Tagblatt Online, 17. August 2010 01:04:41
Geissen gehen freiwillig zum Melken
Im letzten Winter hat Andreas Hässig seine Produktion von Kuh- auf Ziegenmilch umgestellt. Am vergangenen Wochenende zeigte er seinen Betrieb der Öffentlichkeit und rund 2000 Personen kamen in den Stall.
MICHAEL HUG
OBERHELFENSCHWIL. Von Kühen zu Geissen – kein leichter Entscheid. Ein Ziegenzuchtbetrieb stellt ganz andere Anforderungen. Baulich blieb im Stall der Familie Hässig auf dem Oberhelfenschwiler Füberg kein Stein auf dem anderen. Nun sind 69 Appenzeller- und Toggenburger Jungziegen im neuen Stall eingezogen, 20 weitere warten noch im Aufzuchtstall bis sie zum ersten Mal gemolken werden können.
Der Stall, so Andreas Hässig, sei für 110 Ziegen ausgelegt und rund 200 Liter Milch werden bei Vollbelegung dann täglich den Hof verlassen. Früher war das Ziegenzüchten ein Hobby seiner Frau, sagt der Landwirt, jetzt ist es der Haupterwerbszweig des Füberg-Hofs.
80 Liter Ziegenmilch pro Tag
Momentan melkt Hässig rund 80 Liter pro Tag: «Das hängt vom Alter der Ziegen ab und der Jahreszeit. Eine Ziege gibt etwa einen halben bis eineinhalb Liter Milch pro Melkung.
» Hässig hat sich intensiv mit der Umstellung beschäftigt: «Den Stall habe ich selbst geplant, es gibt ja nicht sehr viele Beispielställe bei denen man sich umsehen kann und jeder ist anders.» Doch er glaubt den optimalen Ablauf für das Melken gefunden zu haben: Alle Geissen versammeln sich kurz vor der Melkzeit in der einen Hälfte des Stalls.
Dann lässt Hässig 12 Ziegen in den Melkstand, den sie wegen der bereitliegenden Futterration freiwillig und regelrecht erstürmen.
12 Ziegen in 10 Minuten
Ein Dutzend Ziegen werden dann innert zehn Minuten mit der Melkmaschine gemolken. Die abgefertigten Ziegen verlassen den Melkstand und werden über eine Brücke in die zweite Hälfte des Stalls geleitet. So hat der Bauer die Gewähr, dass alle Tiere gemolken werden.
Die Milch führt Hässig zwei Mal pro Woche in eine Käserei nach Gonten, wo sie zu verschiedenen Ziegenmilchprodukten verarbeitet wird. Diese Produkte sind unter anderen auch im stets geöffneten Hoflädeli der Familie Hässig zu kaufen.
Andreas Hässig ist wöchentlich in Wattwil (am Samstag) und in Lichtensteig (am Dienstag) am Marktstand anzutreffen. Ausserdem verkaufen Hässigs auch Gitzifleisch. Eine Delikatesse, sagt Hässig, ausserdem fett- und cholesterinarm.
2000 Interessierte kamen
Die Tage der offenen Tür am Wochenende auf dem Füberg erregten grosses Interesse. Für 1500 Personen habe man sich vorbereitet, sagte Andreas Hässig gestern morgen. Aber es habe nicht gereicht. Auf rund 2000 Personen schätzte er den Aufmarsch: «Den Autonummern nach sind sie aus der halben Schweiz gekommen und sogar aus dem Vorarlbergischen.» Viele Familien seien dagewesen, ein gemischtes Publikum aus bäuerlichen und nichtbäuerlichen Kreisen, so Hässig: «Geissen sind eben anziehend.»
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