober 2017, 09:31
Hanspeter Thurnherr

Hanspeter Thurnherr

hanspeter.thurnherr@wundo.ch

«Das Chez-Fritz-Areal liegt in der Zone W5a, was 18 Meter hohe Bauten erlaubt. Das geplante Hochhaus wäre aber 64 Meter hoch. Nach altem Baugesetz wäre der Turm aber mit einem Gestaltungsplan möglich gewesen. Nach der Abstimmung über die nötige Zonenplanänderung gab es einen Einspruch und Rekurs an das Baudepartement mit der Begründung, die materielle Zonenplanänderung sei baurechtswidrig.» So beschrieb gestern gegenüber unserer Zeitung Balz Wolfensberger, Geschäftsführer und Mehrheitseigentümer der Baugesellschaft Hotel Bahnhof Buchs, die Ausgangslage nach der Abstimmung vom 5. Juni 2016. Damit drohte ein langer Rechtsstreit (siehe Frontseite).

Neues Baugesetz ändert die Ausgangslage

Inzwischen hat sich aber die rechtliche Situation geändert. «Mit dem neuen Bau- und Planungsgesetz, das am 1. Oktober in Kraft trat, kann nun die politische Behörde – im konkreten Fall der Stadtrat – Teile des Gemeindegebiets als ‹Schwerpunktzone› definieren, in welcher eine besondere Entwicklung stattfinden soll», erläutert Wolfensberger und ergänzt: «Dieser Beschluss untersteht dem fakultativen ­Referendum. Damit ist meines Erachtens die demokratische Mitwirkung 100 Prozent erfüllt.»

Wie Sven Bradke, Mediensprecher der Bauherrin HRS Real Estate AG, sagte, habe man deshalb nach langer Diskussion entschieden, das unveränderte Projekt nach dem neuen Weg formell aufzulegen. Das alte Verfahren wird sistiert. Inzwischen ist die Neuauflage beim Buchser Stadtrat beantragt worden. Bradke: «Wir glauben, das Projekt so beschleunigen zu können.» Gemäss Michael Breitenmoser, Projektleiter bei der HRS Real Estate AG, wäre der alte Weg nach dem neuen Gesetz auch gar nicht mehr möglich. Trotzdem seien die ­gleichen Partner an Bord geblieben.

Herbert Bokstaller, Präsident von Wirtschaft Buchs, und FDP-Ortsparteipräsident Michael Eberli vertraten gestern jenes überparteiliche Komitee, das letztes Jahr das Ja zum Teilzonenplan aktiv unterstützte. Sie signalisierten auch für den neuen Weg Unterstützung. Bokstaller: «Wir stehen nach wie vor hinter dem Projekt. Der Standort für das Hochhaus ist gut für Buchs. Es wäre für uns wünschenswert, wenn das Projekt schon weiter wäre und rascher realisiert werden könnte.»

Erste Grossüberbauung scheitert am Schattenwurf

Eine erste Grossüberbauung auf dem «Chez-Fritz-Areal» scheiterte im April 2010. Auf einem fünfgeschossigen Sockelbau waren Ladengeschäfte, Gewerbe- und Praxisräume sowie 33 Kleinwohnungen vorgesehen. Im 50 Meter hohen Turm sollten auf den zehn oberen Stockwerken 30 grosszügige Wohnungen entstehen. Die damalige Initiantin, die ITW Ingenieurunternehmung AG aus Balzers, brach das Projekt ab. Denn Einsprecher bekamen beim Kanton teilweise recht. Wichtigster Streitpunkt war der Schattenwurf des geplanten 50 Meter hohen Turmes. IWT-Inhaber Werner Vogt sagte damals: «Wir sind seit sechs Jahren am Projekt und haben inzwischen bereits 1,5 Millionen Franken für Planung und Rechtsverfahren ausgegeben. Jetzt bin ich müde.»

Im Januar 2015 wurde dann das aktuelle Projekt der privaten Bauherrschaft HRS Real Esate AG der Bevölkerung vorgestellt. Die Überbauung sieht einen 64 Meter hohen Turm mit 16 Stockwerken für Wohnungen vor. Der Sockelbau soll der gewerblichen Nutzung dienen und ein Restaurant aufweisen. Von Seiten des Kantons erhielt das Projekt sehr gute Noten. Kantonsbaumeister Werner Binotto sagte bei einer Informationsveranstaltung, das Projekt erfülle die Anforderungen «vorbildhaft gut».

Gegen die nötige Teilzonenplanänderung ergriff die CVP-Ortspartei Buchs das Refe­rendum. Dieses ermöglichte so der Bevölkerung, sich nebst der Zonenplanänderung auch grundsätzlich zum Hochhaus zu äussern. Am 5. Juni 2016 stimmte die Werdenberger «Metropole» mit 55,4 Prozent Ja gegen 44,6 Prozent Nein der Zonenplanän­derung und damit indirekt dem Hochhaus zu.


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