Tagblatt Online, 16. August 2010 01:02:48
Verteidigungsminister ohne Kranz
Ueli Maurer geniesst umringt von den Ehrendamen die Stimmung im Festzelt des 103. Obertoggenburger Feldschiessens. (Bild: Bilder: Michael Hug)
ALT ST.JOHANN. Mit einem überraschend jungen Schützenkönig ging gestern das 103. Obertoggenburger Feldschiessen zu Ende. Auch der Schweizer Militärminister legte sich ins feuchte Schützenläger – den Kranz verfehlte er jedoch deutlich.
MICHAEL HUG
Mit Weibel und Chauffeur fuhr Bundesrat Ueli Maurer am Sonntagnachmittag am Feldschiessen-Stand bei Alt St. Johann vor. Ein Verteidigungsminister braucht selbstverständlich keine langen Instruktionen, aber ein Gewehr. Maurer hatte keine eigenes mitgebracht und so überreichte ihm OK-Chef Benno Bollhalder auf ausdrücklichen Wunsch Maurers ein «altes» Sturmgewehr 57.
Das Schiessbüro teilte Maurer in Block 5, Scheibe 1 ein: «Eine Randscheibe, das ist gut», sagte Maurer, «da treffe ich besser!» Doch die Viererkelle brauchte der Zeiger beim prominentesten aller Schützen nicht oft hervorzunehmen. Der Bundesrat schoss sich mit 47 Punkten nicht in die Obertoggenburger Bestenliste, sorgte aber mit seiner Fröhlichkeit immerhin für lockere Stimmung im Schiessstand.
Überraschender Schützenkönig
Das 103. Feldschiessen im Obertoggenburg gewann überraschend ein Jungschütze. Als einziger Schütze schoss Nicola Roth vom Militärschützenverein Speer-Laad aus Nesslau 71 Punkte. Damit setzte er bereits am Freitag die Höchstmarke, die im Laufe der drei Schiesstage nicht mehr erreicht wurde. Zweiter mit 70 Punkten wurde Martin Forrer von der organisierenden Feldschützengesellschaft Alt St. Johann, vor fünf Schützen mit 69 Punkten.
Brigitte Baumann und Trudi Kuratli schossen mit 67 Punkten das beste Damenresultat (ausführliche Ranglisten morgen im Toggenburger Tagblatt).
Schiess- und Politprominenz
Zahlreiche Schiess- und Politprominenz besuchten den traditionellen Anlass. Aktiv oder passiv waren Walter Locher, Kantonsratspräsident; Jakob Büchler, Nationalrat und Präsident Kantonalschützenverband; Toni Brunner, Nationalrat und Präsident SVP sowie Kreiskommandant Oberst Walter Hörnlimann anwesend.
Bundesrat Ueli Maurer benutzte die Gelegenheit, gegen die Waffeninitiative, die voraussichtlich im nächsten Februar zur Abstimmung kommt, Stimmung zu machen. Er berief sich auf die drei «Ws»: Wurzeln, Weitsicht und Waffentradition. «Der Schweizer darf nicht entmündigt werden, deshalb muss er seine Waffe zu Hause haben.»
Mit drei Böllerschüssen aus einer Feldhaubitze Typ M101 Kaliber 105 Millimeter beendete er traditionsgemäss das 13. Obertoggenburger Feldschiessen am Sonntagnachmittag.
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