Tagblatt Online, 19. November 2009 01:00:51
Kampf gegen noch mehr Fluglärm im Osten
Der Bürgerprotest Fluglärm Ost wehrt sich gegen die im Entwurf des Sachplans Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) für den Flughafen Zürich favorisierte neue Betriebsvariante. Diese hätte knapp 50 Prozent mehr Flugbewegungen über der Ostschweiz zur Folge.
silvan meile
wil. «Dramatische Veränderungen», hätten die neue Betriebsvariante «Jopt» des Flughafens Zürich für die Region Wil, appellieren die versammelten Mitglieder der Bürgerbewegung Fluglärm Ost Sektionen Wil-Fürstenland an einer Medienorientierung am Dienstagvormittag. Denn dieses neue Flughafen-Konzept entlaste durch den Wegfall der Südanflüge lediglich Regionen im Kanton Zürich, hauptsächlich auf Kosten der östlich des Flughafens gelegenen Gebiete, über deren Luftraum massiv mehr An- und Abflüge getätigt werden.
Alle drei Minuten ein Flugzeug
Man sei nicht gegen den Flughafen Zürich, aber durch diese vom Bundesamt für Zivilluftfahrt vorgeschlagene Variante würde eine Kanalisierung der Flugbewegungen über der Region Wil stattfinden. Markus Hilber nannte es «einen Verrat an der Bevölkerung, den wir nicht tragen können». In Zahlen würden die Flüge von und nach Osten von jährlich rund 86 000 auf 120 000 Bewegungen ansteigen, «ohne durch diese Ostausrichtung eine Kapazitätssteigerung zu erreichen, hält Hilber fest.
Damit droht der Region Wil durchschnittlich alle drei Minuten von einem Flugzeug überflogen zu werden. Ausserdem stelle dieses geplante Vorhaben auch ein Sicherheitsproblem dar, da dadurch Kreuzungen von Flugzeugen während dem An- respektive Abflug auftreten können. Und als gar absurd bezeichnen die Mitglieder des Bürgerprotests, dass die Schweiz nebst den Südanflügen auch jene vom Norden her deutlich entlasten würde und somit gegenüber Deutschland freiwillig mehr Fluglärm
übernehme, als es die vom nördlichen Nachbarn vorgeschriebene Durchführungs-Verordnung überhaupt verlange. Mit diesen Absichten würde das Bundesamt für Zivilluftfahrt dicht besiedelte Wohngebiete der Schweiz noch stärker dem Fluglärm aussetzen. «Dies kann nicht im Interesse unseres Landes sein», unterstreicht die Bürgerprotest-Bewegung.
Zürcher Stimmvolk entscheidet
Angesicht dieser Fakten erstaunt es wenig, dass sich fast sämtliche an den Kanton Zürich angrenzende Kantone gegen diese Betriebsvariante des Flughafens aussprechen. Lediglich der südlich von Zürich gelegene Kanton Zug findet als direkter Nutzniesser dafür Gefallen.
Ein Entscheid fällt das Zürcher Stimmvolk. Dieses stimmt im Juni nächsten Jahres über den Ausbau Ost-West-Piste im Flughafen Zürich ab. Dies wäre der Grundstein, um dieses befürchtete Vorhaben Realität werden zu lassen.
Der Bürgerprotest Fluglärm Ost kämpft weiterhin für die ebenfalls noch zur Diskussion stehende Variante «EDVO», die keine gravierenden Änderung der Flugbewegungen im Vergleich zu heute darstellt.
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