Tagblatt Online, 16. Februar 2010 08:42:46
Fischereiverein will Hälterungsanlage
Neben üblichen Verdächtigen wie fischfressende Vögel, Kleinwasserkraftwerk-Wildwuchs, Fangstatistik und Budget, hat vor allem das Projekt einer eigenen Fischhälterungs-Anlage beim Kraftwerk Mühlau in Bazenheid die Mitglieder an der Hauptversammlung des FV Thur beschäftigt.
Matthias Giger
Kirchberg. So schwerwiegend wie angemeldet haben sich die Bedenken betreffend einer eigenen Hälterungsanlage des Fischereivereins Thur (FV Thur) in der Abstimmung nicht niedergeschlagen. Mit gerade einmal zwei Gegenstimmen haben die Mitglieder an der 116. ordentlichen Hauptversammlung dem Bau unter Verwendung eines Teils des Vereinsvermögens zugestimmt. Die Bedenken zielten auf eine Aufschiebung der Abstimmung.
Keinen Schnellschuss
FV Thur Ehrenpräsident Ruedi Scherrer präsentierte die Zahlen. Den Bau der Anlage veranschlagte er mit 385 000 Franken. Das Amt für Natur Jagd und Fischerei würde sich mit maximal 200 000 Franken am Bau beteiligen. Am restlichen Betrag beteiligt sich die Energie Kirchberg AG mit einer namhaften Summe, die sie nochmals erhöht haben, wie dem Ehrenpräsidenten Ruedi Scherrer am Vortag in einem Schreiben mitgeteilt wurde.
Neben Gönnerbeiträgen, Beiträgen Clubs Pro Äsche sowie des 111er Clubs und Anteilsscheinen der angrenzenden Vereinen rechnet der Verein mit maximal 100 000 Franken, welche zu Lasten des Vereinsvermögens gehen. Das Vereinsvermögen beträgt derzeit rund 190 000 Franken. Ein Votant warnte vor einem Schnellschuss. Noch sei unklar, ob im Kanton St. Gallen das Pachtsystem vom Patentsystem abgelöst werde.
Mit einem solchen Wandel würde eine Mitgliederschwund einhergehen, da nicht wenige nur Mitglieder seien, um am Vereinsgewässer fischen zu dürfen. Mit dem Patentsystem fiele die «Hürde Vereinsmitgliedschaft» weg. Der Betrieb der Hälterungsanlage müsste fortan zeitlich wie finanziell von wenigen Vereinsmitglieder getragen werden.
Ehrenpräsident Ruedi Scherrer meinte, dass es den Verein auch mit einer allfälligen Einführung des Patentsystems noch geben wird und man durch die Hälterungsanlage auch einen grossen Teil des Geldes einspart, das man derzeit für den Zukauf der Brut ausgibt. Von der Vertagung des Entscheides hielt er wenig. Ein Vereinsmitglied meldete sich zu Wort und rief in Erinnerung, dass das Vereinsvermögen zweckgebunden sei und genau für Projekte wie dieses eingesetzt werden soll.
Ein anderer Votant wollte erst die Verhandlungen mit dem Kanton abwarten und dann entscheiden. Ruedi Scherrer konterte, dass er dem Vorstand das nötige Verhandlungsgeschick zutraue.
Kanton befürwortet Anlage
Der Kanton hat ein grosses Interesse daran, dass der Fischereiverein Thur selbst eine Hälterungsanlage betreibt, wie verschiedene Vertreter des kantonalen Amtes für Natur Jagd und Fischerei (ANJF) mehrfach betonten.
Es sei wichtig, dass die Fischbrut genetisch an das Habitat, also an das Gewässer, in welchem sie eingesetzt wird, angepasst ist. Mit einer eigenen Hälterungsanlage, in welcher die Fischeier von Elterntieren aus der Thur befruchtet werden, biete diesen Vorteil gegenüber dem Zukauf von Jungtieren aus anderen Gewässern.
Jörg Schweizer, der die Fischbrutanlage in Rorschach betreibt und als kantonaler Fischereiaufseher für den Bodensee zuständig ist, betonte, dass der
Betrieb einer Hälterungsanlage auch einen grossen Zeitaufwand bedeute und dies auch an Sonn- und Feiertagen. Er unterstrich, dass der Fischereiverein Thur ein Konzept für den Betrieb der Hälterungsanlage habe müsse, bevor diese gebaut ist. Einem Votanten, der seiner Skepsis, ob die Fischeier nicht vertauscht würden, Ausdruck verlieh, bot er an, die Fischbrutanlage in Rorschach doch einmal zu besichtigen.
Nach langem Hin und Her, fasste sich Ehrenpräsident Ruedi Scherrer ein Herz und meinte: «Die Diskussion dauert mir zu lange. Ich finde, wir sollten endlich abstimmen.» Und so stimmten die 118 stimmberechtigten Mitglieder dem Bau der Hälterungsanlage unter Verwendung eines Teils des Vereinsvermögens mit zwei Gegenstimmen zu.
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