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Tagblatt Online, 28. August 2010 12:29:00

Ein Jahrhundert Willenskraft

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100. Geburtstag gefeiert: Der Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann, Rolf Züllig (links), und sein Amtskollege von Gams, Werner Schöb, gratulierten Emma Dürr-Bühler am Mittwoch im Alterswohnheim Möösli in Gams. (Bild: Bild: hs)

WILDHAUS/GAMS. Sie sitzt in ihrem Rollstuhl vor dem Fenster ihres Zimmers im Alterswohnheim Möösli in Gams und betrachtet die Natur, die sie liebt: Emma Dürr-Bühler. Die jahrelang nimmermüde Geschäftsfrau feierte am Mittwoch ihren 100. Geburtstag.

Die heutige, ruhige Zeit im Alterswohnheim hat die Jubilarin verdient, denn sie hat in ihrem Leben viel Willen und kaum erlahmende Kraft gezeigt. Seit bald elf Jahren lebt Emma Dürr-Bühler im Alterswohnheim Möösli, wo sie die liebevolle Betreuung und die Gespräche mit ihren Mitbewohnern schätzt. Bis vor zwei Jahren hat sie die Gemeinschaft mit ihrem Klavierspiel blendend unterhalten, wie Heimleiterin Steffi Lüchinger lobt. Während einiger Zeit hat sie gar ein «hauseigenes» Gesangschörli am Piano begleitet.

Rüstig im Geiste

Bis vor zwei Jahren hat die naturliebende Jubilarin zudem gerne lange Wanderungen unternommen. Seit einem Sturz ist Emma Dürr-Bühler aber auf den Rollstuhl angewiesen, und ihr Sehvermögen hat stark nachgelassen. In der unteren Körperhälfte habe sie fast keine Kraft mehr, aber in der oberen schon, schmunzelt sie. Ihr Interesse am Geschehen auf der Welt und in ihrem Umfeld ist rege. Deshalb ist sie dankbar über lieben Besuch, der ihr jede Woche aus Zeitungen vorliest.

Und wie sich im Gespräch zeigt, ist sie geistig noch erstaunlich rüstig. Aufgeweckt und mit einem guten Erinnerungsvermögen schildert die hochbetagte Frau Reminiszenzen aus ihrem langen und ereignisreichen Leben.

Der Vater als Förderer

Zusammen mit drei Brüdern und fünf Schwestern ist Emma Dürr-Bühler in Bütschwil aufgewachsen.

Zu jener Zeit war es ungewöhnlich, dass einer jungen Frau nach der obligatorischen Schulzeit die Möglichkeit einer fundierten Ausbildung respektive zusätzlichen Schulbildung gegeben wurde. Sie habe halt einen fortschrittlichen Vater gehabt, blickt die Jubilarin noch heute dankbar zurück.

Ihr Vater betrieb in Bütschwil die Dorfkäserei. «Er hat den Tilsiter eingeführt, den man damals bei uns noch nicht kannte», erinnert sich Emma Dürr-Bühler.

Sie selbst erhielt die Möglichkeit, in Fribourg ein Internat zu besuchen, wo sie französisch und italienisch lernte und die Mitschülerinnen «unterhielt», erzählt sie lachend. Berufliche Stationen führten die Jubilarin in jungen Jahren neben der Romandie auch ins Tessin sowie nach Zürich.

Erfolgreiche Geschäftsfrau

Dort heiratete sie, und sie übernahm mit ihrem aus Gams stammenden Mann eine Molkerei in Baden, die sie sehr erfolgreich durch die harten Kriegsjahre führte.

Sie erledigte dort sowohl Verkauf als auch die kaufmännische Arbeit, unter anderem den Milchzahltag an die Bauern. Rechnen sei immer ihre Stärke gewesen, blickt die 100-Jährige auf ihr Wirken als erfolgreiche Geschäftsfrau zurück. Daneben konnte sie aber im Verkauf auch ihre Französisch- und Italienischkenntnisse gut einsetzen.

Engagierte Familienfrau

Die Belastung mit dem eigenen Geschäft war gross. Neben der täglichen Arbeit hat die Jubilarin ihre zwei Söhne aufgezogen, die sie auf dem Weg zu einer guten Ausbildung tatkräftig unterstützte.

In Wildhaus bauten Emma Dürr-Bühler und ihr Ehemann, der inzwischen erkrankt war, ein Ferienhaus. Sie unterstützte aber weiterhin nimmermüde und tatkräftig ihren Bruder, der die Molkerei in Baden übernommen hatte – auch nach dem frühen Ableben ihres Ehemanns.

Sie sei halt eine «gwehrige» und tatkräftige Frau, das sei ihr Temperament, wird die Jubilarin von der Heimleiterin positiv charakterisiert. Im obersten Toggenburg hat Emma Dürr-Bühler nach der definitiven Wohnsitzverlegung endlich Zeit gefunden für das Mitwirken im Kirchenchor, im Altersturnen und für das spät erlernte Skifahren. «Früher hatte ich nur Zeit zum Arbeiten, nicht zum Brauchen», blickt Emma Dürr-Bühler zurück.

Bleibt nur, der Jubilarin noch eine unbeschwerte Zeit auf ihrem Lebensweg sowie viel Freude an der so geliebten Natur zu wünschen. (ts)





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