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Tagblatt Online, 19. August 2010 01:02:59

Tradition im Schützenhaus

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Thomas Stillhart ist nicht nur seit 48 Jahren Chef des Chilbischiessens in Oberhelfenschwil, sondern hat beim Schiessen auch schon unzählige Auszeichnungen gewonnen. (Bild: Bild: sas)

OBERHELFENSCHWIL. Rund 1000 Schützen erwartet die Feldschützengesellschaft Oberhelfenschwil zum Chilbischiessen, das seit rund 130 Jahren durchgeführt wird. Seit 1961 steht Thomas Stillhart diesem Anlass als Chef vor.

Sabine Schmid

Schiessen hat in Oberhelfenschwil eine lange Tradition. Im Jahre 1777 wurde die Feldschützengesellschaft gegründet. Vor etwa 130 Jahren entwickelte sich die Tradition, am Chilbisonntag und Chilbimontag ein Freischiessen durchzuführen. Viele Leute seien gekommen, «um in sonniger Lage ihrem Hobby nachgehen zu können», heisst es in der Chronik zum 200-Jahr-Jubiläum der Feldschützengesellschaft.

Beteiligung stets gestiegen

1888 verzeichnete der organisierende Verein 85 Teilnehmer. Diese Zahl ist lange Zeit stetig angewachsen. Einen vorläufigen Höhepunkt gab es 1969 mit 800 Teilnehmern. Nach einem kurzen Einbruch 1973 (689 Schützen) stieg die Zahl weiter. «Seit 1987 haben wir immer mehr als 1000 Schützinnen und Schützen», freut sich Thomas Stillhart, der den Anlass seit bald 50 Jahren organisiert. Einen vorläufigen Höhepunkt verzeichneten die Feldschützen 1995 mit 1200 Schützen.

Wie viele es bei der diesjährigen Austragung sein werden, kann Thomas Stillhart nicht sagen. Er schätzt auf mehr als 1000. Vergleichszahlen aus dem letzten Jahr gibt es keine. Weil das Schützenhaus in Oberhelfenschwil ein Schauplatz des Kantonalen Schützenfestes war – dort wurde unter anderem der Schützenkönig ausgemacht – verzichtete der lokale Schützenverein auf ihr Chilbischiessen.

«Die Bevölkerung hat viel Verständnis für uns und toleriert den Lärm», windet Thomas Stillhart den Oberhelfenschwilern ein Kränzchen. Der aktive Schütze weiss, dass der Schiesslärm andernorts zu Problemen führt.

Vieles hat sich geändert

Thomas Stillhart, der seit seiner Lehre auf der Gemeindeverwaltung Oberhelfenschwil ein aktiver Schütze ist, stand der Feldschützengesellschaft mehr als zwei Jahrzehnte als Präsident vor. Viel hat sich geändert, seit er die Leitung des Chilbischiessens übernommen hat.

Früher habe man ein Zelt am Schützenhaus anbauen müssen. Das heutige Schützenhaus ist aber genug gross. Stolz ist Thomas Stillhart auch auf die elektronische Trefferanzeige. Der administrative Aufwand ist immer kleiner geworden. «Früher mussten wir für jeden Schützen von Hand ein Standblatt schreiben. Das konnten wir anhand der Anmeldungen vorbereiten», erinnert sich der Chef.

Heute wird die Lizenz des Schützen eingescannt und das Standblatt innerhalb weniger Sekunden ausgedruckt. Trotz 1000 Schützen, die ihr Programm von zwei Probeschüssen und zehn Schüssen auf acht Scheiben absolvieren, kommt es kaum zu Wartezeiten. «Viele Schützen kommen immer am gleichen Schiesstag», weiss Thomas Stillhart. Weil viele berufstätig sind oder an anderen Schiessen teilnehmen, verzichtet man aufs Schiessen am Sonntagnachmittag. Viele Schützen kommen von auswärts.

«Wenn wir die Anlässe von anderen Vereinen besuchen, kommen diese auch zu uns», erklärt Thomas Stillhart eine ungeschriebene Schützenregel.

Sport steht im Vordergrund

Er weist noch auf einen anderen Unterschied zu früher hin. «Damals sind die Schützen mit ihren Familien gekommen. Die Männer gingen ins Schützenhaus, die Frauen und Kinder besuchten die Chilbi.» Heute stehe der sportliche Aspekt mehr im Vordergrund. Wobei auch die Kameradschaft nicht zu kurz komme.

Das Chilbischiessen ist eine grosse Einnahmequelle für die Feldschützengesellschaft und ein grosser Teil davon wird in der Festwirtschaft erarbeitet.

Das hohe sportliche Niveau zeigt sich bei den Resultaten. «Etwa 70 Prozent aller Schützen machen bei uns eine Auszeichnung», sagt Thomas Stillhart. Abzeichen werden dabei kaum mehr gewünscht, viel lieber nehmen die Schützen für ihre guten Leistungen eine Kranzkarte in Empfang, was einem Geldwert entspricht. Die Besten in jeder Kategorie erhalten zudem eine Prämienkarte im Wert von fünfzig Franken.

Diese wird den Gewinnern zugeschickt und nicht mehr persönlich bei einem Absenden überreicht – wie damals, als sich die Schützen auf dem Platz vor dem Hotel Rössli versammelten und sogar die Musikgesellschaft aufgespielt hatte.





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