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Tagblatt Online, 30. September 2009 07:44:00

Meisterprüfung nach drei Jahren

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Auch beim Abwärtsfahren kamen die Hobbybiker teilweise wegen des horrenden Tempos ins Schwitzen (Bild: Bild: Urs Huwyler)

TOGGENBURG. Rund 700 Bikerinnen und Biker haben am Samstag bei der 4. Austragung von Alpsteinbike.ch für eine Rekordbeteiligung gesorgt. Der Breitensportanlass rund um den Säntis ist in der Radsport-Szene zu einem festen Bestandteil geworden.

Urs Huwyler

Bei neuen Events (früher: Veranstaltungen) zeichnet sich meist nach der dritten oder vierten Austragung ab, ob es sich beim ultimativen Anlass um ein echtes Bedürfnis oder lediglich einen temporären Durchlauferhitzer handelt, sich das Volk mangels neuer Performance der nächsten noch cooleren Herausforderung zuwendet. Trotz des einfachen Konzepts scheint die nicht auf Zeit, Ehre und Medaillen ausgerichtete Bike-Tour durch das Toggenburg, Rheintal und Appenzellerland einem Bedürfnis zu entsprechen.

Anders ist es nicht zu erklären, dass an einem nebligen Tag mit weniger Sonne als in den Vorjahren mehr Stock- und Stein-Zweiradler über die vorbildlich beschriftete, maximal 91 km lange Strecke mit 3500 Höhenmetern quälten. Wobei Worte wie Quälerei, Schinderei oder Spinner bei den Aktiven Proteste auslösten. «Jeder kann sich das Tempo selber einteilen. Es besteht kein Leistungsdruck. Von Schinderei kann keine Rede sein. Schade ist einzig, dass wir das Panorama wegen des Nebels nicht überall geniessen konnten.

Sonst ist es dank der perfekten Organisation und der Streckenführung der schönste Bike-Tag im Jahr», jubelten mittelalterliche Draufgänger nach einer nicht ganz risikolosen Tempo-Abfahrt.

Verpflegung begehrt

Dass auch Freizeit-Abenteurer ihre Grenzen auszuloten versuchten, erfuhr OK-Präsidentin und Ideengeberin des Alpstein-Klassikers Christiana Sutter.

«Ich musste einen Biker mit dem Auto abtransportieren, der sich abwärts überschätzt und bei einem Sturz am Ellbogen verletzt hatte», erzählte die mit dem Verlauf glücklich und zufriedene Toggenburgerin. «Wir wurden an den einzelnen Checkpoints förmlich überrollt. Die Zugriffe auf die Homepage liessen eine hohe Beteiligung erwarten, doch unsere Erwartungen wurden weit übertroffen», staunte die Chefin, die am 31.

Juli auf einer Wanderung einen Herzinfarkt erlitten hatte und seither etwas kürzer treten muss (müsste).

Mit 700 technisch versierten Teilnehmern wurden die Veranstalter ebenso herausgefordert wie die Biker. Die Idealisten legten nach drei Lehrjahren bereits die Meisterprüfung ab. «Beim Checkpoint Unterwasser hatte der Skiclub über Mittag einen richtigen Ansturm auf die Spaghetti zu überstehen.

So etwas habe ich während der ersten Jahre nie erlebt», freute sich die temporäre Seebodenalp-Bademeisterin Christiana Sutter. Die Suppe auf der Alp Leser soll für die aus den verschiedensten Kantonen und dem nahen Ausland angereisten hungrigen Pedaleure ebenfalls nahezu Gourmet-Status erreicht haben.

Frauen im Aufwind

Im Bike-Sport war in der zu Ende gehenden Saison vor allem überregional ein deutlicher Anstieg bei den Frauen festzustellen. «Die Tendenz bestätigte sich auch bei uns.

Es dürften noch nie so viele Frauen und Kinder dabei gewesen sein wie diesmal. Diese Entwicklung», so die unter anderem von ihrer Schwester Barbara (Sekretariat) und ihrem Lebenspartner Peter A. Mäder (Marketing) unterstützte Präsidentin, «freut mich persönlich ganz besonders, weil sie auch dem Zielpublikum entsprechen.»

Ein Grund für das Interesse am Breitensport-Anlass dürfte das Preis-Leistungs-Verhältnis sein. Im Unkostenbeitrag von zehn Franken sind isotonische Maxim-Getränke und Riegel, Bananen, Biberli oder der Shuttle-Bus-Transport inbegriffen. «Das aufwendige Grundkonzept ist an und für sich einfach. Doch es deckt die Bedürfnisse der nicht wettkampforientierten Biker-Schicht optimal ab.

Deshalb werden alle, die einmal dabei waren, im nächsten Jahr wieder dabei sein», erklärte ein faszinierter Alpsteinbike.ch-Neuling. Allerdings befürchtete er, den Sonntag wie in der Bibel vorgesehen als Ruhetag leben zu müssen…





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