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Tagblatt Online, 19. November 2009 01:00:51

Äbtestube wieder eröffnet

Nach fünfmonatiger Renovation ist die Äbtestube an die Pächter des Gastronomie-Betriebs im Hof zu Wil übergeben worden.

silvan meile

WIL. Am Montagabend fand im Hof zu Wil ein weiterer Schritt in der zweiten Bauetappe statt. Nach dem Gewölbekeller, an dem die Restaurationsarbeiten im Mai abgeschlossen wurden, konnte nun am Montagabend auch die Äbtestube in neuem Glanz dem Pächterehepaar des ansässigen Gastronomiebetriebs übergeben werden. Nebst der Äbtestube wurden auch die Toilettenanlagen im Nebenraum erneuert.

Die Kosten dieses Teilprojekts innerhalb der zweiten Bauetappe belaufen sich insgesamt auf rund eine halbe Million Franken.

Aus jeder Epoche etwas

«Die Äbtestube ist durch die Sanierung und Restaurierung nicht gross verändert worden», erläutert der zuständige Architekt Piet Kempter. Die Äbtestube ist aber ein «Kuriosum» mit Einzelheiten aus unterschiedlichen und nicht genau datierbaren Epochen.

So stammt der Boden aus Eichenholz nicht etwa aus dem Mittelalter, denn ein Fischgräten-Parkett dieser Art gibt es erst seit etwa 200 Jahren. Das Wappen über dem Eingang und auch die allegorischen Figuren deuten jedoch darauf hin, dass der Raum einst als erster Gerichtssaal in Wil fungierte.

Denkmalpflege und Energie

Bei den baulichen Massnahmen ist nicht nur der Aspekt der Denkmalpflege wichtig gewesen, sondern auch ein zuverlässiger Brand- und Schallschutz sowie eine sinnvolle Energieeffizienz.

So wurden die Fenster beispielsweise mit Doppelfenstern isolierverglast. Hans Vollmar, Präsident der Baukommission, erwähnte, dass der Zustand des Raums generell auf den Stand aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts wiederhergestellt wurde. Der Täfer und der Boden wurden ausgebaut, restauriert, teilweise ersetzt und wieder eingebaut.

Die Tische und Stühle aus dem letzten Jahrhundert hat man aufgefrischt, die Heizung und Lüftung erneuert, aber an ihrem ursprünglichen Ort belassen, ausserdem sind Schlagstellen am Kachelofen modelliert worden. Die Holzdecke wurde mit Bienenwachs aufgefrischt und die reiche Bemalung an der Querbalken-Unterkante von der Holzverschalung befreit und wieder freigelegt.

Historische Wappenscheiben

Zwei Schmuckstücke in der Äbtestube sind die beiden Wappenscheiben aus Glas, welche die beiden Fenster schmücken. Jenes des Abts Diethelm Blarer von Wartensee, der als Bauherr nach dem Bau des Hauptgebäudes durch Ulrich Rösch verschiedenste Erweiterungen bewerkstelligte und so als bedeutendster Bauherr des Hofs gilt. Sein Wappen wurde der Stiftung Hof zu Wil von Elisabeth Fässler geschenkt.

Die zweite Wappenscheibe ist das Wiler Stadtwappen, das lange Zeit als verschollen galt und 1978 vom Landesmuseum in Zürich auf dem Kunstmarkt entdeckt wurde, wie Beno Ruckstuhl, Präsident der Kunst- und Museumsfreunde Wil, sich noch genau erinnert. Es stammt aus dem Jahr 1626 und ist mit «Stadt Wil im Thurgau» beschriftet. Heute ziert es äusserst gut erhalten das zweite Fenster in der Äbtestube, dank einer Leihgabe der Kunst- und Museumsfreunde Wil und Umgebung an die Stiftung Hof zu Wil.





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