Klanghaus: «Nicht aufgeben»

Toggenburger Exponenten aus Politik und Wirtschaft sind nach dem Scheitern des Klanghauses im Kantonsrat massiv enttäuscht. Einige plädieren für ein neues, weniger teures Projekt.

03. März 2016, 02:40
THOMAS SCHWIZER/MARTIN KNOEPFEL

TOGGENBURG. «Ernüchternd, tragisch, unhaltbar»: So reagieren Exponenten aus dem Toggenburg am Tag nach dem Nein des St. Galler Kantonsrates in der Schlussabstimmung über den Kredit für ein Klanghaus am Schwendisee – in der es fünf Ja-Stimmen zu wenig gab (W&O von gestern). Doch aufgeben komme nicht in Frage, sagen einzelne Persönlichkeiten nach dem ersten Schock.

Klöti: «Kritik ernst nehmen»

Regierungsrat Martin Klöti plädierte gestern Mittwoch dafür, die Kritik aus dem Kantonsrat ernst zu nehmen, insbesondere was die Kosten und die Finanzierung des Projekts betrifft. «Aufgeben kommt nicht in Frage. So viele Leute haben enorm viel Energie in dieses Projekt gesteckt.» Auch eine gewisse Redimensionierung müsse diskutiert werden.

Der Ebnat-Kappler Gemeindepräsident Christian Spoerlé (SVP) hat in der Schlussabstimmung Ja zum Kredit gesagt und spricht von einem «Fiasko fürs Klanghaus und fürs Toggenburg». Beerdigt hätten das Projekt jene, «die ihre Meinung geändert haben oder der Abstimmung ferngeblieben sind». Man dürfe jetzt den Kopf nicht hängen lassen, sondern müsse mit einem kleineren Projekt einen neuen Anlauf nehmen, blickt Spoerlé voraus. Linus Thalmann (Kirchberg) hat am Mittwoch als zweiter Toggenburger SVP-Vertreter Ja gesagt. Auch er plädiert für ein neues Projekt, das die Bedenken wegen der Bau- und Betriebskosten und der zu kleinen finanziellen Beteiligung der Region berücksichtigen soll. Klöti habe diese Bedenken ignoriert.

Nichts von einem Abspecken des Projekts hält der Lichtensteiger Stadtpräsident Mathias Müller, Präsident der IG Klanghaus. Es sei ein ausgereiftes Projekt. Die IG prüfe eine Möglichkeit, den Entscheid zu revidieren. «Wir geben nicht so rasch auf.»

Züllig: «Sehr aufgewühlt»

Auch am Morgen nach der Schlussabstimmung im Kantonsrat war Rolf Züllig, Präsident der Standortgemeinde Wildhaus-Alt St. Johann, «sehr aufgewühlt und sehr ernüchtert».

Er sieht drei Ursachen für die fehlenden Stimmen. Zum einen würden viele Parlamentarier einen Bankrott des Kantons herbeireden. Dabei werde vergessen, dass das Klanghaus kein betriebswirtschaftliches, sondern ein volkswirtschaftliches Projekt mit enormer Bedeutung fürs Toggenburg sei.

Als Zweites kritisiert er die «Aug-um-Aug-Politik» vieler Kantonsräte aus dem Linthgebiet. Von deren 16 waren sieben abwesend, sechs sagten Nein und nur drei Ja. Züllig vermutet wie auch Spoerlé eine Retourkutsche für den Kantonsschul-Entscheid pro Wattwil und zu Ungunsten des Linthgebiets. Der Grundsatz für den politischen Diskurs im Ringkanton St. Gallen müsse sein, «zu diskutieren und gemeinsam gute Lösungen zu finden, nicht nachzutreten», und somit einer ganzen Region zu schaden, so Züllig.

Als «bedenklich und tragisch» bezeichnet der Gemeindepräsident schliesslich die Tatsache, dass 12 Prozent der 120 Kantonsräte an der Schlussabstimmung über diese für das Toggenburg so wichtige Vorlage fehlten und sechs weitere durch Stimmenthaltung nicht Stellung nahmen.

Stump: «Absolut unhaltbar»

Hotelier und Gastronom Roland Stump von Stump's Alpenrose in Wildhaus schliesst sich der Kritik an den betreffenden Parlamentariern an. «Sie sind gewählt und haben ihre Anwesenheitspflicht in der Schlussabstimmung fahrlässig nicht wahrgenommen.»

«20 Jahre Engagement, kreative Arbeit, Hingabe für ein Ziel von unzähligen Menschen wurde in unachtsamer, entwürdigender Weise einfach negiert.» Dieses leichtfertige Nein habe grosse Konsequenzen für das Toggenburg im Grossen und für die «Alpenrose» im Kleinen, macht Stump deutlich. Er findet es «absolut unhaltbar», dass so viele Kantonsräte das Projekt einfach so «ermorden».

In die riesige Enttäuschung mischt sich bei ihm aber auch die Einstellung: «So darf es nicht stehenbleiben». Das Klanghaus sei für das Toggenburg derart wichtig und die Planung bereits so stark ausgereift, dass nun alles versucht werden müsse, um eine andere, private Trägerschaft zu finden, lautet Stumps Appell.

Ebneter: «Wirtschaftsförderung»

Auf die volkswirtschaftliche Dimension wies auch Alois Ebneter, ehemaliger Gemeindepräsident von Alt St. Johann und Mann der ersten Stunde hinter dem Klanghaus-Projekt, hin. Es sei einst ein gezieltes Vorhaben zur Wirtschaftsförderung gewesen, ein vom Bund anerkanntes und gefördertes Regio-Plus-Projekt. ? DIE DRITTE/KANTONSRAT 9


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