Tagblatt Online, 20. August 2011 10:57:00
Pflege-Wohnungen entstehen
Kaum Schattenwurf: Architekt Jörg Rüesch (links) demonstriert der Betriebsleiterin Renate Klein und dem Genossenschaftspräsidenten Thomas Häseli das Modell des Neubaus. Besonders weist er darauf hin, wie wenig Schatten der Neubau dank ausgeklügelter Planung werfen wird. (Bild: Barbara Anderegg)
OBERHELFENSCHWIL. Mit einem Erweiterungsbau will die Genossenschaft Dorfplatz Oberhelfenschwil mehr Platz für das bereits bestehende Angebot im Bereich Pflege und geriatrische Rehabilitation schaffen. Zudem wollen die Verantwortlichen im Neubau ein neues Angebot unterbringen: Pflege-Wohnungen.
Barbara Anderegg
Die Genossenschaft Dorfplatz will sich mit einem Neubau auf dem angrenzenden Parkgrundstück Rosengarten räumlich vergrössern, das Angebot erweitern und damit auch als Arbeitgeberin wachsen. Am Donnerstagabend haben Betriebsleiterin Renate Klein und Genossenschaftspräsident Thomas Häseli zusammen mit Architekt Jörg Rüesch die Mitarbeitenden des Dorfplatzes sowie Vertreter der Gemeinde über das Bauprojekt informiert.
Anpassung an Normen
Der Grund für den Neubau liegt zum Teil im bestehenden Gebäude begründet. Die Zimmer im bestehenden Gebäude müssten umgebaut werden, damit sie in Bezug auf die Grösse und die Tauglichkeit für die Betreuung von Pflegebedürftigen den kantonalen Richtlinien entsprechen. Daher werden die Zimmer in absehbarer Zeit vergrössert, wodurch sechs der heute 31 Zimmer wegfallen werden. «Mit weniger Zimmern aber sind wir nicht mehr wirtschaftlich. Darum müssen wir diese ersetzen», erklärte Renate Klein.
Neu: Pflege-Wohnungen
Daher soll erst der Neubau errichtet werden, der als Ersatz im Erdgeschoss sechs Pflegezimmer beherbergen wird. Im ersten Obergeschoss werden zusätzlich sechs Einzelzimmer für Kurgäste im Bereich der geriatrischen Rehabilitation entstehen. Bereits heute würden solche Gäste aufgenommen, sagt Renate Klein, aber bisher hätten sie keine fix dafür eingerichteten Zimmer. Die Nachfrage nach solchen Reha-Möglichkeiten, bei denen älteren Menschen nach einer Krankheit oder Operation wieder zu grösstmöglicher Selbständigkeit verholfen wird, sei massiv gestiegen. «Darum wollen wir in diesem Bereich unser Angebot erweitern», begründet die Betriebsleiterin.
Durch den Neubau wird aber auch ein gänzlich neues Angebot im Dorfplatz geschaffen werden: sogenannte Pflege-Wohnungen. Im ersten Ober- und im Attikageschoss sollen drei Zwei-Zimmer-Wohnungen entstehen. Diese werden älteren Menschen die Möglichkeit bieten, in den eigenen vier Wänden zu bleiben und trotzdem auf das gesamte Angebot des Dorfplatzes zugreifen zu können, inklusive Pflege. «Gerade für Ehepaare, bei denen einer von beiden pflegebedürftig ist, bieten solche Wohnungen eine ideale Möglichkeit, weiterhin zusammen zu leben», sagt Renate Klein.
Viel Volumen unterbringen
«Die Knacknuss bei der Planung war die Frage, wie wir das benötigte Volumen auf der vorhandenen Fläche unterbringen können», schildert der Architekt Jörg Rüesch. Gelöst wurde diese Aufgabe, indem der Bau so weit als möglich gegen Süden in den Hang hinein gebaut wird. So bleibe vor dem Haus eine möglichst grosse Fläche frei, wodurch gewährleistet sei, dass die umstehenden Häuser möglichst wenig beschattet werden, erklärte Jörg Rüesch und demonstrierte diesen Umstand anhand des Modells. Wichtig war ihm auch, dass das Gebäude keinen «Rücken» bekomme. «Egal aus welchem Winkel man es anschaut. Es hat ein Gesicht», sagt er. Und egal aus welcher Perspektive im Dorf man das ganze Gebäude betrachte, man werde es wegen der umgebenden Häuser nie als Ganzes sehen und es sehe auch von jedem Standort aus anders aus. Realisiert werden soll der Bau möglichst mit natürlichen Materialien. Geplant ist auch eine Holzfassade, deren Realisation allerdings von der Bewilligung durch den Brandschutz abhängig sei.
Mit dem Haupthaus wird das neue Gebäude unterirdisch verbunden sein. Das Untergeschoss wird einen Therapieraum sowie einen Raum der Stille beherbergen, die miteinander verbunden werden können. «Insgesamt sollen dort 100 Leute Platz finden können. Und wir werden den Raum gerne auch für Veranstaltungen zur Verfügung stellen,» so die Betriebsleiterin.
Die Aufteilung im Innern der Gebäude sieht vor, dass die Zimmer gegen den Hang hinausgehen, die Gemeinschaftsräume hingegen Richtung Dorf. Das entspreche auch dem heutigen Pflegeverständnis. Man wolle die Bewohnenden so oft wie möglich aktivieren und sie in die Gemeinschaftsräume holen, erklärt Renate Klein auf die Frage von Gemeinderat Walter Rimensberger, ob es sinnvoll sei, die Zimmer gegen die Seite zu bauen, welche die weniger schöne Sicht hat.
Frage nach Parkplätzen
Die einzigen anderen Bedenken, die an der Informationsveranstaltung geäussert wurden, kamen vom Personal. Die Situation mit den Parkplätzen sei schon heute unbefriedigend und werde sich ja wohl noch verschärfen, wenn der Personalbestand nach Inbetriebnahme noch wachsen werde. Renate Klein zeigte Verständnis und informierte, dass sie diesbezüglich mit der Gemeinde im Gespräch sei. Gemeindepräsident Toni Hässig versicherte denn auch, dass es für dieses Problem bestimmt eine Lösung geben werde. Er betonte bei dieser Gelegenheit, wie wichtig der Dorfplatz für Oberhelfenschwil nicht nur als grösster Arbeitgeber, sondern auch als Werbeträger weit über die Region hinaus sei.
Fertigstellung Sommer 2013
Der Zeitplan sieht vor, dass im Herbst das Baugesuch eingereicht wird. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass sie Anfang 2012 mit den Bauarbeiten beginnen können und der Neubau ein gutes Jahr später bezogen werden kann. Im Sommer 2013 sollten dann auch die Umgebungsarbeiten abgeschlossen sein.
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