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Tagblatt Online
4. Januar 2016, 07:17 Uhr

Braunviehzüchter im Hoch

WATTWIL. Hunderte strömten am Samstag zur 11. Schweizer Betriebsmeisterschaft der Brown Swiss in die Markthalle Wattwil. 50 Viehzüchter zeigten ihre schönsten Tiere. Die Luzerner und Bündner jubelten. Nationalrat Toni Brunner war als Ehrengast dabei.

CECILIA HESS-LOMBRISER

Der Wattwiler Braunviehzüchter Emil Zwingli hat die Brown Swiss Betriebsmeisterschaft in Wattwil ins Leben gerufen. Er stand auch an der elften Ausgabe als OK-Präsident am Ring und behielt dabei die Ruhe eines Profis. Die Braunviehzüchter waren zur Kür der Küren eingeladen worden, und sie kamen aus verschiedenen Regionen der Schweiz mit ihren schönsten und leistungsstärksten Kühen ins Toggenburg. Zwei Betriebe reisten aus dem Vorarlberg an. Die Zuschauenden kamen aus der ganzen Schweiz und dem benachbarten Ausland. Das Interesse war immens, der Zustrom in die Halle nahm schier kein Ende, auch als alle zehn Abteilungen bereits rangiert worden waren.

Leidenschaftliche Züchter

Eine grosse Arena, mit blauer Lebensmittelfarbe eingefärbtes Sägemehl, Chefexperte Stefan Hodel als Richter in Anzug und Krawatte, Vorführer in weissen Hosen, rasierte Kühe mit hochgekämmtem, kurzem Rückenhaar, geölten, prall gefüllten Eutern und dazu Musik aus dem Lautsprecher. Dies alles bildete das Zentrum des Geschehens. Über Stunden verfolgten die eng stehenden Zuschauerinnen und Zuschauer auf den abgestuften Podesten entlang der Wände die Rangierungen in zehn verschiedenen Abteilungen, dann die Spezialpreise und schliesslich die Höhepunkte mit dem Schöneuterpreis, der Championwahl und der Wahl des besten Betriebes. Wer vor 18 Uhr eingetroffen war, hatte das Glück, einen Platz an den Tischen rund um den leuchtend blauen Ring zu ergattern. Obwohl Namen wie Adele, Whitney oder Paris auf einen Jetset-Event hätten deuten können, ging es am Samstagabend schlicht um Kühe, ihre leidenschaftlichen Züchter, um breite Rahmen, trockene Fundamente, gutes Zentralband, korrekt sitzende Zitzen und die obere Linie. Im Gegensatz zum Jetset geht es in der Braunviehzucht um beständige und traditionelle Werte, um Berufsstolz, um Vernetzung, Austausch und – um den Nachwuchs.

Junge zeigen Interesse

«Schauen Sie sich die vielen jungen Landwirte an», sagte Emil Zwingli in einer ruhigen Minute. «Wenn diese Betriebsmeisterschaft etwas dazu beitragen kann, dass die Jungen Freude an der Züchtung bekommen und lernen, mit den Tieren umzugehen, dann lohnt sich der Aufwand», ist er überzeugt und wird auch nächstes Jahr wieder als OK-Präsident fungieren. An seiner Seite steht Gottfried Jud. Der Blick ins Publikum zeigte, dass auch dort viele junge Menschen standen. Alleine an der anschliessenden Party konnte es nicht liegen. Die Landwirtschaft schafft etwas, das sonst verloren zu gehen droht: Zusammengehörigkeit, Identität und Leidenschaft. Und Leidenschaft legte auch Stefan Hodel als Richter an den Tag. «Die Qualität ist überwältigend, unheimlich stark, sensationell, extrem fein», waren Adjektive, die er für die vorgeführten Tiere benutzte. Auch fast leidenschaftlich, mindestens verantwortungsbewusst, arbeiteten die Ringputzer. Kaum hob eine Kuh den Schwanz, rannten sie mit der Schaufel los, schauten, dass das Geschäft möglichst an einem begrenzten Ort blieb, und beförderten das Resultat weg. Ein zweiter Helfer reinigte die vorher gewaschene Kuh mit Küchenpapier.

Ein Toggenburger Sieg

Und natürlich ging es schliesslich um Punkte und Ränge. Und wenn es Stefan Hodel mit der Bewertung des schönsten Euters und des Champion des Tages spannend machte und hin und her lief, klatschten die Zuschauenden rhythmisch, bis der Jubel ausbrechen konnte. Toni Brunner, Nationalrat, und Andrea Furrer, Braunviehköniging 2015, verteilten Medaillen und Pokale. Bei der Betriebswertung, dem eigentlich Höhepunkt des Abends, die aus der Summe der Einzelrangierungen und des Milchwertes entsteht, schwangen die Luzerner obenauf. Beni Schmid, Schüpfheim, gewann vor WTS-Genetics, Menznau, und Georg Florin, Serneus. Andreas Wittenwiler, Nesslau, kam als bester Toggenburger auf Platz 12 und OK-Präsident Emil Zwingli auf Platz 14. Champion wurde die Romanisch verstehende Elisa von Adrian Arpagaus, Falera, vor Jaqueline von Betriebssieger Beni Schmid und Glena von Paul Kälin, Steinen. Auch den Schöneuterpreis machten die Luzerner und der Bündner unter sich aus: 1. Platz für Corella von Beni Schmid, 2. Elisa, Adrian Arpagaus, und 3. Jaqueline, Beni Schmid. Beim Wettbewerb Milchwerte hingegen holte sich Hansueli Huser, Neu St. Johann, für das Toggenburg einen Sieg.

Rangliste unter www.brownswiss.ch


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